von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Burgkunstadt — Johannes Wickles aus Burgkunstadt greift sich die Reckstange, ein flotter Aufschwung und schon sitzt er auf dem Sportgerät. Mit Schwung hat der 18-Jährige auch das Abitur genommen. Mit der Traumnote 1,0 hat er seine Schullaufbahn gekrönt - ebenso wie Ronja Leikeim (17) aus Zettlitz, die es sich auf dem zweiten Reck gemütlich gemacht hat. "Da könnte man ja glatt neidisch werden", scherzt Anne Baerwolff aus Strössendorf, die sich das dritte Reck auf dem Sportgelände geschnappt hat. Mit einem Notendurschnitt von 1,3 zählt auch sie zu den Schulbesten am Gymnasium Burgkunstadt.

Wie man am besten lernt

Jeder lernt auf seine eigene Art und Weise. Eine Erkenntnis, die sich auch im Falle der drei Absolventen bewahrheitet: Baer wolff prägte sich durch das Erkennen von Zusammenhängen den Stoff ein, für Wickles waren Handy, Radio und Fernseher beim kontinuierlichen Einstudieren von Formeln und Vokabeln tabu, während Leikeim im Verlauf ihrer Schulzeit die Erfahrung gemacht hatte: "Frühmorgens vor der Schule war ich besonders aufnahmefähig."
Ihren Hobbys hielten die drei, zum Teil mit Einschränkungen, auch in der heißen Phase der Prüfungsvorbereitung die Stange. "Ich wäre verrückt geworden, wenn ich nach manchen langen Schultagen keine Musik gemacht hätte, sondern mich nur auf die Schulaufgaben konzentriert hätte. Durch Kreativität kann man ja bekanntermaßen Gefühle ausdrücken und gerade das empfand ich als sehr wichtig", gibt die leidenschaftliche Panflötenspielerin Baerwolff offen zu.
Was auffällt an dem Abituriententrio, ist die Tatsache, dass zwei von ihnen - Leikeim und Wickles - in ihrer Freizeit als Oberministranten wirken. Erstere gestaltet in der Redwitzer Pfarrkirche "St. Michael" die Eucharistiefeiern mit, Letzterer im Gotteshaus "St. Heinrich und Kunigund" in Burgkunstadt. "Aus dem Glauben schöpfe ich Kraft und Hoffnung für mein tägliches Leben", sagt Leikeim. Ähnlich sieht es auch Wickles: "Ich habe die Ministranten-Stunden und Gottesdienste dazu genutzt, um auf andere Gedanken zu kommen. Anschließend konnte ich umso besser und effektiver lernen."

Ehrenamtliches Engagement

Fachwissen ist nicht alles im Leben, auch auf soziale Kompetenzen kommt es an. "Möglichkeiten, Letztere zu erwerben, gab es an unserer Schule mit seinen vielen Arbeitsgemeinschaften, Vorträgen und Klassenfahrten viele", streicht Wickles heraus, um sogleich ein Beispiel zu nennen: "Die Aktionsgruppe ,Schule ohne Rassismus' trug zu einem toleranten Umgang mit unseren Mitmenschen bei."
Die Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren, von der Baerwolff als Schulsanitäterin und Wickles als Badmintontrainer, Tutor und Mitglied in der Schülermitverwaltung (SMV) Gebrauch machten, ist für die frischgebackenen Abiturienten eine weitere Schokoladenseite ihrer ehemaligen Schule.
Die süßeste von allen sind für Leikeim die Lehrer am Gymnasium Burgkunstadt: "Sie haben sich mit viel Engagement und Freude für ihre Schüler eingesetzt und immer wieder versucht, den Unterricht möglichst spannend zu gestalten."
Pläne für die Zukunft haben die drei bereits geschmiedet: Wickles hat sich für ein Physikstudium entschieden, während Leikeim Ärztin werden möchte. Baerwolff hingegen wird ab September beim BRK einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren.
"Im Anschluss daran könnte ich mir vorstellen, ein Medizinstudium zu beginnen oder aber im Rettungsdienst zu bleiben", erzählt die 18-Jährige.

Mit dem Obermain verbunden

In einem sind sich alle einig: der Verbundenheit zu ihrer Heimat. Eine Rückkehr nach einem Aufenthalt in der Ferne schließen sie nicht aus. "Wenn ich einen geeigneten Job finde, wüsste ich nicht, was dagegen spräche", meint Wickles. Leikeim schwärmt vom elterlichen Bauernhof und den vielen schönen Orten, wie dem Kordigast, die ihr eine Rückkehr versüßen würden.
Und Baerwolff findet: "Hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde. Ich verbinde mit der Region am Obermain so viele schöne Erinnerungen, dass ich mir nicht vorstellen könnte, nie wieder hierherzukommen."