von unserer Mitarbeiterin Denise Burkhardt

Altenkunstadt — "Ich bin der König von Babylon", tönte durch die Halle der ehemaligen Synagoge in Altenkunstadt. Keine Theateraufführung eines antiken Stücks, sondern eine Textzeile aus Robert Schumanns "Belsazar", die Felix Rathgeber da in den Raum schmetterte. Dramatisch besang er die Ballade um den gotteslästernden Belsazar, der am Ende von seinen eigenen Männern erschlagen wird. Dominik Tremels Spiel am Flügel verlieh der Szenerie die nötige Tiefe.
"Belsazar" war einer der Höhepunkte im Programm des Liederabends "Herbstlicher Liederkranz" von Felix Rathgeber (Gesang) und Dominik Tremel (Flügel). Beide sind derzeit am Landtheater Coburg engagiert. Das Programm der beiden Musiker war eher thematisch als chronologisch aufgebaut. Den Liedern, die den Naturgedanken hervorhoben, wie Johannes Brahms "Feldeinsamkeit", stellten sie solche zur Seite, welche die dunkle, schaurige Seite der Romantik erfassten, zum Beispiel "O Tod, wie bitter bist du", in denen nichts Besseres erwartet wird als der Tod.
Ähnlich wie bei "Belsazar" forderte auch Schumanns "Waldesgespräch" theatralisches Gespür. Rathgeber wusste mit seiner Bassstimme Klangfarben und dynamische Differenzierungen so einzusetzen, dass die Geschichte von der verhängnisvollen Begegnung eines Mannes mit der Loreley lebendig wurde. Einzig der starke Hall des Raumes beeinträchtigte die Verständlichkeit, obwohl Rathgeber deutlich deklamierte.
Eine gelungene Überleitung bildete Schumanns "Die alten bösen Lieder". Erfrischend wirkten dann die Lieder von Ralph Vaughan Williams aus dem Liederzyklus "Songs of travel", beginnend mit "The vagabond". Mit einem Verweis auf ihren letzten Auftritt in der ehemaligen Synagoge 2014, bei dem Franz Schuberts "Winterreise" auf dem Programm stand, bezeichnete Tremel das Lied als "positiver und fröhlicher als die Winterreise". Williams hätte die "Schönheit der Natur, wie ein Wanderer sie erlebt", zum Ausdruck gebracht. Und er riet dem Publikum, gedanklich nach England zu reisen.
Der dumpfe Klang des Flügels, der vermutlich seinem Alter geschuldet ist, hatte sein Gutes - auch wenn er jegliche Bemühung um ein akzentuiertes Staccato boykottierte. Der Klang der Begleitstimme bei ruhigeren Stücken wie zum Beispiel Brahms "Feldeinsamkeit" bekam dadurch eine weichere, kompaktere Note. Tremel ließ Rathgeber genug Raum, entwickelte am Flügel eine gute Klangkulisse und überzeugte durch herausragendes Können bei den Passagen, in denen die Klavierstimme im Vordergrund stand.
Die Dunkelheit hatten die beiden mit ihrer "Wanderung" endgültig hinter sich gelassen. Bei Gustav Mahlers "Rheinlegendchen" und vor allem Ludwig van Beethovens "Aus Goethes Faust" ging Rathgeber eine stärkere Verbindung mit dem Publikum ein: Verschmitzt lächelnd sang er das "Flohlied".
Humorvoll schloss der "Herbstliche Liederkranz" dann auch mit einem amüsanten "Kuckuck, kuckuck! I-ja!" aus Mahlers "Lob des hohen Verstands". Die Musiker gingen aber nicht, ohne sich noch mit Richard Strauss' "Zueignung" beim Publikum zu bedanken.