"Was lange währt, wird endlich gut", brachte es Katja Brade auf den Punkt. In der Tat sind seit der ersten Idee 2016 bis zur Realisierung im Juli 2020 glatte vier Jahre vergangen. Nun konnte am Mittwoch die Leitung des Quartiersmanagements "In der Heimat wohnen" mit einigen Gästen endlich die neue Mitfahrbank einweihen.

In der Viktor-von-Scheffel-Straße nahe der Hausnummer 10 steht sie nun: bunt lackiert, mit genug Platz für bis zu vier Personen und mit einem deutlich sichtbaren Schild, auf dem man anzeigen kann, wohin man gerne mitgenommen werden möchte. Dieses Schild hängt zwar aktuell noch etwas zu hoch, wird aber, so versprach Stadtrat Harald Konietzko, noch tiefer gehängt werden und somit leichter zu bedienen sein. Seit der Fertigstellung und dem Bezug der Wohnanlage 2016 wurde über solch ein "Mitfahrbänkla" nachgedacht. Doch nichts passierte. Georg Müller, früherer Bürgermeister, legte als Stadtrat im Mai 2018 eine schriftliche Anregung dem Bürgermeister Jürgen Kohmann vor, mit dem Wunsch um Behandlung. Auch Walter Mackert saß da im Stadtrat, unter anderem als Seniorenbeauftragter. Dass der Wunsch nach einer Mitfahrerbank nun erfüllt wurde, ist jetzt der Josephstiftung Bamberg zu verdanken. Sie hatte Gelder zur Verfügung und all ihre Standorte befragt. Der Staffelsteiner Standort an der Viktor-von-Scheffel-Straße kam zum Zug.

Aktuell weisen die Schilder die drei Fahrtrichtungen  Bahnhof, Bamberger Straße und Lichtenfelser Straße auf. Große Unterstützung kam auch von der "Projektgruppe", einer Gruppe ehrenamtlich tätiger Bürger, die sich regelmäßig treffen und austauschen, die wissen, "wo der Schuh drückt" und die die Lebensqualität für Senioren steigern wollen. Auch Georg Müller machte einen guten Vorschlag: In wenigen Tagen feiert er seinen 70. Geburtstag. Wegen Corona wird die Feier aber deutlich kleiner als geplant stattfinden. Dafür kann er sich gut vorstellen, einen Betrag als Zuschuss für ein weiteres "Bänkla" zu spenden. Anne Schulte von der Projektgruppe möchte aber noch mehr. Die Seniorin ist oft zu Fuß in der Stadt unterwegs und sieht sich mit offenen Augen um: Einkaufszentren mit vielen meist älteren Kunden, die schwer bepackt oder auf einem Rad schiebend ihre Einkäufe nach Hause bringen. Sie selbst ist mit ihren 82 Jahren noch gut zu Fuß, dennoch wünscht sie sich, dass es mehr Bushaltestellen in der Stadt gibt: "Nur am Bahnhof und in der Horsdorfer Straße ist zu wenig."

Teilweise fahren lediglich Schulbusse durch die kleinen Orte und Gemeinden, die Einwohner sind am Wochenende, an Feiertagen oder in den Schulferien zwangsläufig auf das Auto angewiesen. Vor allem für Senioren, die keinen Führerschein haben oder nicht mehr fit genug sind, um selbst mit dem Auto zu fahren, kann das problematisch werden.  Wer nicht Autofahren kann, sitzt mehr oder weniger zu Hause fest.

Wie funktioniert die Mitfahrbank? Die Mitfahrbank soll den ÖPNV ergänzen und den Einwohnern die Möglichkeit bieten, mobiler zu sein. Fahrziel auswählen, hinsetzen und warten bis ein Auto hält - so einfach funktioniert es. Die bunt markierten Bänke stehen am Straßenrand für jeden bereit. Direkt neben der Bank ist in der Regel ein Pfeiler, an dem unterschiedliche Schilder zur Auswahl hängen. Durch das Aufklappen des entsprechenden Ziels wird Autofahrern mitgeteilt, in welche Richtung die Fahrt gehen soll. Ein leeres Schild signalisiert, dass man nicht mitgenommen werden möchte. So kann die Bank auch als Sitzgelegenheit genutzt werden. In Ebensfeld funktioniert es gut. Vielleicht auch bald in Bad Staffelstein. Monika Schütz