Gerda Boller, geborene Schoof, könnte über ihre Flucht als junge Frau aus Ostpreußen ein Buch schreiben. Am Mittwoch feierte die Ehefrau des bekannten Grafikers Georg Boller ihren 90. Geburtstag. Die Jubilarin ist in Marienburg in der Nähe von Danzig geboren. Im Alter von nur 20 Jahren musste sie aufgrund der Kriegswirren die Heimat verlassen.
Die Flucht führte sie mit ihrer Mutter nach Kulmbach. Sie erinnert sich: "Wir haben uns ganz alleine von Ostpreußen hierher durchgeschlagen. Meine Familie war in alle Winde verstreut. Wir haben uns aber dann hier in Kulmbach wiedergefunden, weil wir es vereinbart hatten. Die Großeltern von meinem Mann wohnten hier."


Ein Bett auf dem Rücken

Gerda Boller hatte nur ein Federbett auf dem Rücken und einen Persilkarton in der Hand, als sie mit ihrer Mutter in der Bierstadt ankam.
Die Freude war natürlich riesengroß, auch den Verlobten nach Krieg, Gefangenschaft und Flucht wiederzusehen: "Wir haben dann 1946 tatsächlich geheiratet. Er hatte mich nicht vergessen und ich ihn auch nicht." 1948 hat sich Georg Boller mit einem Zeichenatelier selbstständig gemacht. Gerda Boller über ihren Mann: "Er war begabt und beruflich sehr präsent. Es gab auch nichts, was er nicht zu Papier bringen konnte."
Gerda Boller sieht man ihre 90 Jahre nicht an. Sie fühlt sich auch noch fit und gesund und nimmt regen Anteil am Geschehen in ihrer zweiten Heimatstadt. Sie war über viele Jahre Mitglied im Kirchenchor von St. Petri. Sportlich fit hielt sie sich in der Turnabteilung des ATS.


Immer auf den Beinen

Gerda Boller bewältigt immer noch die tägliche Hausarbeit, wäscht und bügelt noch selbst. Sie kocht auch täglich, am liebsten ein Essen aus der ostpreußischen Heimat: Königsberger Klopse. Und sie strahlt mit ihren 90 Jahren ein große innere Ruhe aus. In ihrem Leben gab es nichts, was sie nicht geschafft hat. "Ich habe nie gedacht, dass ich dieses Alter erreiche. Ich war nie krank und immer von morgens bis abends auf den Beinen."
Ihr allerschlimmstes Erlebnis aber war die Flucht: "Es war nur der Wille, am Leben zu bleiben und unbedingt dieses Kulmbach zu erreichen." Rei.