Weil er mehrere Latten aus dem Gartenzaun gerissen hatte und damit wie mit einem Baseballschläger auf seinen Kontrahenten losgegangen ist, muss sich ein 31-jähriger Arbeiter aus Kulmbach vor Gericht verantworten. Der Mann soll außerdem sein Gegenüber, dessen Freundin und dessen Familie mehrfach auf das Übelste beleidigt und mit dem Tod bedroht haben. Der Prozess am Amtsgericht Kulmbach ist noch nicht abgeschlossen.

Das Ganze spielte sich an einem Abend im März dieses Jahres in Mainleus ab. Dort hatten sich der 31-Jährige und der zehn Jahre jüngere Mann verabredet, um sich auszusprechen. Doch statt zu sprechen, flogen die Fäuste. Und wie!

Zuerst soll das spätere Opfer losgeschlagen, den Angeklagten zu Boden gebracht und ihn verletzt haben. Dann drehte der Angeklagte auf. Er riss die Holzlatten aus dem Zaun und schlug sie dem 21-Jährigen so heftig über den Kopf, dass die Latten splitterten.

Als sich die Freundin des 21-Jährigen dazwischen stellte, bekam auch sie einige Schläge ab, hieß es in der Anklage. Doch damit nicht genug. Die folgende halbe Nacht durch soll der Angeklagte den Jüngeren und dessen Familie regelrecht terrorisiert haben. Auch als der Stiefvater bereits zur Polizei gegangen war, folgten noch heftige Beleidigungen und Beschimpfungen sogar in Anwesenheit der Beamten per Handy. Der Angeklagte konnte sich offenbar gar nicht mehr beruhigen.

Vor Gericht räumte er die Beleidigungen und Bedrohungen und auch die Schläge zumindest teilweise ein. Ursache dafür sei gewesen, dass er dem jungen Mann 100 Euro geliehen hatte und das Geld nicht wieder zurückbekam. Er selbst habe bei dem Vorfall eine blutende Platzwunde am Kopf erlitten und sei vom späteren Opfer sogar mit einem Küchenmesser bedroht worden.

Die Aggression des Angeklagten könnte aber auch andere Gründe haben. Der Mann leidet seit Jahren unter einer Psychose, befand sich bereits in einer Therapie und ist auch aktuell in Behandlung. Bereits vor einigen Jahren gab es einen ähnlichen Vorfall, der aktenkundig wurde. Zeitweise stand er auch unter Betreuung. Grund dafür ist wiederum, dass er seit seinem 13. Lebensjahr Drogen nahm und seit seinem 18. Lebensjahr regelmäßig Crystal konsumierte. Drogen spielten diesmal offensichtlich keine Rolle, allerdings war der Angeklagte mit 1,6 Promille erheblich alkoholisiert.

Von geliehenen 100 Euro wusste das Opfer jedenfalls nichts. "Er hat mir schon den ganzen Tag vorher Terrornachrichten per Whatsapp geschickt und mich bedroht", sagte der 21-jährige Handwerker aus Kulmbach. Gegen ihn wurde auch ermittelt, ein entsprechendes Verfahren aber eingestellt und auf den Weg der Zivilklage verwiesen.

Auch die Mutter und der Stiefvater des Opfers mussten vor Gericht aussagen: "Er hat uns richtig harte Sachen an den Kopf geworfen, etwa dass er die ganze Familie auslöschen würde", berichtete der Stiefvater. "Das war wirklich das volle Programm auf Dauerschleife", so die Mutter. Entweder sei der Angeklagte total besoffen oder auf Drogen gewesen.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.