Die Profis des HSC 2000 Coburg stehen seit Donnerstag wieder im Saft. Während die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft um eine Medaille kämpft und HSC-Trainer Jan Gorr dabei sogar als TV-Experte für Eurosport am Mikrofon sitzt (mehr dazu auf Seite 22), bereiten sich die Coburger auf die am 1. Februar mit einem Heimspiel gegen den EHV Aue beginnende Rückrunde in der 2. Bundesliga vor. Aber auch hinter den Kulissen wird geschwitzt. Denn personell werden derzeit die Weichen beim HSC gestellt.

Dabei planen Geschäftsführer Michael Häfner und der in Personalunion tätige Trainer und Sportliche Leiter Jan Gorr zweigleisig. Denn trotz der hervorragenden Ausgangsposition kann niemand dem souverän die Liga anführenden Spitzenreiter den heiß ersehnten Aufstieg ins Oberhaus garantieren.

In den verbleibenden drei Wochen bis zum Re-Start stehen nicht nur schweißtreibende Trainingseinheiten auf dem Programm, sondern auch zwei interessante Testspiele gegen die Erstligisten aus Ludwigshafen (Samstag, 18. Januar, in der HUK-Arena) und beim SC DHfK Leipzig (Freitag, 24. Januar). Wir haben uns mit den beiden Machern der "Gelb-Schwarzen" unterhalten.

Herr Häfner, der Vertrag von Trainer Jan Gorr gilt noch für die laufende und für die nächste Spielzeit. Haben Sie über eine Verlängerung der dann siebenjährigen Zusammenarbeit nachgedacht?

Michael Häfner: Klar habe ich nachgedacht, wir hatten letztes Jahr erste lose Gespräche über die weiteren Zukunftspläne. Hier haben wir über die Position und Rolle von Jan geredet, seine Ideen, seine Ziele, aber auch über den HSC und seine Zukunftspläne und was wir in den nächsten drei bis fünf Jahren erreichen wollen. Konkreter sind wir aber noch nicht geworden.

Herr Gorr, nach so einer langen Amtszeit wäre ein Trainerwechsel nichts Außergewöhnliches. Derzeit läuft es in der 2. Liga optimal, von Abnutzungserscheinungen also nichts zu spüren. Sind Sie bereit für eine neuen Vertrag?

Jan Gorr: Wenn einem der Beruf Freude bereitet, ist man selbst doch am meisten daran interessiert, die eigene Arbeit immer wieder zu hinterfragen, um dadurch besser zu werden. Abnutzungserscheinungen sind meistens nur eine Alibi-Erklärung für gewünschte Personalentscheidungen. Wir haben in den letzten Jahren den HSC für die vorliegenden Bedingungen auf sportlich sehr hohem Level stabilisiert. Und mir macht es nach wie vor extrem viel Spaß, meinen Teil dazu beizutragen.

Inwieweit hängt Ihre Entscheidung, den Vertrag noch einmal zu verlängern, vom Aufstieg in die 1. Bundesliga ab?

Jan Gorr: Die 1. Liga ist toll und da will ich gerne wieder hin. Aber das ist bei weitem nicht das einzige Kriterium, das ich für meine Wahl für einen Arbeitsplatz heranziehe. Ich möchte gerne mit ehrgeizigen und verlässlichen Menschen zusammenarbeiten. Und ich muss die Gewissheit haben, dass es gelingt, aus den vorhandenen Möglichkeiten Maximales herauszukitzeln. Und um wirklich die Voraussetzungen für einen Erstligastandort in Coburg zu schaffen, haben wir noch einiges zu tun.

Wie gefällt Ihnen die Stadt Stuttgart? Erstligist TV Bittenfeld sucht für die nächste Saison einen Trainer und soll Interesse an Ihnen haben. Ist da etwas dran?

Jan Gorr: Stuttgart ist eine schöne Stadt. Ich persönlich mag zum Beispiel auch München, Frankfurt oder Berlin sehr gern. Aber im Ernst: Welche Vereine momentan Trainer suchen, interessiert mich nicht. Ich bin mit vollem Herzen bei meiner Aufgabe hier in Coburg. Und meine Mannschaft und ich haben aktuell nur die Vorbereitung auf unsere Rückserie im Sinn.

Herr Häfner, Sie waren zwei Tage vor Weihnachten beim Spiel des HC Erlangen gegen Berlin. Welchen Spieler haben Sie denn genauer unter die Lupe genommen?

