Leider gibt es keine Fotoaufnahmen von der ersten Zeit nach der Einnahme der Stadt durch die US-Amerikaner. Denn eine der ersten Maßnahmen war es, Fotoapparate und Filmmaterial einzusammeln.

Von der Übergabe der Stadt an die Amerikaner existiert eine schriftliche Aufzeichnung in englischer Sprache von Landrat Valentin Fröhlich, die zeitnah niedergeschrieben wurde. Das Schriftstück ist datiert auf Höchstadt, 3. Mai 1945. Versehen ist es dennoch mit dem Siegel der Stadt Herzogenaurach, sowie mit der Unterschrift von Valentin Fröhlich, "Landrat and Bürgermeister of Herzogenaurach".

Erhöhte Spannung in der Stadt

Wie er darin ausführte, war Herbert Kuno der Führer der SA-Reserve und des Volkssturm-Bataillons. Bereits mehrere Wochen vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen hatten Kuno und Fröhlich Überlegungen angestellt, wie die Stadt Herzogenaurach zu schützen sei, falls fremde Truppen einmarschieren würden. Kuno hatte am Sonntag, 15. April den Volkssturm unbeschadet nach Herzogenaurach zurückgeführt.

Am Montag, 16. April 1945, herrschte erhöhte Spannung in Herzogenaurach. Der bevorstehende Einmarsch der amerikanischen Truppen war zu fühlen. Fröhlich forderte daher Kuno auf, ihn mit seinem Fahrrad zum Westrand der Stadt zu begleiten. Kuno sollte den Truppen auf dem Fahrrad entgegenfahren, da er Englisch sprach.

Bis 1933 war Fröhlich Bürgermeister Herzogenaurachs und fühlte sich daher als "representative of the town", auch weil sämtliche Verantwortliche des Dritten Reiches Herzogenaurach bereits verlassen hatten. In dieser Eigenschaft ermächtigte er Kuno, den Stadtbezirk zu übergeben.

Keine weiße Flagge zur Hand

Rund 1,5 Kilometer außerhalb der Stadt in Richtung Falkendorf stieß Kuno auf den ersten Panzer. Als man gemeinsam zu Fröhlich gefahren war, bot dieser dem Panzerkommandanten die Übergabe Herzogenaurachs an. Fröhlich musste im Panzer Platz nehmen, der dann durch die weißbeflaggte Stadt zum Rathaus fuhr. Dort erhielten sie die nächsten Befehle. Vom Rathaus begaben sie sich weiter zum Lazarett im Liebfrauenhaus, das vom Chefarzt und den ihm unterstellten Ärzten übergeben wurde. Soweit die von Valentin Fröhlich in seiner Eigenschaft als Landrat vertretene offizielle Version.

Den Einmarsch der Amerikaner erlebte in der Würzburger Straße eine Herzogenauracherin hautnah mit. Sie schrieb: "Auf einmal schrie Dr. Fröhlich: Weiße Fahnen raus!" Ihren Lebtag hörte sie, wie Kuno sagte, geht in Ordnung. Weiter schreibt die Frau rückblickend: "O Krieg 5 1/2 Jhr. Krieg: Und doch war es gut so. Weil wir uns ergeben, sind alle Häuser heil." Allerdings vermerkte sie auch Schwierigkeiten, die Kapitulation anzuzeigen: "Wir hatten doch keine weiße Fahne, es wurde uns zuvor nichts gesagt, es ging doch alles so schnell."

Die Amerikaner als Befreier

Unterstützt wurden Fröhlich und Kuno von Elisabeth Christgau, die wohl in der Hauptstraße zu der Gruppe stieß und als Dolmetscherin fungierte. Daneben gibt es noch die handschriftlichen Unterlagen einer Herzogenauracherin, die die Ereignisse von der Besetzung durch die Amerikaner am 16. April bis zum 13. Mai 1945 aufzeichnete.

