Seit 30 Jahren engagiert sich Thomas Bohrer, Professor und leitender Arzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Kulmbacher Klinikum, in der dritten Welt, seit zwei Jahren für ein Krankenhaus im äthiopischen Bichena. Die Stadt in der Region Amhara hat um die 82 000 Einwohner, das Einzugsgebiet des Krankenhauses umfasst etwa 450 000 Menschen.

"Für diese Menschen stehen in dem Primärkrankenhaus 32 Betten zur Verfügung", erklärt der Mediziner. Die Ärzte seien gut ausgebildet, doch es fehle an medizinischer Ausstattung. "Wir haben vor zwei Jahren einen Container voll mit Ausrüstung gesammelt, darunter gute Matratzen, Laborinstrumente oder Mikroskope", sagt Bohrer. Auch einen gebrauchten Rettungswagen habe man organisiert und nach Bichena gebracht - ein Rettungswagen für 450 000 Menschen.

Zwei Ultraschallgeräte geschickt

Zudem habe das äthiopische Krankenhaus zwei Ultraschallgeräte erhalten, weitere sollen folgen. "Es gibt auch kein EKG, und es braucht Beatmungsgeräte." Dabei sollten es keine High-Tech-Geräte sein, das mache keinen Sinn, denn das Software-Update, das alle sechs Monate notwendig sei, könne dann vor Ort nicht durchgeführt werden. Einen Teil der weiteren Ausstattung, etwa ein Gastroskop oder ein Koloskop, konnten die beiden äthiopischen Ärzte Salsawit Tesfaye Yigrem und Degalem Baye Zenebe nach ihrem einwöchigen Aufenthalt in Kulmbach bereits nach Hause mitnehmen. Nachdem sie im vergangenen Jahr coronabedingt nur per Zoom und E-Mail Kontakt mit Professor Bohrer halten konnten, war ihnen Ende September dieses Jahres nämlich eine einwöchige Reise nach Kulmbach ermöglicht worden.

"Wir haben hier Einblicke in die verschiedensten Bereiche erhalten und konnten uns vernetzen, die Menschen hier sind sehr hilfsbereit", sagte Salsawit Tesfaye Yigrem. Sie ist Allgemeinmedizinerin und arbeitet für das äthiopische Gesundheitsministerium, ihr Kollege Degalem Baye Zenebe ist Chirurg. "Mir gefällt Kulmbach, die Stadt, die Gebäude, alles ist hier anders, und die Leute sind sehr freundlich." Die beiden freuen sich über die Hilfe, die ihnen aus Kulmbach zuteil wird.

Und die ist insbesondere in Spezialbereichen nötig. "Für Spezialbehandlungen, wie etwa eine Strahlentherapie oder eine Herztherapie, muss man etwa sechs Stunden fahren", erklärt Zenebe. Zwar seien es bis zum nächsten Krankenhaus, das solche Behandlungen anbiete, "nur" 260 Kilometer, aber die Straßen seien sehr schlecht. Dazu komme eine lange Wartezeit. "Meine Schwester beispielsweise musste zwei Jahre auf ihre Strahlentherapie warten", verriet der Arzt aus Äthiopien.

Gegenbesuch im Januar

Im Januar will Bohrer zu einem Gegenbesuch starten, dann hofft er, weitere Ärzte, Krankenschwestern und auch Rettungssanitäter mitnehmen zu können. "Unser Anliegen ist eine nachhaltige Unterstützung und eine langfristige Partnerschaft auf Augenhöhe", sagt er, es gehe um zielgerichtete Hilfe. Dazu soll auch ein zweiter Rettungswagen beschafft werden, vorzugsweise ein Toyota, denn der lasse sich in Afrika leichter reparieren. Über den Verein "Hilfe in Not e.V." hat Bohrer nun öffentliche Mittel beim Bundesministerium für Entwicklungshilfe gestellt. "Im November soll der Bescheid kommen, aber so oder so werden wir weitermachen", sagt er.