Christoph Böger

Coburg — "Ich liebe die Jungs. Mein Herz hat schon Feuer gefangen. Das ist ein megageiles Team. Ich werde mit ganz bestimmten Methoden arbeiten, die nur wenige Sportler kennen. Wir brauchen Feuer, Begeisterung und Kommunikation." Solche Sätze können nur von einem emotionalen Menschen stammen. Und das ist Peter Breidenbach zu 100 Prozent. Der Mentaltrainer aus Memmelsdorf gehört in dieser Saison offiziell zum großen Staff des ambitionierten Handball-Zweitligisten HSC 2000 Coburg.

Tolle Typen und lange Kerle

Der Klub stellte am Mittwochabend beim schon zur Tradition gewordenen Media-Day mit öffentlichem Show-Training seine Neuzugänge vor (siehe unten). Tolle Typen, bärenstarke Männer, lange Kerle. Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Geschäftsführer Jan Gorr und Cheftrainer Alois Mraz haben anscheinend bei der Zusammensetzung des neuen Teams ein gutes Händchen bewiesen. Ob es gar ein "goldenes" war, muss sich erst noch zeigen. Die Vermutung, dass "Gelb-Schwarz" aber ab sofort mit mehr charakterstarken Burschen als zuletzt auftritt, die noch dazu klare Meinungen und Vorstellungen haben, liegt nahe. Der Wille, in der neuen Punktrunde Berge versetzen zu wollen, ist nicht nur bei der persönlichen Vorstellung jedes einzelnen Neuzugangs, sondern auch während des anschließenden Trainings in der HUK-Arena regelrecht spürbar. Ein Hauch von Euphorie und Aufbruchstimmung lag sogar in der Luft.

Mit nur 1000 Fans in der Halle

Apropos Luft: Die etwa 50 Schaulustigen, die dieses Showtraining mit Argusaugen auf der Gegengerade verfolgten, mussten alle FFP-2-Masken tragen. Stand heute: Zum 1. Punktspiel am Sonntag, 12. September, gegen den TV Großwallstadt dürfen lediglich 1000 Zuschauer in den ovalen Sporttempel auf der Lauterer Höhe. Einer davon wird ganz sicher Michael aus Coburg sein: "Da geht heuer was", ist sich der Dauerkarten-Besitzer sicher. Von seinem Klappsitz aus in der fünften Reihe schaut er genau hin, wie Jan Kulhanek und sein neuer Torwartpartner Jan Jochens fleißig schwere Hanteln übers das Spielfeld schleppen, und gleichzeitig Flo Billek mit Andy Schröder rückwärts komische Entenschritte durch einen gelb-roten Hütchen-Parcours machen.

Chefcoach Alois Mraz am Scheideweg

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich auf der Platte - diese neuformierte Truppe muss spätestens in fünf Wochen liefern. Von Vorschusslorbeeren, die beim Media-Day zuhauf verteilt wurden, kann sich niemand etwas kaufen. Schon gar nicht Alois Mraz! Der tschechische Cheftrainer kann nach eigenen Worten aber ganz gut mit Druck umgehen: "Der war doch im Abstiegskampf in der 1. Liga auch schon da." Trotzdem weiß der coole Tscheche ganz genau, dass er in der Vestestadt am Scheideweg steht. Mit einem Grinsen im Gesicht und einem Augenzwinkern gibt er dann aber noch unumwunden zu: "Natürlich muss man gewisse Leistungen für die Vertragserfüllung erbringen." Der Idealfall wäre für den vierfachen Familienvater die sofortige Rückkehr in die Belleetage und eine damit verbundene Vertragsverlängerung.

Übrigens Familienvater: "Mein Urlaub war nur ganz kurz. Ich war sechs Tage mit meiner Frau und unseren Kindern in Tschechien. Also dort, wo er ab nächste Woche mit seiner "zweiten Familie" erneut aufkreuzt. Im Trainingslager in Pilsen bekommen "seine Jungs" den Feinschliff für eine harte Zweitliga-Saison.

HSC will ein neues Kapitel aufschlagen

Hart und anspruchsvoll auch deshalb, weil die Saisonziele klar definiert sind. Jan Gorr spricht Tacheles: "Wir wollen in der 2. Liga unter den Top-Fünf segeln und uns mit den Spitzenteams duellieren. Bei vier Absteigern von oben und dazu den Gummersbachern, die ja auch vehement in die 1. Liga drängen, ist das eine ambitionierte Zielsetzung." Mehr noch: Gorr will - wie bereits im ausführlichen Exklusiv-Gespräch mit dem Tageblatt (CT vom 29. Juli) angekündigt - ein neues Handball-Kapitel in der Vestestadt aufschlagen. Und: Die Art und Weise, wie das Team künftig auftritt, soll besser werden. Mehr Begeisterung. Mehr Emotionen. Die Körpersprache müsse eine ganz andere werden als in der Frust-Saison.

Spätestens an dieser Stelle kommt wieder Peter Breidenbach ins Spiel. Also der, der die Jungs jetzt schon alle liebt! Er sieht sich selbst als Emotions-Coach und will den Spielern lernen, wie sie mit Druck, mit Unsicherheiten und Niederlagen umgehen müssen. Denn eines ist auch für den Real-Optimisten klar: "Alle Spiele gewinnen wir nicht."