Auf den Tag haben die LKA-Ermittler im Fall des Würzburger Messerstechers lange gewartet: Drei Monate nach der Attacke mit drei Toten und sechs Schwerverletzten steht ihnen der Täter jetzt in der Klinik endlich Rede und Antwort.

Nach Informationen dieser Redaktion war am Donnerstag in München die lange erwartete Vernehmung des 32-jährigen Somalis angesetzt, der Ende Juni in einem Kaufhaus in Würzburg und am Barbarossaplatz wie wild auf Passanten eingestochen hat.

"Gewillt, an Aufklärung mitzuwirken"

Der Verteidiger des Mannes, der Würzburger Anwalt Hanjo Schrepfer, bestätigte auf Nachfrage: Der inzwischen stark verbesserte Gesundheitszustand seines Mandanten lasse nun vernünftige Antworten bei einer Befragung durch Ermittler erwarten. "Er ist gewillt, an der Aufklärung mitzuwirken", sagte Schrepfer. Daher sei nun eine längere Videovernehmung zu der Tat und den Motiven angesetzt worden.

Die Vernehmung soll sich über mehrere Stunden hingezogen haben. Der 32-Jährige habe klar gewirkt und auf Fragen konkret geantwortet. Er habe "sehr offen über den Tattag und sein Leben gesprochen", sagte Schrepfer. Sein Mandant habe jetzt ausdrücklich Bedauern darüber gezeigt, dass er Menschen getötet und schwer verletzt habe. Zu Einzelheiten der Vernehmung äußerte sich der Pflichtverteidiger nicht, sagte aber: Es habe sich der Eindruck verfestigt, als habe der Mann bei der Attacke "im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt". Er habe zum Motiv gesagt: Er habe Stimmen gehört.

Die Generalstaatsanwaltschaft in München bestätigte auf Nachfrage, "dass heute eine Vernehmung stattfand", so Sprecher Florian Weinzierl. Zu Inhalten äußerte er sich nicht.

Ob er bei den brutalen Attacken schuldunfähig war, erkundet derzeit ein psychiatrisches Gutachten, das demnächst fertig werden soll. Auch die Ermittler hätten signalisiert, dass ihre Nachforschungen ziemlich weit gediehen seien und demnächst abgeschlossen werden können. Dann steht ein Gericht vermutlich vor der Entscheidung: Knast oder Klinik?

Gutachten wohl erst Ende Oktober

Nach der Festnahme nach der Messerattacke vom 25. Juni in Würzburg habe der 32-jährige Somalier so wirr auf Fragen geantwortet, dass Ermittler mehrere Vernehmungs-Versuche ergebnislos abbrechen mussten. Der Mann wurde schnell aus der Untersuchungshaft in eine Klinik verlegt, wie das Amtsgericht Würzburg auf Antrag der Münchner Generalstaatsanwaltschaft entschied.

Die psychiatrische Begutachtung lasse vorläufig die Einschätzung zu, dass der Beschuldigte zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sein könnte, hieß es von der Generalstaatsanwaltschaft und dem ermittelnden LKA. Bis die abschließenden psychiatrischen Gutachten erstellt sind, werde es jedoch bis Ende Oktober dauern

Dagegen liegt das Ergebnis eines toxikologischen Gutachtens schon vor. Danach hat der Tatverdächtige während des Angriffs nicht unter dem Einfluss von Drogen gestanden.

Die Ermittler suchen weiterhin nach dem Motiv. Islamwissenschaftler arbeiten derzeit an einer Bewertung, ob und inwieweit religiöse Überzeugungen bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnten. Zeugen wollen während seines Angriffs zweimal den Ausruf "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gehört haben. Die Auswertung der beiden Mobiltelefone habe weder Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte noch auf etwaige Mittäter oder Mitwisser ergeben. Nach Informationen der Redaktion hatte der Verdächtige vor seiner Tat per Telefon zuletzt nicht mit einem Terror-Instruktor Kontakt, wie manche Ermittler zunächst vermutet hatten. Zuletzt hatten Recherchen dieser Redaktion bekannt gemacht, dass der Somalier deutlich älter ist als ursprünglich angenommen. Wie Klaus Ruhland, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München auf Anfrage bestätigt hatte, gehen die Ermittlungsbehörden inzwischen davon aus, dass der Mann 32 und nicht 24 Jahre alt ist. Offenbar hatte er in seinem Asylantrag falsche Angaben gemacht. Als er im Mai 2015 nach Deutschland kam, hat er gegenüber dem Bundesamt für Migration und Flüchtlingen erklärt, er sei 1997 geboren.