Alois Mraz ist angekommen in Coburg. Endlich. Nach der Corona-Frust-Saison, als der Tscheche meistens als Verlierer die Platte verließ, ist die Vorfreude beim Cheftrainer des Handball-Zweitligisten auf die zweite Serie in der Vestestadt riesengroß. Seine Körpersprache gegen Großwallstadt war auffallend emotional, motivierend, äußerst engagiert.

Der 43-Jährige aus Pilsen pushte seine Spieler zu Höchstleistungen. Und sein Plan ging auf, denn der 30:27-Auftaktsieg trug maßgeblich die Handschrift des Chefanweisers. Wir haben uns mit Alois Mraz vor dem ersten Auswärtsspiel bei Empor Rostock unterhalten.

Hallo Herr Mraz, erstes Spiel - erster Sieg. Was hat Ihnen beim 30:27 gegen Großwallstadt besonders gefallen und was muss unbedingt noch besser werden?

Alois Mraz: Bei unserem ersten Sieg haben wir eine sehr gute erste Halbzeit gesehen. Die Jungs haben viele Sachen umgesetzt, die wir auch vor dem Spiel besprochen haben. In der zweiten Halbzeit haben wir ein paar Fehler zu viel gemacht. Die Unzulänglichkeiten sind zu schnell passiert. Wir haben nicht so genau gespielt, wie wir das vorhatten. Deswegen haben wir in der zweiten Halbzeit auch sechs Tempogegenstöße hinnehmen müssen. Diese Bilanz wollen wir unbedingt verbessern.

Nach der Pause haben Sie die 5:1-Abwehrvariante ausprobiert - waren Sie damit zufrieden?

Die 5:1-Abwehr hat sofort funktioniert und beide Jungs, also Max Preller und Milos Grozdanic, haben das sehr gut gemacht. Deswegen war ich damit auch zufrieden.

Der Grieche Savvas Savvas warf 13 Tore, denkt man dann auch einmal über eine Manndeckung nach? Oder wird diese Variante im modernen Handball gar nicht mehr praktiziert?

Wir haben seine Tore durchaus eingeplant, aber wir wollten kompakt stehen und in der Nahdistanz gut verteidigen. Das hat funktioniert und wir haben wenig Würfe oder Gegentore aus diesem Bereich zugelassen. Eine Manndeckung wollten wir auch nicht spielen.

Am Samstag geht es nach Rostock - ein unangenehmes Pflaster. Wie wollen Sie dort gewinnen?

Wir fahren hochmotiviert und konzentriert nach Rostock. Das ist die beste Grundlage, um so ein Spiel zu gewinnen. Wir wollen unser System durchsetzen, dafür muss jeder Einzelne seine zugeteilten Aufgaben erfüllen. Die Rostocker spielen bissig und das über 60 Minuten. Darauf sind wir eingestellt. Außerdem müssen wir ihre Variante mit dem siebten Feldspieler im Auge behalten.

Nur mit einem Sieg können Sie die von Geschäftsführer Jan Gorr geforderte Euphorie in Coburg entfachen. Wie wichtig sind die Fans in der Arena? Glauben Sie, dass noch im Herbst über 2000 Zuschauer zu einem Heimspiel kommen?

Wir wollen natürlich das Maximum in Rostock für uns herausholen. Das gilt für jedes Spiel. Und das sollen die Zuschauer auch spüren. Dann hoffe ich, dass die Arena in Coburg irgendwann wieder voll ist. Die Zuschauer sind enorm wichtig. Sie sind zusätzliche Mega-Energie für uns. Das pusht das Team nach vorne.

Neuzugang Merlin Fuß spielte gegen Rostock auffallend emotional - hat er das Zeug zum Publikumsliebling?

Ich weiß gar nicht, ob Merlin wirklich so ein emotionaler Spieler ist, ich kenne ihn eher als einen ruhigen Spieler. Aber auf jeden Fall hat er eine gute Leistung gebracht und dabei Emotionen gezeigt, und das ist auch gut so.

Und was sagen Sie zum Einstand von Jan Schäffer? Kann er neben Andreas Schröder der neue Team-Leader werden?

Jan kann einer von mehreren Führungsspielern sein, er macht das auch sehr gut. Es ist richtig, er kann die anderen Spieler positiv beeinflussen.

Glauben Sie, dass das Torwartduo Jan Kulhanek und Jan Jochens zum großen Trumpf wird - zwei unterschiedliche und außergewöhnliche Typen. Macht sie das so stark?

Die beiden Torhüter ergänzen sich sehr gut. Beim Spiel, aber auch außerhalb der Platte. Diese gute Zusammenarbeit macht die Jungs sehr stark.

Sind gegen Rostock alle Spieler fit?

Ja, alle sind soweit fit. Nur bei Flo Billek müssen wir noch etwas langsam im Training machen, da er angeschlagen ist. Beim Spiel ist er aber dabei.

Die Reise an die Ostsee ist lang, fahren Sie deshalb schon am Freitag und wird in Rostock übernachtet?

Ja, wir übernachten in Rostock, nicht weit weg von der Halle. Abfahrt ist am Freitag nach dem Vormittagstraining. Wir wollen nichts dem Zufall überlassen und optimal vorbereitet sein.

Das Gespräch führte Christoph Böger