christian bauriedel Man muss sich die Szenerie wohl wie in einem Video eines der berühmt-berüchtigten Gangster-Rapper vorstellen: Am 4. April hat die Polizei in Erlangen eine wahre Dealer-Höhle ausgehoben.

Eine Mitbewohnerin des Hauses hatte gegen Mitternacht die Polizei gerufen. Ein Mann hatte sich offenbar aus seiner Wohnung gesperrt. Als die Polizei dann vor Ort war, wurde schnell klar, dass dies ein größerer Einsatz werden wird.

Geruch von Marihuana aus der Wohnung des damals 20-Jährigen hatte die Beamten auf die Fährte gebracht.

Kiloweise Hasch, Koks, Pillen

Bei einer genaueren Untersuchung der Ein-Zimmer-Wohnung förderten die Polizisten dann einiges Illegales zu Tage: Über 4,5 Kilo Haschisch, 608 Gramm Marihuana, fast 40 Gramm Kokaingemisch, 300 Ecstasy-Tabletten, 24 Gramm MDMA-Pulver und vier Gramm Amphetamin listet die Anklageschrift auf.

Obendrein war der Dealer laut Anklage bis an die Zähne bewaffnet: Im Badezimmer, quasi griffbereit nahe der Eingangstür, lag eine Machete mit 48 Zentimetern Klingenlänge. Unter der Bettdecke förderten die Polizisten eine geladene Schreckschusspistole Walther PP zu Tage.

Überraschung im Nachttisch

Im Nachttisch befand sich nicht nur eine Summe Bargeld in Höhe von rund 7000 Euro, sondern auch eine geladene Luftdruckpistole. Im Kleiderschrank versteckte der Mann mehrere Messer und einen Teleskopschlagstock.

Auf dem Esstisch lag ein Springmesser, auf der Fensterbank in einer Kiste ein weiterer ausfahrbarer Schlagstock. Der damals 20-Jährige, der eine Lehre zum Lackierer offenbar erst kürzlich abgebrochen hatte, wanderte umgehend in Untersuchungshaft, wo er die Zeit bis zum Prozess am gestrigen Freitag verbracht hat.

Dass die große Menge diverser Drogen nicht ausschließlich zum Eigenbedarf eines Süchtigen, sondern zum Weiterverkauf gelagert war, und dass die Waffen zum Bewachen der Ware gedacht waren, sah nicht nur die Staatsanwaltschaft so, sondern auch die Jugendkammer des Landgerichts in Nürnberg.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte schuldig ist des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge mit Waffen in Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das teilt Friedrich Weitner, Justizpressesprecher, mit.

Gefängnis und Drogenentzug

Die Konsequenz für den jungen Mann: fünf Jahre Jugendhaft. Zudem wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Über seinen Verteidiger hatte der Mann ein Geständnis abgelegt. Obwohl aufgrund des Zufallsfundes der Polizei auch nicht groß zu spekulieren war, wem die ganzen Gangster-Utensilien in seiner Einzimmerwohnung denn gehörten. Das Urteil ist rechtskräftig.