Ludwigschorgast — Trotz der knapp 600 Teilnehmer bei der 36. Auflage gilt die Harzquerung immer noch als ein Geheimtipp in der Ultralaufszene. Unter den Teilnehmern war auch der Ludwigschorgaster Michael Kraus, der bereits schon zum sechsten Mal diesen ziemlich anspruchsvollen Lauf erfolgreich bewältigte. Der Ultra-Crosslauf über 51 Kilometer führt von Wernigerode nach Nordhausen. Dabei wird Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge ins seiner kompletten Nord-Süd-Achse überquert. Asphaltstraßen und "Waldautobahnen" sind die Ausnahmen. Gelaufen wird überwiegend auf schmalen, unbefestigten Pfaden und Naturwegen.
Wie anspruchsvoll der Parcours ist, lässt sich an den insgesamt 2680 Höhenmetern ablesen: 1295 Höhenmeter im Aufstieg und 1385 Höhenmeter im Abstieg sprechen für sich.

Ständig bergauf, bergab

Ideales Wetter bescherte den Ultraläufern gute Voraussetzungen für den länderübergreifenden Kurs von Sachsen-Anhalt zum Ziel in Thüringen. Nach dem Start im "Kalten Tal" führten die ersten fünf Kilometer hinauf zum 300 Meter höher gelegenen Hilmersberg (507 Meter). Die Flexibilität des Laufrhythmus ist gefordert: ständig geht es bergauf und bergab bis zum ersten Verpflegungspunkt (Kilometerpunkt 11,5). Auf der ganzen Strecke gab es nur vier Verpflegungsstationen und zwei Getränkestellen.
Auf urigen Wegen, teilweise über morastigen Untergrund, ging es durch den tiefen Harzwald sowie über die Hochebenen des Harzes zu den abgeschiedenen Ortschaften Trautenstein und Sophienhof (Kilometerpunkt 31).
Es hieß, Kräfte einteilen, denn es folgte noch der schwerste Abschnitt, der Aufstieg hinauf zum höchsten Punkt bei Kilometer 39, der Poppenberg (600 Meter). Michael Kraus weiß: "Wer bis da schon sein Pulver verschossen hat, wird auf den nächsten drei Kilometern mit 300 Höhenmetern Anstiegsleistung schwer zu kämpfen haben". Und dann müssen ja noch die restlichen zwölf Kilometer bis ins Ziel gelaufen werden. Und die sind nicht ohne, denn einige kurze kräftige Anstiege fordern die allerletzten Kraftreserven, bevor die Ziellinie im Albert-Kuntz-Stadion in Nordhausen erreicht wird.
Michael Kraus teilte sein Rennen so gut ein, dass er ab dem schwierigsten Streckenteil noch viel Boden gutmachen konnte. Letztlich wurde er mit dem 3. Platz in der Altersklasse M 50 belohnt. Im Gesamtklassement belegte der 54-Jährige mit der beachtlichen Laufzeit von 4:27:11 Stunden den 18. Platz unter 449 Startern. Der Sieger Martin Tschugg (VfL Lichtenrade Berlin) benötigte 4:01:29 Stunden. Bei den Damen gewann Nadja Koch (SCC Scharmede) in 4:41:11 Stunden.

Vom DDR-Regime verboten

Der Naturlauf erfreut sich sehr großer Beliebtheit. Zwischenzeitlich vom DDR-Regime verboten, gibt es die Harzquerung seit 1988 wieder ununterbrochen. Die Veranstaltung wird ohne großen bürokratischen Aufwand reibungslos und mit viel Liebe organisiert. Trotz der großen Teilnehmerzahl ist der familiäre Charakter noch nicht verloren gegangen. Auch Wanderer haben die Möglichkeit, diese Strecke unter die Füße zu nehmen. Jedoch wird hier keine Zeitnahme durchgeführt. Wem die 51 Kilometer zu lang sind, kann auch über 25 oder 28 Kilometer starten.
Wie sagte ein Trailläufer im Ziel treffend? "Es ist ein Genuss, beim Erwachen der Frühlingsnatur durch diese reizvolle Landschaft zu laufen." M.K.