Christoph Böger Maximilian Müller ist Zweckoptimist. Aufgeben ist nicht sein Ding. "Corona darf keine Ausrede sein", sagt der 36-jährige Chef des Thanner Familienunternehmens Festartikel Müller. Natürlich leide sein Betrieb und die gesamte Branche unter dieser verflixten Pandemie und "wir wissen auch nicht wie es weitergeht", aber: "Wir müssen und wollen völlig neue Kapitel aufschlagen". Müller sieht in der Krise auch eine Herausforderung und Chancen zugleich.

Gemeinsam mit seinen verbliebenen 25 Mitarbeitern - bisher musste er sich nur von drei Teilzeitkräften trennen - stellt sich Müller auf eine sehr schlechte Saison ein. "Unsere Existenz ist aber dank der Kurzarbeitsregelung noch nicht bedroht. Momentan noch nicht! Das steht und fällt nämlich sicher damit, wie sich die Pandemie im kommenden Winter und darüber hinaus entwickelt".

Ohne staatliche Soforthilfe

Von Soforthilfen der Staatsregierung profitierte der "Affen-Müller" - so wird der Festartikel-Hersteller seit Jahrzehnten vor allem im Neustadter Kessel genannt - nicht. Auch Überbrückungshilfe gab es für die Thanner keine, da der Betrieb immer wieder einmal knapp über oder knapp unter der magischen Umsatzeinbußen-Grenze von 60 Prozent lag.

Ein schlechtes Geschäftsjahr könne seine Firma verkraften, aber danach würde es verdammt eng werden. Schließlich liegen bereits schwierige Monate hinter den geschickten Kostüme-Machern. "Wir hatten Tage mit null Euro Umsatz."

Und das, obwohl die Faschingsexperten im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern nicht auf einen aktuellen Katalog verzichteten. Schon eine Woche nach Aschermittwoch, also noch ziemlich am Anfang der Corona-Zeit, fiel die Entscheidung für einen neuen vollwertigen Katalog. Die Arbeiten für ein aktuelles Heft mit vielen neuen Fotos und Grafiken entstand mit hohem redaktionellem Aufwand. Durch die Kurzarbeit wurde der Katalog erst im Juli fertig. Der Erfolg lässt zwar nach wie vor auf sich warten, doch es "wäre das völlig falsche Signal gewesen, wenn wir jetzt plötzlich einfach auf alles verzichten oder einstellen würden", erklärt der 36-Jährige und wiederholt: "Corona darf keine Ausrede sein"!

Seine Umsätze in den letzten Monaten liegen inzwischen immerhin wieder zwischen 30 und 50 Prozent der Vorjahre, nachdem im Frühsommer fast gar nichts verkauft wurde. Der Export läuft im Vergleich mit den Umsätzen in Deutschland deutlich besser, das ist für das mittelständische Unternehmen aus dem kleinen Neustadter Stadtteil allerdings insgesamt nur ein kleiner Anteil am Geschäft.

Erfolgsstory in Corona-Zeiten

Die Corona-Zeit verbindet Müller jedoch nicht nur mit drastischen Umsatzrückgang und schwierigen Tagen für alle Mitarbeiter, sondern auch mit einer beachtlichen Erfolgsgeschichte: "Unsere zwischenzeitliche Produktion von Gesichtsmasken war sehr, sehr wichtig für uns". Im April, als die Maskenpflicht in aller Munde war, stellte die Firma die Kostümfertigung zu 100 Prozent um, um nämlich Masken zu nähen. "Anfangs war der Markt völlig verrückt", erinnert sich Müller.

Nur ein Zwischenhoch

Verbraucher, Unternehmen, caritative Einrichtungen und sogar Behörden - jeder benötigte dringend Masken, schließlich sei der Handel mit Asien, insbesondere mit China weitgehend zum Erliegen gekommen. "Das Telefon stand bei uns nicht mehr still, wir mussten tatsächlich Leute wieder wegschicken, die bei uns Masken kaufen wollten. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt", wunderte sich der Firmenchef, wohlwissend, dass die Masken das Kerngeschäft der Neustadter nicht annähernd ersetzen konnten.

Doch das Zwischenhoch war schnell vorbei. Als drei, vier Wochen später wieder die ersten Masken aus China kamen, sank die Nachfrage von heute auf morgen nahezu auf Null.

Deshalb blickt Müller mit gemischten Gefühlen auf diese aufregende Anfangszeit der Pandemie zurück: "Mit den Lohnkosten in China kann deutsche Fertigung natürlich nicht konkurrieren. Die anfänglichen Lippenbekenntnisse der Politik, dass wir aus der Pandemie lernen wollen, indem wir uns weniger vom Import aus Asien abhängig machen und Fertigungen in Deutschland fördern, waren nach wenigen Wochen wieder vergessen". Der Ärger des leidgeprüften Unternehmers ist bei diesen Worten unüberhörbar.

Doch Frust schieben ist nicht Müllers Sache: "Wir nehmen jetzt aber natürlich ganz klar Kurs auf Diversifikation." In Thann wurde nämlich bereits damit begonnen Jacken und Mützen in Lohnarbeit für zwei regionale Anbieter von Outdoor-Bekleidung zu fertigen. Und der "Affen-Müller" wäre nicht der "Affen-Müller" wenn er nicht auch schon wieder etwas Eigenes produzieren würde: "Wir werden Ende Oktober mit unserem Projekt "Filzkraut" eine eigene Kollektion von nachhaltig produzierten Taschen und Heimtextilien aus 100 Prozent Wollfilz herausbringen".

Trump und Hippie-Kostüme

Völlig unabhängig von den seit vielen Jahren beliebten Thanner Bienen-, Marienkäfer- oder Hippie-Kostümen. Und wenn tatsächlich noch jemand ein Trump-Outfit will - der US-Präsident war schließlich der Renner in den letzten Jahren - der ist bei Maximilian Müller & Co. nach wie vor an der richtigen Adresse.