Die Schützenvereine haben es nicht leicht: Zum einen leiden sie wie viele andere Zusammenschlüsse unter Mitgliederschwund, zum anderen unter immer stärkeren Auflagen und schärferen Gesetzen. Deshalb müssen sie aktiv werden, um die Attraktivität ihres Sports zu steigern. Das haben die Stadtsteinacher Schützen erkannt, die ihre Anlage am alten Güterbahnhof mit großem Aufwand erneuert haben.

Seit Wochen sind die Aktiven am Werkeln: Die meisten Arbeiten haben sie in Eigenregie erledigt, um den rund 200 Mitglieder zählenden Traditionsverein finanziell zu entlasten. Es wurden neue Fenster eingesetzt, im Norden des Komplexes ist ein vier Quadratmeter großer Anbau entstanden. Der fasst künftig die Gastherme, mit der die Hallen und das Vereinszimmer beheizt wird.

Damit trägt man dem zunehmenden Trend Rechnung, der wegführt von der klassischen Ölheizung. Nicht nur aus umwelttechnischer Sicht sicherlich eine richtige Entscheidung.

Neue Kugelfänge

Eine neue Ausstattung erhielten die Schießstände. Der 25 Meter lange Pistolenstand wurde mit neuen Kugelfängen ausgerüstet. Sie bestehen aus schweren Metallplatten und Rückprallblenden, die Querschläger verhindern. Zuvor hatten mächtige Holzblöcke die Geschosse abgefangen. Dafür, dass es den Sportlern auf den fünf Ständen nicht zu kalt wird, sorgt eine Strahlungsheizung.

Sicherheitsaspekte waren ausschlaggebend für eine weitere Maßnahme: Die Mitglieder strichen die Wände mit mehreren Schichten aus feuerhemmenden Farben und Lacken. Das mindert die Brandgefahr wesentlich.

Doch auch die Aktiven, die mit Luftgewehr und Luftpistole trainieren, dürfen sich auf eine moderne Ausstattung freuen. Zwölf Stände verfügen nunmehr über eine digitale elektronische Anlage. Jeder Treffer wird in Echtzeit auf einem Monitor angezeigt.

Damit entfällt das lästige Einholen der Scheiben, das den Trainingsfluss immer wieder unterbrochen hat. Die Ergebnisse werden sofort an das Schützenzimmer übermittelt, in denen sie per Laptop erfasst und ausgewertet werden können. Das stellt gerade bei Wettkämpfen mit vielen Teilnehmern eine wesentliche Arbeitserleichterung dar.

Aber auch das Schießen ohne Munition ist möglich: Es erfolgt dann über eine Lasertechnik für alle Luftdruckwaffen.

Merklich gestiegen ist der Unterhaltungswert des Schießens: Ein großer Bildschirm ist im Schützenstübchen angebracht, auf dem jeder Gast sofort die Ergebnisse mitverfolgen kann. Das hebt die Spannung und das Interesse an diesem Hobby.

80 000 Euro investiert

Freilich musste der Verein einiges an Geld in die Hand nehmen, um diese Verbesserungen zu erreichen. Rund 80 000 Euro fallen für die gesamten Maßnahmen an. Um dies stemmen zu können, musste der Vorstand eine Zwischenfinanzierung von 60 000 Euro auf den Weg bringen. Weitere Entlastung bringt die sogenannte Steueroption mit sich: Der Verein verpflichtet sich dazu, in den kommenden fünf Jahren eine Steuererklärung abzugeben. Dafür erhält er rund 13 000 Euro an gezahlter Mehrwertsteuer zurückerstattet.

Doch auch die öffentliche Hand greift der 1854 gegründeten Gesellschaft unter die Arme. Der Freistaat leistet einen Zuschuss von 55 Prozent auf die förderfähigen Kosten. An Eigenkapital warfen die Mitglieder 15 000 Euro in die Waagschale.

Das gesamte Maßnahmenpaket ist das größte seit dem Jahr 1995. Damals hatte der Verein die Immobilie, in der eine Weberei untergebracht war, erworben und umgebaut. Die nun erreichten Verbesserungen sichern den Fortbestand des Zusammenschlusses, der dadurch zukunftsfähiger und attraktiver geworden ist.

Schon jetzt zeigen sich erste Auswirkungen: "Wir haben neue Mitglieder bekommen," sagt Erster Schützenmeister und Vorsitzender Reinhard Kraus mit großer Freude. Und weiter: "Damit sind wir zweifelsohne auf der Höhe der Zeit." Kraus hätte gern den Abschluss der Arbeiten mit einem "Tag der offenen Tür" gefeiert. Wegen der Corona-Pandemie musste die Feier aber bis auf weiteres zurückgestellt werden.

Der Schützenmeister verweist darauf, dass auch die Trainingsmöglichkeiten auf der Anlage verbessert worden sind. Neben der bekannten Öffnungszeit am Montag ab 18 Uhr sind die Stände neuerdings auch immer sonntags ab 9.30 Uhr zugänglich. Interessenten melden sich bei Uwe Mai unter der Telefonnummer 0152 / 33849271. red