Aktuell warten in Deutschland über 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan, 1418 von ihnen leben in Bayern. Darauf macht der heutige Tag der Organspende aufmerksam - zum Beispiel mit einer großen Veranstaltung am Münchner Marienplatz. Harald Schneider gehört zu den Menschen, die eine der 125 233 Organtransplantationen seit 1963 in Deutschland erhalten haben. Er ist dankbar für sein zweites Leben, sagt der 60-Jährige aus dem Landkreis Bamberg im Interview.

Warum wurde bei Ihnen eine Spende notwendig?
Harald Schneider: Ich erkrankte 1984 an derselben Krankheit wie mein Vater, der letztlich starb, weil beide Nieren versagten. Festgestellt wurde diese sogenannte Schrumpfniere wegen Bluthochdruck. In der Folge musste ich meine Ernährung umstellen und salzarm und fleischlos essen. Zur Transplantation kam es dann 1990 durch eine Lebendspende meiner Mutter. Dies war zum damaligen Zeitpunkt noch sehr selten. Bis zur Transplantation war es ein langer Weg. Es mussten zahlreiche Untersuchungen durchgeführt werden. Meiner Mutter bin ich sehr, sehr dankbar, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Sie schenkte mir ein zweites Leben!

Wie verlief die Operation und die erste Zeit danach?
Die Operation fand in der Uniklinik Erlangen statt, alle Vorbereitungen im Klinikum Bamberg. Die OP verlief sehr gut, die neue Niere funktionierte sofort. Nach der sofortigen Rückverlegung nach Bamberg, wurde ich durch Prof. Dr. Schulz und sein Team sehr gut versorgt. Nach zwei Wochen trat ein Infekt auf, der aber schnell behoben wurde. Fünf Wochen war ich damals im Krankenhaus. Ich merkte rasch eine positive Veränderung meines Körpers.

Wie fühlen Sie sich heute?
Es entstand bald wieder eine lebenslohnende Zeit, die ich jetzt viel bewusster lebte. Man sieht das Leben mit anderen Augen. Heute geht es mir wieder gut, ich kann fast ein normales Leben führen. Ich kann reisen und wieder Sport treiben, nur Fußball spiele ich nicht mehr, da ist die Verletzungsgefahr für die Niere zu hoch. Körperlich schwere Arbeiten sind nicht mehr möglich, da die Leistungsfähigkeit doch eingeschränkt ist. Bei der Ernährung achte ich auf gesundes, salzarmes Essen. Seit meiner Transplantation 1990 bin ich auch im Gemeinderat tätig und in vielen Vereinen aktiv.

Haben Sie einen Ratschlag für Ihre Mitmenschen aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus?
Trotz der Krankheit immer positiv denken und mit ihr im Einklang leben. Man sollte auch nie vergessen, dankbar für das Leben zu sein. Ein großes Anliegen ist mir der Hinweis auf einen Organspenderausweis. Denn jeder kann mit einer Organspende einem anderen Menschen ein neues Leben schenken!
Die Fragen stellte
Michael Memmel


"Machen wir es kurz" heißt unser neues Kurzinterview, in dem wir aktuelle Themen aufgreifen.