Eigentlich klingt der Begriff Dorfabend ein wenig behäbig - in Gehülz zeigte sich aber, dass dabei auch richtig die Post abgehen kann. Die Bergmusikanten Gehülz und der Liederkranz Breitenloh stellten zusammen mit der sich aus beiden Vereinen zusammengefundenen Theatergruppe ein buntes und unterhaltsames Potpourri aus Brauchtum und Traditionspflege auf die Beine.
Ein Angebot, das offensichtlich gerne angenommen wurde und den Initiatoren einen vollen Saal im Gasthaus Messelberger bescherte. Hier wurde nach langer Zeit einmal wieder Theater gespielt. Dass dabei die Besucher aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen, war insbesondere den Darstellern zu verdanken, die zur Höchstform aufliefen. Seit September hatten diese unter der Regie von Hans Simon, der auch das Stück zur Verfügung stellte und für die Kulisse verantwortlich war, den Einakter "Die schwarzen Hände" einstudiert - natürlich in der "Ghülse Sprouch" und mit jeder Menge Situationskomik sowie Lokalkolorit.


Mundart und Lokalkolorit

"Hou ich ann Durscht. Ich könnt die ganz Houßlich raus sauf. Mei Leebdouch sauf ich mich kann Rausch mehr o": Görch (Martin Bittruf) und sein Kumpel Sepp (Dirk Elsesser) - "zwaa Großbauern aus Braadnlou" - haben die Nacht zuvor bei einer Kneipentour in Kronach "su richtig ann drauf gemocht". Mit einem Filmriss wachen sie am anderen Morgen im Gästezimmer auf Görchs Bauernhof auf, mit einem geheimnisvollen Mitbringsel in Form von "zwaa weißa Weibehedschich" unbekannter Herkunft.
Zudem hat jeder von ihnen "schwazza Händ", die sich trotz mehrmaligen Waschens immer wieder schwarz färben. "Die Versammlung woh um halbe Zehna aus. Donn sin me nein Turneheim, nei die Schwohna, zur Bauernlola, zum Krugs Adam am Boohnhuof und anschließen hot uns der Teifel nuch nein Deutschen Haus getriebn. Dou woo vielleicht wos luos. Auch Fraan woorn im Spiel", rekonstruierte Görch noch einmal die Geschehnisse der vorausgegangen Nacht.
Doch so sehr er sich auch das Hirn zermarterte, danach kann er sich an nichts mehr erinnern. Als die Zeitung dann über einen Mordfall an einer 30-jährigen Kohlenhändlerin in der besagten Nacht berichtet und dass dafür eventuell zwei in der Nähe gesichtete alkoholisierte Männer als Täter in Frage kommen, beschleicht sie ein furchtbarer Verdacht: "Wir in unnem Sulle worn die Mörde!"
Mit allerhand Tricks versuchen sie nun, dem Schlammassel zu entkommen. Doch das ist gar nicht so einfach: Görchs "alta Hex" - sprich seine Frau (Corinna Simon) - wird immer misstrauischer und seine Tochter Bärbl (Sabine Seelow) nutzt die Situation berechnend für ihre Zwecke aus. Die "Ruotznous" behauptet, Eigentümerin der Handschuhe zu sein, wenn sie dafür den fleißigen wenngleich etwas langsamen Knecht Adel (Hans Blinzler) heiraten darf. Zu allem Überfluss erscheint auch noch der Andres vom "Soudlhuof" (Roland Weber) auf der Bildschirmfläche, da ihm Görch in der besagten Nacht 100 Mark versprochen habe. Zudem flattert ein dubioser Brief mit einer saftigen Rechnung ins Haus. Dieser verschafft dann auch Klarheit, ob es sich bei den zwei Saufkumpanen tatsächlich um die Mörder handelt.


Dorfabend ein voller Erfolg

Die Besucher waren eingangs von den Vorsitzenden Martin Simon von den Bergmusikanten Gehülz sowie Dirk Elsesser vom Liederkranz Breitenoh wie auch Stadtrat Hans Simon begrüßt worden. Sie alle freuten sich sehr über das Zustandekommen des Dorfabends. Besonderer Dank galt Kreisheimatpfleger Hans Blinzler als Initiator und Ideengeber, der den Abend gemeinsam mit den Bergmusikanten und dem Liederkranz organisiert habe.
Tradition und Heimatpflege wurde auch in den musikalischen Beiträgen hochgehalten. Die Bergmusikanten ließen Blasmusik erklingen, wobei Dauerbrenner wie "Böhmischer Traum" und "Wir Musikanten" nicht fehlen durften. Für Gesang sorgte der Liederkranz Breitenloh unter anderem mit Stücken wie "Seid gegrüßt, ihr lieben Gäste" oder "Ade zur guten Nacht" und dem Franken-Lied. Bei beiden Klangkörpern schwang Klaus Porsch den Taktstock, der ein gutes Händchen bei der Auswahl der Stücke bewies. Am Ende des dreistündigen Programms konnte das Publikum gar nicht genug von dem starken Stück gelebter Heimatliebe bekommen. So verband auch Diakon Jürgen Fischer sein Grußwort mit der Hoffnung, dass es solche Abende von nun an regelmäßig geben solle.