"Wenn die Eichen dann fünf Jahre alt sind, werden die größer sein, als ihr es jetzt seid", erklärt Förster Berthold Schultheiß den Kindern beim Eicheln sammeln. Das müssen die Jungen und Mädchen erstmal verarbeiten und für einen Moment sind sie alle ganz ruhig. Aber nicht lange, im Wald ist es zu aufregend. Die Fünf- und Sechsjährigen knien und sitzen hauptsächlich auf dem Waldboden und zeigen sich gegenseitig ihre Funde. Auf der Suche nach den wertvollen Eicheln springen sie über Gräben und wühlen mit Ästen die Erde auf. Es sind insgesamt vier Kindergartengruppen vom Caritas-Kindergarten St. Elisabeth zum Eicheln sammeln in den Michelsberger Wald gekommen. Was für die Vorschulkinder eine lustige und lehrreiche Aktion ist, hat jedoch einen ernsten Hintergrund.

Borkenkäfer schadet dem Wald

Die Eicheln, die sie am Montagmorgen zusammengesammelt haben, werden vom Förster am nächsten Tag im Bruderwald eingepflanzt. Dort werden die neuen Eichen dringend gebraucht, denn die letzten drei Jahre waren zu heiß und zu trocken. Perfekte klimatische Bedingungen für den Borkenkäfer, um sich auszubreiten.

Um die Verbreitung des Borkenkäfers zu stoppen, mussten rund 40 Hektar Waldfläche allein im Forstrevier Bamberg gefällt werden. Diese Flächen sollen jetzt aufgeforstet werden.

Schultheiß erzählt, dass er bei seinen rund 350 Brennholzkunden angefragt hat, ob sie freiwillig Eicheln sammeln würden. Nur drei davon hätten sich dazu bereit erklärt. "Die zwei Waldkindergärten in Bamberg haben mitgemacht, es haben sich auch schon ein paar Bürger bei mir gemeldet." Es werden immer wieder Eicheln zum Ansäen gebraucht, auch in anderen Forstrevieren in der Umgebung.

Denn Eichen seien besonders widerstandsfähig gegen Hitze, Trockenheit und Sturm. "Wir können nicht wissen, wie sich das Klima in den nächsten 50 Jahren entwickeln wird und welche Auswirkungen die Veränderungen haben werden. Deshalb versuchen wir, eine Mischkultur zu schaffen und pflanzen neben den Eichen Tannen, Douglasien, Linden und viele mehr", erklärt Stephan Keilholz, Leiter des zuständigen Forstbetriebs Forchheim. Auf das Leben der jungen Generationen werden sich die Klimaveränderungen besonders stark auswirken.

Schultheiß erklärt den Kindern die Situation, bevor sie anfangen zu sammeln. In einer Becherlupe können sich die Vorschulkinder einen Borkenkäfer genau ansehen. Schultheiß beschreibt, welche Eicheln am besten geeignet sind. "Ihr müsst darauf achten, dass in den Eicheln kein Loch ist, dann ist nämlich der Eichelbohrer drin."

Ob grün oder braun ist auch egal, beantwortet er eine letzte Frage der Kinder, bevor sie loslegen. Schnell hat der Ehrgeiz die Kinder gepackt. "Wir wollen den Eimer komplett voll machen", erzählen sie und deuten auf einen der großen schwarzen Baueimer, die Schultheiß mitgebracht hat. Zu zweit oder dritt ziehen sie mit kleineren Sandkasteneimern los und füllen die Eicheln danach um.

Von der Natur lernen

"Ist die in Ordnung?" fragt eine der Vorschülerinnen ihre Erzieherin Theresa Uttenreuther und zeigt ihr die keimende Eichel in ihrer Hand. Uttenreuther hat das Projekt mit koordiniert und sammelt zusammen mit ihren Schützlingen. In der letzten Woche haben die Vorschüler mehr über den Wald gelernt und ihr Waldcamp besucht. Die Kinder hätten durch den verstärkten Kontakt mit der Natur ein besseres Verständnis für ihre Umgebung bekommen. "Wir helfen gerne bei der Aktion vom Forstamt mit", meint Uttenreuther.

Am Ende haben die Kinder ungefähr 18 Kilogramm Eicheln in drei großen Eimern gesammelt. "Das sind etwa 6300 Eicheln", rechnet Schultheiß aus. Als kleine Belohnung bekommen die Kinder orange leuchtende Schirmmützen geschenkt. "Und wenn ihr dann in der Schule seid, kommt ihr nochmal in den Wald und schaut euch eure Eichen an", sagt Schultheiß.

Wer es den Kindern gleich tun möchte, kann sich beim Forstbetrieb Forchheim unter Tel. 09191/72210 melden, um zu erfahren, in welchen Bereichen Eicheln gesammelt werden dürfen und wo sie abzugeben sind.