Schnell mal zum Arzt, ein Rezept holen, im Supermarkt ein Pfund Butter besorgen oder sich mit der Freundin im Nachbarort auf einen Plausch bei Kaffee und Kuchen treffen - für Besitzer eines Autos ist das kein Problem. Wer jedoch fernab der Zentren wohnt und kein Fahrzeug besitzt, der tut sich schwer.

"Dabei fahren wir doch so oft zwischen den Orten hin und her und hätten nicht selten Platz, jemanden mitzunehmen, der Interesse hätte", dachte sich Angela Hennemann. So entstand in Oberleiterbach aus einer Idee das Projekt Mitfahrbänkla, in dem mittlerweile nicht nur die Gemeinden Ebensfeld und Zapfendorf zusammenarbeiten, sondern auch die Kreise Bamberg und Lichtenfels, unterstützt von Oberfranken Offensiv. Zum symbolischen Startschuss trafen sich die Projektbeteiligten nun direkt an der Nahtstelle der Landkreise.

Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich ging auf die Geschichte des Projekts ein: Entstanden sei die Idee in Oberleiterbach. Angela Hennemann, die Zweite Vorsitzende des Gartenbauvereins, habe dann Gespräche mit den beiden Gemeinden gesucht.

Fundierte Vorbereitung

Lange vor Projektstart wurde eine Whatsapp-Gruppe zur Absprache gegründet, ein Fahrplan mit den Kernzeiten zusammengetragen und dann für den Ort ein Prototyp eines Mitfahrbänklas errichtet. Das Schild entwarfen Roland Amon und Andrea Senger.

Eines der Zapfendorfer Mitfahrbänkla soll an der Hauptstraße in Höhe der katholischen Kirche stehen, das zweite wäre in einem Gemeindeteil wie Kirchschletten oder Unterleiterbach denkbar. Fix ist, dass der Markt Ebensfeld eine seiner Sitzgelegenheiten in Höhe der ehemaligen Tankstelle Berthold (Hauptstraße) montieren wird. Und die andere? "Wahrscheinlich im Kellbachgrund, also in Prächting oder Kleukheim", sagte Bürgermeister Bernhard Storath. "Und ich hoffe, dass das Bänkla bald nicht mehr so nagelneu glänzt, sondern viel genutzt wird und dadurch abgewetzt." Das Mitfahrbänkla bezeichnete er als moderne Weiterentwicklung des Trampens.

Bambergs Landrat Johann Kalb lobte die ebenso einfache wie geniale Idee. Er ließ durchblicken, dass der Landkreis mit dem Gedanken spiele, interessierten Kommunen, die eine oder andere Mitfahrbank zu spendieren, um die Hilfe zur Selbsthilfe voranzutreiben. Helmut Fischer, der Stellvertreter des Lichtenfelser Landrats, betonte, dass es im Kreis Lichtenfels eine zweite Kommune gebe, die Mitfahrbänkla aufstelle, um Menschen und Orte zu verbinden: Michelau.

"Ich find's a geila G'schicht'. Ich würd' sofort jemanden mitm Auto mitnehma, wenn da aner draufsitzt", sagte Frank Ebert, Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv, beim Ortstermin. Oberfranken Offensiv und das Demographie-Kompetenzzentrum Oberfranken seien überrannt worden, als sie bekannt machten, dass man Mitfahrbänkla spendieren werde.

Kein Ersatz für den ÖPNV

"Wir hatten knapp 50 Bewerbungen von Kommunen innerhalb von zehn Minuten", sagte Ebert. So stockte man die ursprünglich geplanten zehn Sitzgelegenheiten kurzerhand auf 40 auf. Gefertigt wurden diese bei den Werkstätten der Diakonie Neuendettelsau in Himmelkron. "Die Mitfahrbänkla sind kein Ersatz für den öffentlichen Personennahverkehr, wohl aber eine Ergänzung", stellte Ebert heraus. "Der Erfolg hängt stark davon ab, wie die Kommunen die Idee transportieren", fügte er an. Es gelte also nun, in Gemeindeblättern sowie von Mund zu Mund Werbung für das Projekt zu machen.