Brigitte Krause Es hat keinen Sinn mehr, jetzt, nach über 44 Jahren, ist endgültig Schluss: Beim Weinfest kann man noch einen letzten Schoppen darauf trinken, denn dann wird das Zeiler Hallenbad bereits Geschichte sein: Der Stadtrat billigte am Montagabend das Vorhaben, die Einrichtung noch bis Ende Juli zu betreiben - wenn es überhaupt bis dahin geht.

Denn im Grunde hängt alles an einer Gummidichtung mit Schelle. Schon im November hatte einer der Stutzen an einem der großen Filter ein Loch. Fingerdick schoss das Wasser heraus. Den Stutzen konnte man nicht abnehmen und auch nicht schweißen - weil es keine Substanz mehr gab, wo man hätte ansetzen können. Alles verrostet. Die Tüftler legten einen Dichtungsring an und zogen den vorsichtig mit einer Schelle fest um den Stutzen. Nur nicht zu fest, damit das ganze Rostgebilde nicht in sich zusammenfällt - scharf hinschauen darf man nicht. Es hält bis jetzt.

Im Grunde ist diese Geschichte exemplarisch für das ganze Hallenbad: Der Beton vom Dach bis zum Grund ist in sich "morsch", das eingegossene Eisen rostet, alles vollgesogen mit Wasser und Abwasser. Sanitär- und Heizungsrohre lösen sich auf. Bei einer solchen Grundsubstanz geht nichts mehr, jede Investition ist ein Herumdoktern ohne Sinn. Schon letztes Jahr im April waren die baulichen und sicherheitstechnischen Mängel Thema im Stadtrat - mit dem bekannten Aufschrei in der Öffentlichkeit.

Eine Generalsanierung würde einem Neubau gleich kommen. Inzwischen sind Gespräche mit den umliegenden Gemeinden und Bürgermeistern gelaufen, Politiker sind informiert, selbst der Kreis und der Landrat eingebunden. Denn, dass die Stadt Zeil ganz alleine einen Schwimmbadneubau übernimmt, das ist reine Träumerei. Das Fazit der Besprechungen: Wenn wieder ein Hallenbad kommt, dann muss es von einer Allianz betrieben werden. Eine Studie soll zudem Aufschluss darüber geben, ob ein Neubau und gemeinschaftlicher Betrieb umsetzbar und notwendig ist, außerdem wird geprüft, welcher Standort am ehesten in Frage kommt, hier geht es insbesondere um die Kommunen Zeil, Knetzgau und Eltmann. Zeil im Alleingang ist dabei ausgeschlossen. Fördermöglichkeiten gibt es zwar über das Bayerische Finanzausgleichsgesetz. 4,5 Millionen Euro könnten auf diese Weise locker gemacht werden, dennoch blieben an Zeil drei, vier Millionen Euro hängen. Und dabei sind noch nicht die Unterhaltskosten eingerechnet, die gleichbleibend auch bei einem neuen Bad auf jährlich 250 000 Euro kämen (teure Wartungen von Spezialfirmen) und nicht zuschussfähig sind. Bei der anhaltend schlechten Haushalts- und Kassenlage wissen die Zeiler, dass sich so ein Bad nicht weiter betreiben lässt.

Bürgermeister Thomas Stadelmann diskutierte das Problem mit einem Architekten, der jahrelange Erfahrung mit Neubau und Sanierungen von Hallenbädern hat. Karl Drysch schaute sich das Bad an und winkte ab. Am Montag beschloss der Stadtrat, das Hallenbad trotz technischer Mängel bis Juli zu betreiben. Die Schulturnhalle soll für den Sportbetrieb geöffnet bleiben. Die sanitären Anlagen der Turnhalle sollen nach Instandsetzung separat in Betrieb genommen werden.