Kann die junge Generation künftige Lasten stemmen? Muss die nächste Generation für zwei arbeiten? Hinterlassen wir der nächsten Generation zu viele Baustellen? Wie schweißen wir alle Generationen für eine gute Zukunft zusammen? Dies sind nur einige Fragen der Caritas-Kampagne: "Mach dich stark für Generationengerechtigkeit".
Unsere Gesellschaft verändert sich: Wir werden weniger, wir werden älter und wir werden bunter. Mit dieser einfachen Formel rückt der demografische Wandel unserer Gesellschaft verstärkt ins öffentliche Bewusstsein. Das Verhältnis der Generationen wird sich radikal verändern. Was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen aus, wie auf die Versorgung von älteren Menschen im Krankheitsfall und bei Pflegebedarf? Was heißt das für die Finanzierung unserer Sozialsysteme und was für die Anforderungen des Arbeitsmarktes? Was braucht es für eine gelingende Integration von Zuwanderern? Die Generationengerechtigkeit wird zunehmend zum Schlüsselwort aller Überlegungen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Gerade in der Rentenpolitik, die (noch) auf Solidarität angelegt ist, zeigen sich die Herausforderungen eines generationengerechten Handelns in besonderer Weise.
Die umlagefinanzierten Sicherungssysteme wie Renten-, Krankenkassen- und Pflegeversicherung müssen zwischen den verschiedenen Generationen solidarisch gestaltet werden.
Bei allen Veränderungen, die der demografische Wandel notwendigerweise für unsere Gesellschaft bedeutet, muss darauf geachtet werden, dass künftige Generationen nicht über Gebühr belastet werden. Also sind die Generationen gut beraten, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und eine Gesellschaft zu gestalten, die den heutigen und künftigen Bedürfnissen aller Generationen gerecht wird. Die Bereitschaft, sich aktiv für eine generationengerechte Gesellschaft einzusetzen, ist ein Gebot der Vorsorge, der Teilhabe, der Chancengleichheit und der Verantwortung - insbesondere für die "Schwächsten" und die kommenden Generationen. Dabei dürfen die Generationen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es geht um die Frage der Solidarität und Gerechtigkeit, auch um die der Nachhaltigkeit.
Viel zu viele haben in unserer Gesellschaft den Glauben daran verloren, dass ihre Interessen je eine Rolle spielen werden. Generationengerechtigkeit kann nachhaltig nur gemeinsam gemeistert werden. Die Freiheit jeder Generation wird begrenzt durch die Verantwortung und Solidarität gegenüber anderen, vor allem auch künftigen Generationen. Es geht um die Zukunft von uns allen. Es braucht gegenseitigen Respekt, um die unterschiedlichen Anliegen und Interessen miteinander ins Gespräch zu bringen. Die Sensibilität dafür zu erhöhen - dazu will die Caritas-Kampagne "Mach dich stark für Generationengerechtigkeit" beitragen.

Richard Reich ist Geschäftsführer des Caritasverbandes Coburg.