Jürgen Gärtner Woher seine Leidenschaft für Uhren kommt, das kann Holger Wecker nicht genau sagen. "Das Interesse war einfach da", erklärt der 61-Jährige. Und zwar schon im zarten Alter von 12, 13 Jahren. Die kleinen mechanischen Kunstwerke sollten ihn sein ganzes Leben begleiten.

Holger Wecker lernte - wie sollte es anders sein - den Beruf des Uhrmachers an der Berufsfachschule in Furtwangen - von 1974 bis 1977. Welche Voraussetzungen braucht es für diesen Job? "Eine feinmechanische Ausprägung und ein normales mathematisches Verständnis", sagt der Mann, der wenige Jahre später, 1981, der jüngste Uhrmachermeister Deutschlands wurde und seine Lehre zuvor als Neuntbester in Deutschland beendet hatte. Viele weitere seiner Klassenkameraden waren ebenfalls unter Deutschlands Besten. Ein guter Jahrgang.

Und natürlich sei eine ruhige Hand nötig, um die oft nur millimetergroßen Teile einer Armbanduhr an ihrer Stelle im Uhrwerk zu platzieren. "Aber die ruhige Hand kann man lernen."

Nach der Ausbildung sei das Leben einen normalen Weg gegangen: Arbeit, Hochzeit, Kinder. Bis 1991. Dann wagte Wecker den Schritt in die Selbstständigkeit. Aber nicht nur das: Er kreierte auch seine erste Uhr, die ein Holzgehäuse besaß. Noch heute baut er sie unter dem Namen "Brior". Kaufen kann man sie in seinem Meisterbetrieb in der Langgasse.

Eigene Marke kreiert

"Um das Jahr 2000 habe ich Brior als Marke etabliert und über das Patentamt registrieren lassen." Damals sei er der Erste gewesen, der Uhrwerke in ein Holzgehäuse verbaut habe. 2001 habe er seine Schmuckstücke auf der Fachmesse Inhorgenta in München präsentiert. Dort sei der Redakteur einer deutschlandweit erscheinenden Uhrenzeitschrift auf ihn aufmerksam geworden. "Er hat meine Uhren angeschaut und war begeistert." Die Folge: Publikationen in den Zeitschriften "Armbanduhren"; "Uhren-Magazin" und "Chronos" - neben so bekannten Marken wie Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet fanden Berichte über die Zeitmesser des Kulmbachers Platz. Sogar in einem Katalog für den chinesischen Markt tauchte Wecker auf. Die Resonanz war entsprechend: Seine Brior-Uhren verkaufte er schon in die USA, nach Russland, Taiwan, Dubai, Österreich und Frankreich.

Neben dem Gehäuse - das es mittlerweile zusätzlich in Edelstahl und Perlmutt gibt - macht er auch die Werke zu etwas Besonderem. Wecker kauft - wie viele andere Uhrenhersteller - das mechanische Grundgerüst von der Firma Eta, das er dann weiter veredelt. Manche Teile werden skelettiert, geschliffen, rhodiniert, poliert, vergoldet. Heraus kommen kleine Kunstwerke, die man nicht nur von Zifferblattseite, sondern auch durch den Glasboden bewundern kann. Es gibt Automatik- und Handaufzugs-Varianten.

Inzwischen, so sagt er, bauen viele Billig-Uhren mit Holzgehäuse und Quarzwerk. 2010 habe dieser Trend angefangen. Zumeist handele es sich um Ticker für 99 Euro, denen der Uhrmachermeister nichts abgewinnen kann. Für ihn ist es Ware mit einer beschränkten Lebensdauer. "Nach 15 Jahren schaut es da schlecht aus."

Anders mit der dafür teureren Mechanik: Die könne man noch in 100 Jahren reparieren. Für ihn steht außer Frage: "Jeder, der ein bisschen Ahnung hat, weiß, dass eine mechanische Uhr etwas Wertiges ist."

Und wie zum Beweis erzählt er von seiner privaten Leidenschaft: Er sammelt - Nomen est Omen - Wecker aus den Jahren 1870 bis 1920. Über 400 Stück hat er schon zusammengetragen. Warum für ihn gerade dieser Zeitraum bis 1920 so interessant ist? "Nach 1920 kam der Bauhaus-Stil." Dessen schlichte Gestaltung ist nichts für den Uhrmacher. "Zu langweilig."

Interessant ist für ihn dagegen, was alles schon an Uhren in seiner Werkstatt gelandet ist. Neben Rolex hat er schon Uhren von Blancpain, Omega, Corum, AP und Breitling wieder in Schuss gebracht.

Egal, um welche Marke es sich handle, die Arbeit sei immer die gleiche: "Zerlegen, reinigen, kontrollieren." Dann läuft der Ticker wieder. Das gelte auch für große Standuhren, Tisch- und Taschenuhren, die er ebenso wieder auffrischt. "Die kann man wieder richtig toll herrichten."

Wie lange es noch Werkstätten wie bei ihm in der Langgasse geben wird, das weiß er allerdings nicht. Denn um den Uhrmacher-Nachwuchs in Handwerksbetrieben sehe es schlecht aus. "Industriebetriebe, wie es sie in der Uhrenstadt Glashütte gibt, schauen, dass sie immer wieder Uhrmacher ausbilden, damit sie Arbeitskräfte haben." Der klassische Uhrmacher stehe dagegen auf verlorenem Posten. "Die Leute wissen gar nicht, was verloren geht, wenn es niemanden mehr gibt, der beispielsweise eine Uhr von 1920 wieder reparieren kann."

Er hatte auch schon Lehrlinge, aber seine Werkstatt sei dafür eigentlich zu klein, bedauert er.