Violine kann so gefühlvoll und variabel sein, voller Grazie und Sturm, echohaft und zart wie das fast lautlose Dahingleiten auf ruhigem Gewässer. Violine zu hören, ist wie das Sein in einer schöneren Welt. Und in diese sahen sich die Zuhörer unter dem Stuckhimmel des Ahnensaales im Thurnauer Schloss versetzt, als sie die Künste heranreifender Talente erleben durften.

Neun Meisterschüler von Professor Markus Wolf, seit nahezu drei Jahrzehnten der Konzertmeister an der Bayerischen Staatsoper München, zelebrierten bei ihrem Konzert "Haus Marteau auf Reisen" einen wundervollen Abend auf erstaunlichem Niveau mit Werken von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauß, César Franck, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Jean Sibelius.

Man muss sie alle nennen, diese engagierten Musikstudenten aus fünf Nationen: Die drei Deutschen Antonie Schneider, Anna-Katharina Thoma und Veronika Schnattinger, die Japaner Nanami Okutso und Ryo Shimakata, Gyu Jeen Han und Yeji Kim aus Südkorea, Doreen Dasel Yun aus Kanada und Ales Lavrencic aus Slowenien. Und man muss ihnen ein Gesamtlob aussprechen für die Interpretation auf so unterschiedliche Art, stilistisch ansprechend und musikbeseelt. Begleitet von einem virtuosen Pianisten Andreas Kirpal, der die jungen Leute großartig unterstützte und ihnen die nötige Sicherheit gab.

Die Höhepunkte reihten sich wie Preziosen an einer Perlenschnur, angefangen bei Antonie Schneider in noch etwas zurückhaltender Bescheidenheit. Das Spiel von Gyu Jeen Han hatte furiose Kraft, es fegte ein Violin-Tornado über den Ahnensaal. Grazil wie die Gestalt der Musizierenden die veritable Leichtigkeit des Strichs von Nanami Okutso, während bei Anna-Katharina Thoma die Präzision und ein überwältigender Schlusspart alle Sinne forderte. Überwältigendes Finale von Ryo Shimakata in der Violinsonate in A-Dur von César Franck.

In mäandernder Zartheit gab Veronika Schnattinger eine Solosonate wieder, Doreen Dasel Yun glänzte mit sauberstem Strich, gestochen scharf. Und als wäre das alles noch nicht genug: Yeji Kim stieg in den Geigenhimmel auf, in sphärische Höhen, es war zauberhaftes Jubilieren, Schweben wie in einer Elfenwelt. Felix Mendelssohn-Bartholdy hätte seine Freude am Gehörten gehabt. Bliebe noch Ales Lavrencic, ein junger Mann, von dem man noch viel erwarten darf, dessen Bewegungsablauf und Mimik nicht stimmiger zu Jean Sibelius' Violinkonzert in d-Moll hätten passen können.

Nach einem kurzen Verharren brandete im Publikum tosender Beifall auf für eine Superleistung. Er galt für alle Interpreten, die sich erleichtert und ein bisschen stolz, Rosen in den Händen haltend, verneigten. Zu den Konzerten von "Haus Marteau auf Reisen" zu gehen, ist immer ein Gewinn.