Der Zweckverband zur Wasserversorgung der Sanspareil Gruppe hat einen Rekordhaushalt mit einem Volumen von mehr als fünf Millionen Euro auf den Weg gebracht. Refinanziert werden sollen die immensen Investitionen durch Verbesserungs- und Erneuerungsbeiträge der Bürger in Höhe von 1,7 Millionen Euro und durch Kredite. Der Verwaltungshaushalt hat ein Volumen von einer Millionen Euro, der Vermögenshaushalt schließt mit vier Millionen Euro ab.

Wie Kommunalberater Arno Bitterwolf in der jüngsten Sitzung der Zweckverbandsversammlung im Gasthof Ganzleben in Wonsees feststellte, seien alle Vorbereitungen zum Erlass entsprechender Vorauszahlungsbescheide getroffen worden. Konkret seien für die Ertüchtigung der Betriebsanlagen und der technischen Ausstattung in diesem Jahr Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen: 1,592 Millionen für die Erneuerung von Leitungen, 1,1 Millionen für den Anschluss an die Juragruppe sowie 405 000 Euro für Hochbaumaßnahmen.

Die Ingenieurkosten hat Bitterwolf mit 380 000 Euro angesetzt. Der Fachmann gab jedoch zu bedenken, dass diese noch deutlich ansteigen könnten.

Gedeckt werden sollen die Baumaßnahmen durch Kredite in Höhe von 1,65 Millionen Euro und durch die Erhebung von Beiträgen. Der Verbandsvorsitzende Günther Pfändner hatte sich im vergangenen Jahr noch dafür stark gemacht, dass die Beiträge nicht vor Weihnachten 2019 erhoben werden sollen. Jetzt werden die Menschen von den Rechnungen mitten in der Corona-Krise getroffen.

"Wir müssen aber mindestens einen ausführlichen Brief an alle Grundstücksbesitzer schicken, ich würde auch eine Anhörung empfehlen", gab Bürgermeisterin Karin Barwisch aus Hollfeld zu bedenken.

"Wir müssen noch einmal klarmachen, dass alle auch eine Gegenleistung dafür bekommen. Wir sollten auch genau das Aufmaß, den Vorbescheid und die Höhe der Zahlung offenlegen", sagte der Wonseeser Bürgermeister Andreas Pöhner.

Bürger werden angeschrieben

Im Vorfeld waren Anhörungen versprochen worden. Diese können nicht in Form von Gruppenversammlungen durchgeführt werden. Kommunalberater Arno Bitterwolf betonte, dass er ein Schreiben entwerfen, eine Hotline für Fragen einrichten und sich um die Terminvergabe mit den Bürgern kümmern werde.

Christian Kolb, Vertreter aus dem Thurnauer Ortsteil Lochau, merkte an: "Die Jungen haben ja noch nichts für Wasser getan. Die Alten mussten für den Anschluss schon mal zahlen."

Er zeigte sich zuversichtlich, dass die erste Rate der Beträge zur Verbesserung und Erneuerung in Höhe von 1,7 Millionen Euro auch fließen wird.

Günther Pfändner indes rechnete mit Zahlungsschwierigkeiten und Stundungen von bis zu zehn Prozent. Außerdem würden möglicherweise nicht mehr alle Arbeiten in diesem Jahr durchgeführt.

Karin Barwisch zweifelte daran, dass die Zuweisungen und Zuschüsse des Freistaates, die auf 600 000 Euro dotiert sind, auch wirklich in diesem Jahr fließen werden. "Die Erstattung erfolgt doch erst, wenn ein Verwendungsnachweis vorliegt. Ich denke, das wird schwierig - es ist schon sehr sportlich, dass alle Baumaßnahmen in diesem Jahr erfolgen werden", so Barwisch.

Arno Bitterwolf räumte ein, dass sicherlich nicht alle Maßnahmen bis Ende 2020 abgeschlossen sein werden. Doch der Haushalt sehe dies vor. Zudem garantierten günstige Kredite die Liquidität.

Die Mitglieder der Verbandsversammlung billigten den Haushalt und ebneten den Weg für Kreditaufnahmen in Höhe von 1,65 Millionen Euro. Außerdem wurden Verpflichtungsermächtigungen von einer Million Euro festgesetzt. Der Höchstbetrag der Kassenkredite beläuft sich auf 400 000 Euro.

Bitterwolf erläuterte, dass der aktuelle Beitrags- und Gebührensatz bei den Bürgern im Verbandsgebiet derzeit bei 1,40 Euro pro Kubikmeter Wasser liegt. Verkauft wurden im vergangenen Jahr 121 000 Kubikmeter. Daraus resultierten Erträge von 216 549 Euro. Für das aktuell Jahre rechnen die Planer mit einer Verkaufsmenge von 130 000 Kubikmeter und einem Erlös von rund 230 000 Euro. Dies müsse überrechnet werden.

Ein "Sensationshaushalt"

Keine Veränderungen sah der Kommunalberater bei den Personalkosten, doch der Aufwand für Reparaturen werde stetig steigen. Er sprach von einem Sensationshaushalt mit großen und sportlichen Investitionen. "Die Musik spielt in diesem Jahr eindeutig im Vermögenshaushalt. Da wird einiges an Geld in Umlauf gebracht", so Bitterwolf.

Durch die neuen Kredite wird sich der Schuldenstand des Zweckverbandes zum Ende des Jahres auf 1,784 Millionen Euro erhöhen. 522 000 Euro können getilgt werden. Aktuell beträgt der Schuldenstand 656 000 Euro.