Knetzgau — 29 der 45 Mitarbeiter bei Coca-Cola in Knetzgau sind schwerbehindert oder haben einen ähnlich hohen Grad der Behinderung. Diese Zahl erfuhr Landtagsabgeordneter Steffen Vogel, neben vielen Daten zur aktuellen Cola-Produktion und zur Leisungsfähigkeit des Unternehmens, bei einem Besuch im Cola-Werk in Knetzgau.
Auf Einladung des Sprechers der Schwerbehindertenvertretung, Thomas Hein, hat der CSU-Politiker aus Theres die Jahresversammlung der Schwerbehinderten und der gleichgestellten Arbeitnehmer von Coca-Cola aus ganz Nordbayern in Knetzgau besucht. Vogel, Mitglied im Sozialausschuss und im Ausschuss für Gesundheit und Pflege des Bayerischen Landtags, sollte, wie es in einer Pessemitteilung des Abgeordneten heißt, über die Situation schwerbehinderter Arbeitnehmer in Bayern berichten.
Zunächst stellte Thomas Hein aber die Firma Coca-Cola an dem Standort Knetzgau vor. So erläuterte Hein, dass derzeit ca. 450 Mitarbeiter in Knetzgau ca. 400 Millionen Flaschen Getränke produzieren würden, womit Coca-Cola ein wichtiger Arbeitgeber in der Region sei.
Hein erläuterte weiter, dass das Unternehmen in Knetzgau weiter investiere und am Standort festhalte, was der Bau der Wasseraufbereitungsanlage im Jahr 2015 belege. Auch soll die Anlage 3 im Einwegbereich umgebaut werden, um die Kapazität auf 60 000 Flaschen in der Stunde zu erhöhen.
In Knetzgau haben 19 Mitarbeiter einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 und gelten damit als schwerbehindert. "10 Mitarbeiter haben ein GdB von 30, so dass diese mit Schwerbehinderten gleichgestellt sind", so Hein. "Trotz unserer Einschränkungen, stehen wir täglich im Betrieb unseren Mann oder Frau", so Hein über die Arbeitsleistung seiner schwerbehinderten Kollegen.
Steffen Vogel ging in seinem Referat auf die besondere Situation schwerbehinderter Menschen in Bayern ein. Wie er ausführte, seien im Juni 2014 im Freistaat 1 168 167 Menschen schwerbehindert (GdB 50 bis 100) gewesen, was einem Anteil von 9,28 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Der Anteil der 18- bis 65-Jährigen betrug 43,8 Prozent.
Vogel erläuterte die großen Probleme, die Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt hätten. So waren im September 2014 über 23 000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos, was deutlich über der Arbeitslosenquote Nichtbehinderter liege: "Nach wie vor ist die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung nicht zufriedenstellend."
Vogel erläuterte , dass der Freistaat gezielt Maßnahmen und Sonderprogramme auflege, um die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu verbessern und nannte Zahlen.
Der Abgeordnete sagte, er bedaure, dass viele Arbeitgeber überhaupt nicht wüssten, welche Unterstützungsleistungen vom Staat zur besseren Einbindung von Menschen mit Behinderung angeboten würden. So verwies er auf die Förderprogramme "Chancen schaffen", mit denen die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen verbessert und das Bund-Länder-Programm "Initiative Inklusion" in Bayern forciert werden soll. Arbeitgeber könnten so bis zu 50 000 Euro an Zuschuss für die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes für einen schwerbehinderten Menschen erhalten.
Auch würden die Integrationsfachdienste die Eingliederung engagiert betreuen. MdL Steffen Vogel erläuterte weiter, dass die öffentliche Hand Vorbild bei der Beschäftigung von schwerbehinderten Arbeitnehmern sei. Während in der Privatwirtschaft der Anteil bei 3,9 Prozent liegt, sei der Anteil schwerbehinderter Mitarbeiter bei allen öffentlichen Auftraggebern in Bayern bei 6,7 Prozent.
Nach Ansicht Vogels ist es in Zeiten des Fachkräftemangels unerlässlich, auch schwerbehinderte Arbeitnehmer mit einzugliedern: "Betriebe sollten deren Potenziale nutzen." red