Die Erkenntnis, dass Oberfranken schön ist, hat sich weit verbreitet. Dass aber in dieser Region, speziell im Raum Bayreuth-Kulmbach, über hundert Kirchen im Markgrafenstil auf ihre Entdeckung warten, muss sich erst noch stärker einprägen. Um dazu neue Ideen zu entwickeln, trafen sich etwa 60 Kirchenvorsteher/innen und etliche Pfarrer zu einem Workshop in Neudrossenfeld. Zusammen mit dem Kirchenkreis Bayreuth, dem Regierungsbezirk, den Landkreisen Bayreuth und Kulmbach sowie mit Tourismus-Verantwortlichen sollen neue Initiativen gestartet werden.
Eines wurde schnell klar: Wichtig ist es, diese Kleinode der Öffentlichkeit ständig zugänglich zu machen. "Verschlossene Gotteshäuser schotten ab, das darf nicht sein. Auch musikalische, theologische und kunsthistorische Veranstaltungen müssen mehr betont werden", war ein Tenor der Tagung.
Aus von Gemeinden mit bereits offenen Markgrafenkirchen berichteten der Neudrossenfelder Pfarrer Elmar Croner, Dekanin Martina Beck aus Thurnau und Dekan Thomas Guba (Bad Berneck). Sie meinten unisono: "Wir können nur Positives sagen." Pfarrer Croner fügte an, in Neudrossenfeld sei die Kirche seit Pfingsten 2015 offen, "es kamen Besucher aus ganz Deutschland".
Thomas Roßmerkel, der Referent für Kirche und Tourismus in Bayern, konnte das aus der Sicht des Freistaats bestätigen. "Dass mal etwas wegkommt, bewegt sich im ganz niedrigen Bereich", sagte er.
Dennoch wies Georg Trautor vom Landeskirchenamt auf manche Gefahren hin, er gab wertvolle Tipps zum Schutz und zu Versicherungsmodalitäten.
Das Interesse des Tourismus an verlässlich geöffneten Markgrafenkirchen stellte Manuel Becher vom Bayreuther Marketing heraus. "Es muss dazu aber auch die touristische Infrastruktur passen", betonte er. Neudrossenfeld sei da mit dem Bräuwerck ein gutes Beispiel.


Baugeschichtliche Zeugen

Landrat Klaus Peter Söllner bezeichnete die Markgrafenkirchen als baugeschichtliche Zeugen: "Kirchengeschichte ist auch immer Geschichte eines Landstrichs. Dieser evangelische Barock hat Alleinstellungsmerkmal und braucht sich vor den oberbayerischen Pretiosen nicht zu verstecken." Der Stolz auf das heimische Gotteshaus war auch Bürgermeister Harald Hübner anzumerken. Viele Gelder seien in die Restaurierung geflossen, damit das Bauwerk wieder die Blicke anziehe.


Karla Fohrbeck ist Initiatorin

Detailliert und mit großer Sachkenntnis brachte Karla Fohrbeck den Teilnehmern des Workshops die Bedeutung, die Besonderheiten und die Fülle der Markgrafenkirchen näher. Fohrbeck gilt als Initiatorin für das Projekt "Markgrafenkirchen entdecken". Sie hat dazu einen aufschlussreichen Flyer mit kurzen, prägnanten und bebilderten Texten verfasst: Von Bayreuth bis Kulmbach, von Obernsees bis Wirsberg und von Neudrossenfeld bis Weidenberg reichen die Erläuterungen.
Regionalbischöfin Dorothea Greiner zog ein Fazit: "Wir sind heute einen großen Schritt in die Zukunft gegangen. Wir wollen mit der Regierung und den Landkreisen Bayreuth und Kulmbach die Markgrafenkirchen aufwerten und den Menschen erschließen - möglichst schon zum Lutherjahr 2017."