Clowns, Hexen, Teufel, Indianer, Monster, im Fasching tragen viele Menschen eine Maske. Aber leider geht das ja nur noch ein paar Tage bis Faschingsdienstag.
Masken für alle Momente des Lebens - wäre das nichts? Es kann doch mal ganz schön sein, auszuprobieren, wie es ist, als toller Hecht oder "Die, die immer lacht" durchs Leben zu gehen. Warum soll ich nicht vor meinen Bekannten oder Kollegen eine Rolle spielen, die mir Spaß macht?
So eine Maske verdeckt das, was man an sich selbst nicht so schätzt. Sie hilft einem, das vor den anderen und vor sich selbst zu verbergen. Vielleicht macht das sogar manches erträglicher. Gefährlich wird es aber, wenn ich die Maske nicht mehr abbekomme. "Was denken die Freunde, wenn ich doch nicht so überlegen bin, wie ich es immer tue?" Was denken meine Kinder, wenn ich als Vater auch einmal Schwächen zeige und Fehler zugebe? Dann gelte ich doch nichts mehr. Und so nehmen wir modernen Menschen die Maske kaum noch ab.
Wie altmodisch erscheint dagegen der Beter des 139.Psalms: "Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt." (...) Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt.
Hier weiß einer ganz genau, dass er vor Gott keine Masken braucht! Befreit von allen Masken und Erwartungen darf er ganz er selbst sein - und kann selbstbewusst aussprechen: "Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin."
Und zwar so, wie ich bin. Nicht die Maske. Die habe ich mir selbst gemacht.
Was hindert eigentlich, am Aschermittwoch zusammen mit den Faschingsmasken auch gleich die persönlichen Maskierungen mit abzulegen? Dafür gibt es immerhin ein Aschenkreuz - ein Pilgerzeichen, das auf dem Weg nach Ostern mit Jesus verbindet, dem "wahren Menschen" als wahrem Ebenbild Gottes.
Am Ende dieses Buß- und Kreuzwegs geht mit dem Ostermorgen wahrhaft erneuertes Leben (nicht nur im Jahreskreis) frühlingshaft auf.
Ist es nicht einen Versuch wert, nach den tollen Tagen ein Leben ohne Masken zu probieren oder sie zumindest ein wenig zu lüften? Und zu merken: So viele Menschen schätzen entwaffnende Offenheit! Die Menschen, auf die es wirklich ankommt, werden unsere Maske nicht vermissen.

Diethard Nemmert ist Ständiger Diakon in der Schlosskuratie Mitwitz.