Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage wird am 3. Juli die dritte Station der Wanderausstellung "Mehr als Steine. Synagogen in Unterfranken" im Museum Obere Saline eröffnet.

Die Ausstellung befasst sich schwerpunktmäßig anhand von Synagogen mit der Geschichte des Judentums und dem reichen jüdischen Erbe in Unterfranken. Der vor der Säkularisation in zahlreiche Herrschaften zersplitterte spätere Regierungsbezirk Unterfranken war im Jahr 1930 mit 112 Synagogen das bayernweit am dichtesten mit jüdischen Gemeinden besiedelte Gebiet. Nach den massiven Zerstörungen durch die Nationalsozialisten, wurden viele Gebäude abgerissen oder zweckentfremdet. Darum sind heutzutage nur noch wenige Synagogen in den Ortsbildern vorhanden beziehungsweise erkennbar.

Wanderausstellung

Grundlage dieser Wanderausstellung ist eine vom Staatsarchiv Würzburg in Kooperation mit dem Team des Synagogen-Gedenkbands Bayern und dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus entwickelte, transportable Ausstellung, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Diese Ausstellung informiert im Auftrag der Erinnerungsarbeit und des geschichtlichen Erbes und war zunächst in der Würzburger Residenz zu sehen.

Die nun in Bad Kissingen präsentierte Ausstellung wurde speziell für den Landkreis von der Architektin Dr. Cornelia Berger-Dittscheid und Dr. Nicolas Zenzen unter anderem neu zusammengestellt. Sie gibt über die Beschäftigung mit exemplarischen Synagogengebäuden hinaus einen informativen Überblick über das jüdische Leben in Unterfranken.

Eröffnung am Sonntag

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 3. Juli 2022, führt Cornelia Berger-Dittscheid (Regensburg) um 14 Uhr mit einem öffentlichen Vortrag in die Ausstellung ein. Ludwig Spaenle, der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, wird für ein Geleitwort zur Ausstellungseröffnung ebenfalls zugeschaltet.

Cornelia Berger-Dittscheid ist Mitarbeiterin an den Synagogen-Gedenkbänden Bayern, einem Projekt, das auf Initiative des "Synagogue Memorial Institute Jerusalem" mit Unterstützung der evangelischen Kirche ins Leben gerufen wurde. Diese Gedenkbände sind die erste umfassende Dokumentation der über 200 jüdischen Gemeinden in Bayern. Sie veranschaulichen die Geschichte der jüdischen Gemeinden, ihrer Gemeindeeinrichtungen, ihrer Synagogen und stellen sogar einzelne Mitglieder der Gemeinden vor. Band 3, der die 112 jüdischen Gemeinden Unterfrankens enthält und sich auch mit Bad Kissingen auseinandersetzt, ist 2021 erschienen.

Mit lokalem Bezug

Das Besondere der vier Stationen der Ausstellung anlässlich der Jüdischen Kulturtage 2022 ist die Ergänzung durch Exponate und Bildtafeln mit regionalen Synagogen. Alle vier Ausstellungsorte (Münnerstadt, Bad Brückenau, Bad Kissingen und Hammelburg) bekommen dadurch einen individuellen Zuschnitt mit lokalem Bezug.

Die Ausstellung kann vom 3. bis 31. Juli in der Orangerie des Museums Obere Saline von Mittwoch bis Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr kostenlos besichtigt werden. Die Jüdischen Kulturtage Bad Kissingen sind eine Veranstaltungsreihe von Stadt und Landkreis Bad Kissingen. Sie werden alle drei bis vier Jahre gemeinsam mit örtlichen Partnern durchgeführt. red