Das 20. Schuljahr der Freien Waldorfschule in den Mainauen in Haßfurt ging dieser Tage zu Ende. "Als diese Schule eröffnet wurde, seid ihr alle geboren worden mit dem Ausblick ,Diese Schule wartet auf euch'", sagte der Oberstufenlehrer Peter Wolfrum bei der Verabschiedung der Entlassschüler.

Im Schulgarten feierten insgesamt 21 Schüler der 13. Klasse ihre bestandenen Prüfungen. Acht Schüler verlassen die Waldorfschule mit dem Abitur und 13 Schüler mit der Mittleren Reife. Musikalisch umrahmte die Lehrerin Julie Bandmann am Klavier die Feier.

Auf eine Ehrung der besten Schüler verzichtet die Schule bewusst, denn hier ist jeder gleich viel wert. "Wir sollten unsere Kinder in erster Linie zu Menschen erziehen und dann zu Ärzten, Anwälten oder Ingenieuren", sagte Birgit Denzer-Schurig in ihrer Rede stellvertretend für alle Eltern. In ihrer Aussage fänden sich auch der Anspruch und das Selbstverständnis der Waldorfschule wieder, erklärte die Mutter einer Abschlussschülerin.

Die beiden Absolventinnen Michelle Artes und Roberta Zühlke spiegelten die Schulzeit aus ihrer Sicht. Sie dankten allen Lehrern auch im Namen ihrer Mitschüler für den lehrreichen und vertrauensvollen Unterricht.

"Bei den ehemaligen Abschlussjahrgängen hätten sicherlich eine größere Unruhe und Unsicherheit geherrscht", lobte Joachim Brohm, Mitglied der Schulführung und Prüfungslehrer in Englisch, die ausscheidenden Schüler für ihre große Gelassenheit und Souveränität, mit der sie die Prüfungen trotz Corona gemeistert haben.

Nach der coronabedingten Schulschließung war erst eine Woche wieder halbwegs normaler Unterricht, ehe schon die Prüfungen anstanden, die die Waldorfschüler an staatlichen, externen Schulen absolvieren müssen. Im Gegensatz zum Abitur an einem Gymnasium gibt es bei den Waldorfschülern keine Vornote, die in die Gesamtnote mit einfließt. "Es kommt auf die Tagesform am Prüfungstag an", erklärte Schüler Elias Glauch, der das Abitur ablegte. Für den 20-Jährigen war es eine Reise ins Ungewisse, die er aber erfolgreich überstand. Seinen weiteren Lebensweg hat er bereits geplant. An der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt will Elias Glauch Maschinenbau studieren und hat bereits einen Studienplatz sicher. Sein Berufswunsch geht in Richtung Prüfingenieur, wobei hierbei noch nicht das letzte Wort gesprochen sei, so der Absolvent.

Julia Fuchs ist eine der Schülerinnen, die die Mittlere Reife erfolgreich bestanden haben. Für sie war die Zeit in der Waldorfschule in Haßfurt im Hinblick auf die Kreativität, die man hier frei entfalten kann, besonders schön. Die junge Frau, die einmal Förderlehrerin werden möchte, wird erst einmal ab September ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Grundschule in Haßfurt antreten.