von unserer Mitarbeiterin Denise Burkhardt

Bad Staffelstein — Die vier Posaunen des Ensembles "Consortium Musicum" verschmolzen beim Konzert in der Kirche St. Kilian am Sonntag zu einem Klangkörper. Professor Harry Ries, Luc Scholtes, Dion Kowalski und Dominique Steins zeigten, welche Bandbreite Musik mit vier Posaunen hat.
Der Klang des Stückes "Vive le roi" von Josquin Desprez (1450-1521) entfaltete sich mit weichen, verwischten Übergängen. Die Posaunisten zeigten schon hier, wie die vier Instrumente sich zu einem Klangkörper verbinden können. Der Klang erfüllte die Kirche und manch Zuhörer schloss die Augen, um sich darauf konzentrieren zu können. Dagegen kontrastierte das "Rondo und Pavane" von Tilman Susato (1510-1570) mit vielen Akzenten und flotterem Rhythmus. Die Dynamik blieb verhalten. Wer die raffinierte "Saltarello" komponierte, ist nicht bekannt. Aber das Stück mit den zwei gleichberechtigten Rhythmen - einem Zweier- und einem Dreierrhythmus - im Zusammenhang mit stimmungsvollen Moll-Akkorden war ein Hörerlebnis.
Auch bei Heinrich Isaacs (1450-1517) "Innsbruck, ich muss dich lassen" bildeten die vier Posaunen einen schönen Klangkörper, der den Zuhörer akustisch in wehmütig-andächtigen Moll-Harmonien baden ließ. "Die Posaune war ja ein göttliches Instrument", sagte Ries und verwies auf die Bibel. Tatsächlich wurde sie seit Jahrhunderten als Hofmusik oder bei sakralen Anlässen genutzt. Die getragene, ehrfürchtige Lobpreisung "Adoramus te domine" eines unbekannten spanischen Komponisten harmonierte hervorragend mit dem Austragungsort des Konzerts, der St.-Kilians-Kirche.
Harry Ries, der durchs Programm führte, erklärte zu Ludwig van Beethovens (1770-1827) Stück "Drei Equale", dass dieser Komponist "die Posaune in seinen symphonischen Werken nicht so sehr eingesetzt" hätte, trotzdem hätte er die Posaune "sehr geliebt". Neben dem ersten verhaltenen Satz und dem zweiten Satz, einem langsamen, zögerlichen Crescendo, strahlte der dritte Satz sowohl in dynamischer als auch klanglicher Hinsicht. Die Brillanz lebte von den Akkorden, die ineinander flossen und dabei behagliche Harmonie verströmten.
"Das, was Sie gerade gehört haben, ist für einen Bläser das Schwierigste", erklärte Ries und meinte damit die Intonation. Das schwermütig-romantische "Locus Iste" von Anton Bruckner (1824-1896) kontrastierte die drei "Ländler aus Österreich" von Otto Ebner. Als ob man aus der schweren Dunkelheit eines Waldes herausträte und geradewegs zu einem Dorffest gelangte, auf dem ausgelassen getanzt würde. Vor Henri Tomassis (1901-1971) "être ou ne pas être" wandte sich Ries ans Publikum: "Dieses Stück ist etwas ganz Spezielles." Jeder solle wie bei der Malerei "seine eigenen Vorstellungen" entwickeln. Das Stück bot den Blechbläsern die Möglichkeit, auch die tiefen Töne einzusetzen und durch den Dämpfer die Klangfarbe zu variieren. Es entstand eine Stimmung wie in einem Film noir.
Das letzte Stück im Programm "Tokyo Triptych" von Philip Sparke (*1951) wurde durch drei Ortsteile Tokyos inspiriert. Das Stück besitzt eine Leichtigkeit, die verschleiert, dass es "anstrengend zu spielen" ist, so Ries, vor allem was den Ansatz betrifft. Ries erinnerte daran, dass in Japan in den letzten Jahren viel geschehen sei. "Für unsere japanischen Kollegen", sagte Ries, bevor die vier zu spielen ansetzten. Das Quartett entließ das Publikum mit einem "Marsch mit Pepp und Schwung", wie Ries bemerkte. "Damit der Gang zur Gaststätte [...] leichter wird!"