Eckehard Kiesewetter Spannend ist's mit Revolver immer, nicht nur im Krimi. Auch auf der Konzertbühne, weil die Arrangements der Rockformation "Revolver" sich stetig wandeln. Erst recht in den zurückliegenden vier Jahren, seit die Oldieband von einst sich mit jungem Blut und einem sensationellen Bläsersatz aufgefrischt hat. Dazu kamen das altersbedingte Ausscheiden des Gründungs-Drummers Evert Fratermann und des langjährigen Bassisten Ludwig Fellinger.

Als Drummer glänzt heute Matthias Bäuerlein und den Bass zupft Andreas (Igl) Schönwitz. Eine Zäsur, die Spuren hinterließ und frischen Wind brachte. "Wir haben den Riemen noch mal rumgerissen", sagt Keyboarder Friedel Amon und begeistert sich selbst dafür, mit wie viel Schwung und Begeisterung er und die anderen Veteranen heute mit den Jungen auf der Bühne stehen: "Das Feuer ist neu entfacht!" Der Jüngste im neunköpfigen Musik-Kollektiv ist 33, der älteste bereits 70 Jahre alt.

Dieter Roth und Jürgen Kühnlein (beide Gitarre und Gesang) haben "Revolver" mitgegründet; Amon und Uwe Gaasch beispielsweise machen bereits seit annähernd 50 Jahren gemeinsam Musik, anfangs in einer Soulband, später dann Rockjazz und Pop-Rock.

"Revolver" ist für viele Musikrichtungen offen. "Wir haben keine Berührungsängste", sagt der Arrangeur der "Revolvermänner", der persönlich gerade nebenher an einem neuen Projekt namens "Amonium" arbeitet, "außer bei billigem Schlager!" Leadsänger und Percussionist Gaasch, der vor 37 Jahren zur Gruppe stieß, hat inzwischen andere Bandprojekte (Schweinsohrselection; Brand Old) auf Eis gelegt, um sich auf die erquickliche Zusammenarbeit mit den acht "Revolver"-Kollegen zu fokussieren. So genießt er die Auftritte.

Die Musiker erleben die Begeisterung des Publikums als Symbiose, wie Amon sagt; das wiederholt geäußerte Bekenntnis zum Spaß, hier spielen zu dürfen, sei ehrlich empfunden. Der Funke springt bei dem Gig in der ausverkauften Haßfurter Stadthalle gleich bei den ersten Stücken über, in denen "Revolver" mit frischem Sound aufhorchen lässt. Die Band präsentiert sich funkiger, jazziger und souliger denn je und zunehmend auch emanzipierter von den Originalen. Früher hatte Friedel Amon bei vielen Stücken den Blech-Part durchs Keyboard ersetzen müssen, heute verlangt die starke Bläsersektion (Gerhard Cäsar, Klaus Wangorsch und Udo Schwendler) den Bandkollegen nicht mehr ganz so rockige Interpretationen der Winwood-, Chicago- oder Whitesnake-Klassiker ab. Bei Totos "Africa" wagt man ein Duett von Schlagzeug und Bass. "Das alles funktioniert vom Feinsten", freut sich Profimusikus Amon: "Man muss nicht die dicksten Freunde sein, und kann sich trotzdem auf der Bühne blind verstehen."

Hits von Pink Floyd, Sting und Paul Simon und harter Rock dürfen auf der Setlist nicht fehlen, aber man gönnt sich auch neuere und weniger bekannte Stücke von Tower of Power, der Average-White-Band oder ein 60er-Oldie der Easybeats im frischen, neuen "Revolver"-Gewand. Volltreffer!