Scharfe Kritik musste der VSR-Gewässerschutz in den vergangenen Wochen von den Landwirtschaftsverbänden für die Aussage einstecken, dass die intensive Landwirtschaft die Hauptursache der Nitratbelastung im Raum Kulmbach ist (wir berichteten).

Die Behauptung des BBV-Kreisobmanns Wilfried Löwinger, wonach die hohen Werte unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre seien, widerlegt nun die Diplom-Oecotrophologin Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz: "Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Wenn die untersuchten

Wasserproben mehrheitlich keine Belastung durch Bakterien aufweisen, ist davon auszugehen, dass das Grundwasser nicht durch Abwasser belastet wird."

Insgesamt habe das Team der gemeinnützigen Organisation viel zu hohe Nitratwerte im Kulmbacher Grundwasser festgestellt, heißt es in einer Stellungnahme. Bei jeder sechsten der 39 untersuchten Brunnenwasserproben sei der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter überschritten worden. Nur bei einer Probe aus Unterzettlitz sei E.coli festgestellt worden. Das beweise, dass die Ursache der Nitratbelastung nicht den defekten Abwasserrohren zuzuordnen ist.

Ein weiteres Argument der Landwirtschaftsvertreter sei die Überdüngung in den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. Hier habe sich der VSR-Gewässerschutz an Kleingartenanlagen in ganz Deutschland gewandt um festzustellen, ob dort hohe Belastungen zu finden sind. Gerade die städtischen Kleingärten ohne Landwirtschaft in der nahen Umgebung wiesen eine geringe Nitratbelastung auf.

Diese Annahme bestätige auch der Nitratbericht 2020: "Die Belastungsschwerpunkte mit Messstellen über 50 Milligramm je Liter Nitrat treten dabei überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf. Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten hoch belastete Messstellen."

Gravierende Folgen

Die hohe Nitratbelastung hat laut VSR gravierende Folgen für die Umwelt. Das belastete Grundwasser sickere den Gräben und Bächen zu und gelange so über die Flüsse in die Nordsee. Dort führe die massive Nitratbelastung zu einem übermäßigen Algenwachstum und Sauerstoffmangel.

Ohne Sauerstoff sei kein Leben möglich - "Fische sterben, sogenannte Todeszonen entstehen". Eine Verringerung der Belastung unserer Gewässer sei dringend nötig. Der VSR-Gewässerschutz finde es schade, dass die Landwirtschaftsverbände von den Nitratbelastungen, die von einer intensiven Landwirtschaft ausgehen, ablenken wollen.

Eine Verringerung der Nitratbelastung ist nach Überzeugung der Analyse-Experten möglich, das zeigten die geringen Nitratwerte der Wasserschutzgebiete. Auch in diesen geschützten Bereichen werde Landwirtschaft betrieben. Die Wasserversorger hätten schnell Alarm geschlagen, "als sie feststellten, dass die Nitratwerte drastisch anstiegen". Dank frühzeitig geschlossener Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und Landwirten sei die Belastung enorm gesunken. "Es wird höchste Zeit, die Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung stellen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern", so Susanne Bareiß-Gülzow. red