Der Sport mit dem kleinen Zelluloid-Ball ist das Metier von Ekkehard Gerlicher. Vor wenigen Tagen holte er sich bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Para-Tischtennis mit seinem Doppel-Partner Mario Krug den Titel. "Damit hatte ich nicht gerechnet, denn ich habe weder die Gegner noch deren Spielstärke gekannt", erklärt Ekkehard Gerlicher, der Einschränkungen am Bewegungsapparat hat. Über sein Handicap spricht er aber selbst nicht so gern.

Er steht seit 1964 an der Tischtennisplatte und ist in der Region kein Unbekannter. Vor circa 20 Jahren musste er zwar aufgrund gesundheitlicher Probleme pausieren, spielt aber wieder seit 2011 bei seinem Heimatverein, dem TTC Eschi Frohnlach. Dort ist er seit heuer stellvertretender Vorsitzender und seit übt zehn Jahren das Amt des Kassiers aus. Nach wie vor tritt Gerlicher unter dem TTC Eschi Frohnlach bei sportlichen Wettkämpfen und Punktspielen an.

Mannschaftsführer bei Eschi Frohnlach

Derzeit ist er in der Bezirksklasse A, früher Kreisliga 1, aktiv und steht für den TTC Eschi Frohnlach auf Position fünf. Sowohl als Mannschafts- wie auch als Einzelspieler hat Gerlicher, der in Ebersdorf wohnt, auf verschiedenen Ebenen Erfolge, Meisterschaften und Titel geholt. Seine Tischtennis-Laufbahn allerdings mit dem jüngsten Titel krönen zu können, das hatte er nicht einmal zu träumen gewagt und meint: "Ich habe das Maximale für mich als Spieler erreicht."

Aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen ist Ekkehard Gerlicher auf den Deutschen Behindertensportverband aufmerksam geworden. Um auch für diesen Verband eine Spielberechtigung zu erhalten, meldete er sich 2019 beim RSV Bayreuth an. Dort ist auch sein Doppel-Partner Mario Krug aktiv, der beim BTTV drei Klassen höher als Gerlicher spielt.

Auch für BSV Bayreuth aktiv

Beim RSV Bayreuth kämpfen Rollstuhlfahrer neben Meisterschaften auch um Punkte. Der Ebersdorfer tritt für den RSV Bayreuth nur bei Meisterschaften an. 2020 qualifizierte sich Ekkehard Gerlicher als Bayerischer Vizemeister für die Deutschen Meisterschaften. Aufgrund der Pandemie konnten diese im letzten Jahr nicht ausgetragen werden und wurden auf heuer verschoben. Für Gerlicher gibt es kein besonderes Ritual, wenn solche Wettbewerbe anstehen. Auch seine Vorbereitung war nicht anders als sonst. "Ich trainiere einmal wöchentlich beim TTC Eschi und etwa alle 14 Tage beim RSV Bayreuth in der Hohen Warte Klinik. Dort hat mir der Trainer noch einmal wertvolle Tipps gegeben", erklärt er.

Auch in Nassau mussten die Teilnehmer die strengen Corona-Regeln während der gesamten Meisterschaft einhalten. So gab es nur wenig Kontakt zum Gegner, die sich "coronakonform" nicht per Handschlag sondern mit Faust begrüßten. In den Spielpausen musste außerdem Maske getragen und genügend Abstand zu anderen gehalten werden.

Trotz des etwas anderen Rahmens herrschte während der gesamten Meisterschaft eine gute Stimmung. Wenn es nötig war, wurde sich auch gegenseitig unterstützt oder geholfen. Gerade bei den Para-Meisterschaften geht es sehr familiär zu. Das zeigte sich auch besonders in diesem Wettbewerb. Wenn beispielsweise einem stark gehbehinderten Spieler der Ball zu Boden gefallen ist, kam eine dritte Person, hob den Ball auf und brachte ihm diesen. Im Vergleich zum Tischtennis gibt es im Para keinen anderen Spielmodus. Lediglich beim Fehlaufschlag. Bei mancher Behinderung wird er nämlich nicht beanstandet. Ekkehard Gerlicher gelang es mit Mario Krug, bereits in den beiden Doppel-Vorrundenspielen (WK10) mit zwei Siegen und 6:0 Sätzen eine "klare Ansage" zu machen und ins Halbfinale einzuziehen. Dort gewann das Duo mit 3:1 Sätzen.

Im Finale machten Krug und Gerlicher schließlich den Sack mit einem 3:0 Sieg zu und jubelten über den Titelgewinn. Auch im Einzel (WK10 III+IV) konnte sich Ekkehard Gerlicher einen Platz auf dem Podest sichern. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen wurde er nämlich Dritter. Den Erfolg von Nassau sieht der Ebersdorfer als Ansporn, um im kommenden Jahr bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Para-Tischtennis erneut auf Titeljagd zu gehen und an die erfolgreiche Teilnahme in diesem Jahr anzuknüpfen. ake