Am kleinen Kiosk unterhalb der Wallfahrtsbasilika Marienweiher stehen Edgar und Isolde Ruhl. Beide kommen aus Geisfeld. Sie freuen sich, dass Anita Hahn ihren Andenkenstand zum ersten Mal nach dem harten Lockdown wieder geöffnet hat. Die Gläubigen suchen sich schöne Kerzen aus, die sie in der Mariengrotte anzünden oder mit nach Hause nehmen.

"Wir wollen heute Kerzen anzünden zu Ehren der verstorbenen Eltern. Die Kerzen in der Mariengrotte gehören doch dazu", sagt das Ehepaar. Normalweise ist es immer mit einer Pilgergruppe zu Fuß nach Marienweiher gekommen. In diesem Jahr ist es aufs Auto umgestiegen. Denn ganz ohne einen Besuch in der päpstlichen Basilika in Marienweiher wäre Pfingsten nicht Pfingsten.

Die Patres feiern das kirchliche Hochfest in mehreren Gottesdiensten. Doch schnell merkt das Ehepaar, dass in diesem Jahr trotzdem etwas fehlt. Die legendären Kokosmakronen der Familie Klier gibt es nirgendwo. "Ach, schade," bedauert Isolde Ruhl. Und so wie ihr geht es vielen. Denn das süße Gebäck wird gerne gekauft - als Andenken und Seelenschmeichler.

Keine großen Empfänge

Aufgrund der Pandemiebestimmungen finden keine große Pilgerempfänge statt. Die Franziskanerpatres haben dies bereits im Vorfeld angekündigt. Viele Katholiken lassen es sich dennoch nicht nehmen, nach Marienweiher zu kommen. "Wir sind schon seit Freitag in Hermes. Man darf ja wieder reisen", erklären Anni und Gerhard Müller aus Forchheim. Sie haben sich einen kleinen Pfingsturlaub gegönnt. Doch auch sie merken schnell, dass Pfingsten 2021 sehr viel ruhiger abläuft als üblich: "Der Gesang in der Kirche fehlt mir. Der Glanz fehlt."

Die Müllers sind treue Kirchgänger. Die Live-Gottesdienste haben ihnen gefehlt. "Letztes Jahr war gar nichts. Dass sich die Kirche nicht mehr gewehrt hat, habe ich bedauert", sagt Gerhard Müller. Übertragungen im Fernsehen seien kein Ersatz.

"Tote Hose"?

"Naja, das Festliche fehlt schon", sagt auch Manfred Wohlfahrt. Er ist normalerweise immer mit den Wallfahrern aus Leutenbach nach Marienweiher gekommen. "Es ist hier tote Hose", formuliert es Norbert Stöhr aus Forchheim drastischer. Stöhr ist schon mehr als 40 Mal zu Fuß nach Marienweiher gepilgert.

Ganz aus der Nähe, aus Wartenfels, kommt Raimund Grass. "Es war natürlich ruhiger, das war ja klar. Aber in dem Rahmen, der möglich war, war alles ganz hervorragend - das Hochfest, die Predigt, die Musik, die Orgel, alles war schön gestaltet", sagt Grass. "Am letzten Sonntag im Juli gehen wir Wartenfelser immer nach Marienweiher. Ich bin der Kreuzträger. Ich hoffe, diese Wallfahrt kann dann stattfinden." Die Inzidenzzahlen zumindest stärken die Hoffnung auf weitere Lockerungen. so