Michael Häfner: Das stimmt. Ich bin aber aus rein persönlichen Interessen dort hingefahren. Klar ist auch, dass in beiden Mannschaften sehr gute Spieler sind, denen man gerne zuschaut und die natürlich auch Coburg gut zu Gesicht stehen würden, wie Drux oder Wiede. Ich glaube aber nicht, dass die nach Coburg wechseln (schmunzelt).

Oder gab es Gespräche mit Adalsteinn Eyjolfsson? Der Erlanger Coach wird frei.

Michael Häfner: Ich weiß wer Adalsteinn Eyjolfsson ist, habe bisher aber noch nie ein Wort mit ihm gewechselt. Von daher kann ich die Gerüchte nicht bestätigen.

Mit Max Jaeger, Marcel Timm und Lukas Wucherpfennig verlassen junge Spieler den Klub. Bleiben die anderen Hoffnungsträger dem HSC treu oder müssen die Fans mit weiteren Abgängen rechnen?

Michael Häfner: Unsere Aufgabe ist es, die Spieler, mit denen wir weiterarbeiten wollen, frühzeitig davon zu überzeugen hier in Coburg zu bleiben. Bei Marcel und Max hat das leider nicht geklappt, da diese sehr gute Angebote von Erstligisten vorliegen hatten. Beide haben sich nicht gegen Coburg, sondern für Erlangen und Lemgo entschieden. Mit den Spielern, deren Verträge auslaufen, sind wir in Gesprächen und loten gerade die Positionen aus.

Auf welchen Positionen erhoffen Sie sich Verstärkungen? Schließlich werden die Anforderungen, vor allem wenn der Aufstieg gelingt, noch einmal deutlich höher?

Jan Gorr: Wir sind aktuell noch auf der Suche nach einem Links- und einem Rechtsaußen. Hier haben wir ja zur neuen Saison Abgänge zu verzeichnen. Auf der Kreisposition haben wir mit Justin Kurch bereits einen sehr talentierten Mann verpflichten können und ich bin sicher, dass uns das auch auf den genannten Positionen in nächster Zeit noch gelingt.

Und was ist mit einem neuen Torsteher?

Jan Gorr: Wir haben im Augenblick mit unseren drei Torhütern Jan, Konstantin und dem jungen Fabian Apfel ein sehr gutes Torhüterteam. Natürlich wird es auch hier wichtig sein, nicht stehen zu bleiben. Denn nirgendwo mehr als im Leistungssport gilt der Grundsatz: "Stagnation bedeutet Rückschritt".

Die HUK Coburg hat den Sponsorenvertrag verlängert und Planungssicherheit gegeben. Außerdem soll es Philipp Rebhan (Leiter für Marketing und Vertrieb/Anm. d. Red.) gelungen sein, zusätzliche Partnerschaften mit finanzstarken Gönnern zu schließen. Steht dem HSC jetzt ein höherer Etat als im Vorjahr zur Verfügung?

Michael Häfner: Es stimmt, dass durch die Verlängerung mit unserem Hauptsponsor der Verein in gewissem Maße Planungssicherheit hat. Aber wir brauchen keine "Luftschlösser" bauen. Vertrieb und Sponsoring ist ein knallhartes Geschäft. Wir müssen noch viel Vorarbeit leisten und in der Region das Verständnis wecken, dass wir uns hier im absoluten Leistungssport bewegen.

Gelingt dem HSC Coburg 2020 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte der Erstliga-Aufstieg?

Jan Gorr: Das wäre herausragend. Natürlich wollen das die anderen Teams aber auch. Von daher machen wir als erstes eine gute Vorbereitung und dann werden wir in jedem Spiel aufs Neue für unseren Traum kämpfen. Michael Häfner: Die Rückrunde letztes Jahr sollte uns noch gut in Erinnerung sein: 13 Minuspunkte und gerade auswärts blieb die Mannschaft häufig unter ihren Möglichkeiten. Die Ausgangsituation ist in diesem Jahr ähnlich. Letztes Jahr hatten wir drei, dieses Jahr vier Punkte Vorsprung auf den dritten Platz. Vielleicht ist es zum 20-jährigen Bestehen des HSC so, dass wir im Juni auf dem Rathausbalkon stehen. Dann hätten wir doppelten Grund zu feiern. Das Gespräch führte Christoph Böger