Eigentlich hätten die Schüler der zwölften Klasse der Coburger Fachoberschule im Moment genug zu tun. In zwei Wochen schreiben sie Abschlussprüfungen. Für ein Herzensprojekt engagieren sie sich trotzdem: Mit ihren Lehrern haben sie unter dem Motto "Fremde werden Freunde" ein Benefizkonzert für Flüchtlinge organisiert, das am 4. Mai auf dem Schulhof stattfindet. Je nach Wetter hoffen die Organisatoren auf 500 Zuschauer.
Die Fachoberschule veranstaltet jedes Jahr einen Adventsbasar, mit dessen Erlös sie soziale Projekte in Coburg unterstützt. Auch diesmal ging die Initiative von den Schülern aus. "Wir wollen eine Schule ohne Rassismus und haben überlegt, wie wir das nach außen tragen können", sagt Pauline.
"Wir wollen keine großen Gönner sein, die Geld oder Dinge spenden", erklärt Schüler Jonas. "Wir wollen zusammen mit den Flüchtlingen etwas auf die Beine stellen und ein Zeichen setzen." In seiner Freizeit spielt der angehende Absolvent oft mit Jungs aus Afrika, Syrien und Afghanistan Fußball und hat sich mit vielen angefreundet. "Was sie erlebt haben, ist schrecklich. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie bei uns willkommen sind."
Dazu haben die Fachoberschüler Kontakt zu vier Nachwuchsbands aus dem oberfränkischen Raum aufgenommen. Zwischen 17 und 22 Uhr werden "Kulturclub" aus Coburg, "Drake Stone" aus Bamberg, "Angiz" aus Kronach und "Lokomotor" den Schulhof in ein Festivalgelände verwandeln. Die Landmetzgerei Köhler aus Untersiemau stellt einen Grillwagen und das Fleisch zur Verfügung. Falls es regnen sollte, werden Bühne und Zuschauerraum überdacht sein.


Equipment vom Klassenlehrer

Das alles wäre ohne die Hilfe und Kontakte von Johannes Hertrich nicht möglich gewesen. Der Klassenleiter hatte die Idee für das Benefizkonzert und stellt sein Bühnenequipment zur Verfügung. "Das Projekt kommt vom Herzen und meine Schüler stehen komplett dahinter", versichert der Lehrer. Trotz des Engagements von Lehrern und Schülern war es nicht leicht, das Konzert auf die Beine zu stellen.
"Wir haben sehr viele Mails geschrieben und Sponsoren angefragt", erklärt Johannes Hertrich. "Leider haben sich nur wenige bereiterklärt, uns zu unterstützen." Schließlich konnten aber die SÜC Coburg und die Coburger Sparkasse als Sponsoren gewonnen werden. Um Werbung für das Benefizkonzert zu machen, hat die SÜC in jedem Stadtbus Plakate der Veranstaltung aufgehängt. "Am Ende hat unsere Planung funktioniert, weil jeder Leute kennt, die helfen und ihren Beitrag leisten können", weiß Lukas.
Auf dem Konzert sollen nicht nur deutsche Bands spielen. Auch junge Flüchtlinge sollen in den Ablauf integriert werden. In der Staatlichen Berufsschule I, die sich mit der Fachoberschule das Gelände am Plattenäcker teilt, gibt es schon Integrationsklassen, die komplett aus Flüchtlingen bestehen. Die Theatergruppe der Fachoberschule hat mit ihnen in den letzten Wochen kurze Sketche geschrieben, die kuriose Situationen darstellen, die viele junge Asylsuchende kennen, wenn sie nach Deutschland kommen. "Wir mussten bei den Proben viel lachen, weil unseren ausländischen Schülern Dinge auffallen, über die wir gar nicht nachdenken", sagt Susanne Werner, Mitarbeiterin der Schulleitung.
Da wären Piercings, die Jugendliche in Deutschland ganz selbstverständlich im Gesicht tragen. Die Sketche sollen keine politischen oder kulturellen Debatten entfachen, sondern einfach unterhalten.


Auszeichnung in Aussicht

Die Organisatoren des Konzerts freuen sich auch kurzfristig über jede Unterstützung. Wenn alles klappt, wird die Fachoberschule für ihren Einsatz als "Schule ohne Rassismus" ausgezeichnet - ein Projekt, das vom Verein "Aktion Courage" ins Leben gerufen wurde. Für die große Tafel, die jede teilnehmende Schule erhält, hat sich die Fachoberschule schon einen Platz ausgesucht. "Wir würden die Auszeichnung in unseren Eingangsbereich hängen, weil wir stolz darauf sind, was unsere Schüler kurz vor ihren Prüfungen auf die Beine gestellt haben", versichert die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Reichert.
Der Eintritt für das Benefizkonzert am 4. Mai ist frei. Die Verantwortlichen freuen sich aber über jede Spende, die den Flüchtlingen in der ehemaligen BGS-Halle zu Gute kommt.
Für das Projekt kann auch im Internet unter sparda-machts-moeglich.de abgestimmt werden. Wenn die Fachoberschule genug Stimmen bekommt, erhält sie von der Sparda-Bank eine finanzielle Förderung, die sie in die Umsetzung zukünftiger sozialer Projekte investieren will.
Wem die Sketche der Theatergruppe beim Konzert gefallen, der kann sich das komplette Stück am 25. Juni in der Reithalle anschauen. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.