Als sie am 16. April um 9 Uhr früh aus Sicherheitsgründen im Keller des Postgebäudes waren, hörten sie von oben: "Die Amerikaner sind da, alle weiße Fahnen heraus!" Die ganze Nachbarschaft lief mit weißen Tüchern zusammen, die sie schwenkten. Fritz Schürr stand auf dem Fenster und schrie: "Die Befreier!"

Die Amerikaner blieben mit ihrem Auto stehen, und waren von dem Empfang ganz sprachlos. Der Stab der Amerikaner begab sich dann ins Lazarett und verhandelte mit den Offizieren im Mädchenschulhaus am Kirchenplatz 11. Sämtliche deutsche Soldaten ergaben sich und wurden zu Gefangenen erklärt. In den nächsten Tagen wurden sie zum Essen vom Schulhaus zum Lazarett im Liebfrauenhaus stets von einem amerikanischen Posten begleitet.

Am Nachmittag des 16. April hatten sich Angehörige der SS in Hauptendorf und beim Galgenhof versteckt und feuerten über die Aurach in Richtung Herzogenaurach. Die Amerikaner erwiderten das Feuer. Bei diesem Feuergefecht gingen Teile der Heinrichsmühle und Gebäude des Galgenhofs sowie in Hauptendorf zwei Häuser in Flammen auf. Im Garten des Liebfrauenhauses wurde eine Frau durch eine Granate getötet. Ihre Tochter überlebte schwer verwundet.

Auch Ursula Sieber erinnerte sich an die Situation beim Einmarsch der Amerikaner. "Schräg von uns auf der Straße blieb der erste Panzer stehen. Ein Amerikaner ist ausgestiegen, kam über die Straße auf unser Haus zu und verlangte Einlaß. Er gab dem Vater dann zu verstehen, daß er einen stillen Ort aufsuchen möchte." Noch bevor man dem Mann Wasser bringen konnte, hatte er schon alles saubergemacht und sich mit Zigaretten bedankt.

Der Krieg ging dennoch weiter

Aber leider war der Krieg trotz dieser ersten menschlichen Geste noch nicht vorbei. Wegen der anhaltenden Feuergefechte mussten Siebers, wie andere auch, ihr Haus verlassen.

Der Herzogenauracher Siegfried Zink erinnerte sich, dass er mit einem Kameraden am 16. April 1945 mit einem Sack zum Fliegerhorst ging, um dort Angorahasen zu organisieren, die dort gehalten wurden, um die Fliegerkleidung mit Angorawolle füttern zu können. Während sie die Hasen "einsackten" standen am Tor schon die Amerikaner. Im Bereich nach Niederndorf wurden von Angehörigen der Wehrmacht noch Sprengungen durchgeführt.

Die Nacht auf den 17. April 1945 verbrachten viele Menschen in einem der kalten Weihersbachkeller. Am Morgen des 17. April kamen um 7 Uhr früh drei Männer mit weißen Flaggen in die Stadt, die auch die Kapitulation der Hauptendorfer bekanntgaben. Hans Maier, der spätere Bürgermeister, schellte mit der Glocke, daß alle der Amerikanischen Militärbehörde gehorchen müssten. Alle männlichen Bewohner zwischen 16 und 65 Jahren mussten samt Wehrpass am Rathaus antreten und sich nach ihrer Parteizugehörigkeit befragen lassen. Amerikanische Soldaten durchsuchten die Häuser nach Waffen und Fotoapparaten. Im Friseurladen von Barbara Grumann nahmen sie Rasiermesser und Lippenstift mit, als deren Mutter für kurze Zeit nicht anwesend war, wie die Schreiberin entrüstet vermerkte.

Aus Post wurde Vermittlung

Am gleichen Tag mussten die Herzogenauracher auch Kleidern und Betten aus dem Keller des Postgebäudes entfernen. Sämtliche Wohnungen in der Post waren ebenfalls schnell zu räumen. Dort richteten die amerikanischen Truppen ihre Vermittlung ein. Wie die Gewährsfrau notierte, waren die Amerikaner freundlich. Als sie durch ihren Garten Telefonkabel zogen, fragten sie sogar, ob es nicht stören würde.