Die Massenvermehrung des Schwammspinners geht 2020 im Kreis Haßberge in das dritte Jahr. Zum Schutz der Laubwälder vor einem Kahlfraß durch Schwammspinnerraupen werden in einigen besonders gefährdeten Bereichen ab Anfang Mai Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Darauf weist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt hin, das auch für den Kreis Haßberge zuständig ist.

Die Ausbringung erfolgt durch einen Hubschrauber auf 0,6 Prozent der Waldfläche des Landkreises, obwohl eine wesentlich größere Fläche von der Massenvermehrung betroffen ist. Behandelt werden 15 Einzelflächen mit insgesamt rund 250 Hektar. Weitere Informationen zur Lage der Waldgebiete stehen auf der Internetseite des Amtes unter www.aelf-sw.bayern.de. Der Beginn der Maßnahme ist abhängig von der Witterung.

Der Schwammspinner hat sich im Sommer 2019 weiter stark verbreitet. Dies gilt sowohl regional als auch hinsichtlich befallener Waldstrukturen. Über ein Drittel der Behandlungsfläche im Amtsbereich liegt in neuen Gebieten, in denen der Schwammspinner in der Vergangenheit nie waldschädliche Dichten zeigte. Gleichzeitig droht nun Kahlfraß auch in buchenreicheren Wäldern, die bisher als zu "kühl" für den Schwammspinner angesehen wurden. Beide Entwicklungen stehen vermutlich im Zusammenhang mit den zurückliegenden heißen Jahren.

Ob der Wald gravierenden Schaden nimmt, hängt einerseits von der Stärke des Schwamm-spinnerfraßes ab und andererseits vom Vitalitätszustand, den Abwehrkräften der Bäume. In den Extremjahren 2015, 2018 und 2019 waren die Bäume in der Region starker Hitze und Trockenheit ausgesetzt. 2019 traten bisher nicht gekannte Schäden auf, und diese auch an Laubbäumen, insbesondere an Rotbuchen. Ebenso nahm bei der Eiche seit Sommer 2019 der Umfang der Schäden zu.

Dem Pflanzenschutzmitteleinsatz gingen umfangreiche Vorarbeiten voraus. Bereits im Frühsommer 2019 haben Förster kartiert, wo Schwammspinnerraupen Wälder kahlgefressen haben. Im Amtsbereich, den Kreisen Schweinfurt und Haßberge, wurden auf insgesamt rund 1000 Untersuchungslinien 10 000 Bäume genau betrachtet.

Eingesetzt wird das Pflanzenschutzmittel "Mimic", das seit Jahren auch im Obst- und Weinbau eingesetzt wird. Als Fraßinsektizid entfaltet "Mimic" seine Wirkung, sobald die Raupen des Schwammspinners die Eichenblätter fressen. Ziel ist es, möglichst nur diejenigen Arten zu treffen, welche in den kommenden Wochen die Blätter der Eiche als Nahrung nutzen. "Das ausgebrachte Mittel ist weder für den Menschen noch für Bienen gefährlich", betont das Amt.

Rechtzeitig vor der Befliegung werden die betroffenen Waldgebiete vorsorglich mit rot-weißem Absperrband und gelber Beschilderung gesperrt. red