Ein bayerisches Typenkabarett gibt es morgen um 19.30 Uhr in den Bamberger Haas-Sälen. Markus Langer parodiert in seinem aktuellen Programm "Spaßvogel(n)!" aufmerksam im Alltag beobachtete und fein modellierte Typen, die er mit großem schauspielerischem Talent auf die Bühne bringt. Der absurde Alltag seiner Kunstfiguren rührte fast zu Tränen, würde Langer nicht mit so viel Witz, Biss und gut sitzenden Pointen von ihnen erzählen. Und das in schönstem Oberbairisch. Mit viel Charme, manchmal ein wenig derb, zuweilen auch nachdenklich.

"I derf des" steht auf Langers T-Shirt. Ja, er darf vieles, auch als Tarzan an der Tankstelle stehen, bekleidet nur mit einer ausgeleierten Tigerfellbadehose, Modell 80er Jahre. Promille: aus Versehen zu viel. Führerschein: bald weg. Job: eh schon weg.

Markus Langer kann aber auch Mut machen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen: "Noch kein Mensch auf dieser Erde hat sein Leben je überlebt und dafür, dass wir alle nur einmal auf dieser schönen Erde sind, lassen wir viel zu wenig die Sau raus", lautet sein Credo. Wir haben dem Künstler ein paar Fragen gestellt. Ihr Sepp Bumsinger rauscht durchs Internet und Sie mit schnell wachsendem Erfolg über immer mehr Livebühnen ...

Markus Langer: Der Sepp ist Segen und Fluch zugleich. Er hat mich sehr bekannt gemacht. Aber er ist trotzdem eine Kunstfigur, die mit mir als Markus gar nicht so viel gemein hat. Das große Forum vom Sepp ist das Netz, das er per Videoclip erobert. Meines ist ja eher die Livebühne, auf der ich ganz unterschiedliche Charaktere oder Typen darstelle. Der Sepp ist da nur einer von mehreren. Aber als viraler VIP bringt er mein Publikum zu mir.

Was erwartet die Zuschauer, wenn sie zu Ihnen kommen?

Ein kurzweiliger, bayerischer Kabarettabend, bei dem ich mit viel Lust am Spielen, mit Witz und Biss ein paar schräge Typen auf die Bühne bringe, die beharrlich, aber halt auch saulustig an den kleinen oder größeren Dingen des Lebens scheitern. Wie wir alle ab und zu. Deshalb ist mir auch wichtig, zwischen den Zeilen Mut zu machen, das Leben trotz aller Widrigkeiten immer wieder in die Hand zu nehmen.

Sie sind jetzt viel unterwegs, spielen in ausverkauften Häusern. Aber das war nicht immer so. Wie ging das los?

So wie bei vielen, mit der Ochsentour über kleine Bühnen. Auf Tour hab' ich auch mal im Auto übernachtet, um am nächsten Tag vor acht Leuten zu spielen. Aber ich habe trotzdem an meine Vision geglaubt und bin den Weg weitergegangen. Heute bin ich sehr dankbar und glücklich, dass so viele Menschen in meine Vorstellungen kommen. Und ich habe einmal mehr erfahren, wie wichtig es ist, sein Leben zu leben, sich was zu trauen, nicht aufzugeben.

Was inspiriert Sie?

Auf jeden Fall der Alltag! Ich gehe mit sehr offenen Augen durch die Welt. Da finden sich doch genau die Geschichten, die die Menschen berühren. Und die schrägsten Typen. Daraus forme ich meine Bühnenfiguren. Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten, das macht doch erst einen Charakter aus. Man darf auch mal Loser sein, ich finde das sympathisch.

Auf der Bühne beleuchte ich so einige Untiefen, die ich in meinem Leben schon gesehen habe. Und ich bin neugierig, bis heute. Manchmal wie ein Kind. Man sollte sich selbst nicht immer so wichtig nehmen.

Aber das trauen sich viele nicht!

Ja, leider. Die Angst, uns zu blamieren, hält uns davon ab, und Versagensängste versperren uns oft den richtigen Weg. Wenn man was erreichen oder einen Schritt vorwärtskommen will, muss man auch mal raus aus der Komfortzone. Egal ob privat, geschäftlich oder auf einer Bühne. Mut haben, auf das Herz zu hören, das tun, was sich gut anfühlt, auch wenn andere was anderes sagen. "Das Leben ist zu kurz für später", da hat der Sepp schon recht. Das führt einen eher ans Ziel als "schneller, höher, weiter", Leistungsdruck oder Neid. Freilich muss man sich auch mal durchbeißen. Aber das Herz muss dabei am rechten Fleck bleiben.

Für alle, die den Sepp noch nicht kennen, können Sie ihn kurz beschreiben?

Wenn man ihn einmal gesehen hat, vergisst man ihn nicht, allein sein Aussehen: das fiese Gebiss, die schwarze Brille mit den dicken Gläsern und Rändern, Cap, langsamer Gesichtsausdruck, fast immer eine Flasche Bier - "Arschlecken 350" - in der Hand. Oft ist er um den Biernachschub besorgt. Der Sepp ist einfach gestrickt, nicht der Allerhellste, auf seine Art aber doch sehr klug in seinem eigenen Kosmos.

Was glauben Sie, warum kommt der Sepp bei Ihren Fans so gut an?

Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass der Sepp mal so groß wird. Er ist ein sympathischer Antiheld, so richtig bayerisch gemütlich. Der sagt einfach, was er denkt, der schert sich um nichts. Der darf auch mal derbe Worte rauslassen. Ich glaube, das würden viele auch gern mal tun, trauen sich aber nicht.

Wieviel Markus steckt im Sepp?

Wenn ich Sepp sein will, muss ich mich "verkleiden": Latzhose an, Gebiss rein, Brille und Cap auf. Und dann bin ich wirklich der Sepp. Von dem mache ich dann ein Selfie oder spiele einen kurzen Sketch. Die Kamera und die Sepp-Grundausstattung habe ich immer dabei, falls mir spontan was Gutes einfällt. Um wieder Markus zu sein, muss ich alles ablegen, wie Pan Tau seinen Hut! red