Eigentlich heißt die Geschichte "Friedrich von Thüna, Luthers heimlicher Beschützer", die der Kronacher Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig zu dem Buch "Kleine Reformationsgeschichten" beigetragen hat. Das ist im oberfränkischen Kirchenkreis Bayreuth jetzt anlässlich des Lutherjahres erschienen.
Der Ludwigsstädter Pfarrer Albrecht Bischoff hat in seiner Ankündigung der Buchvorstellung in Ludwigsstadt noch eins draufgesattelt und den Gemeindeabend im Ludwigsstädter Kirchgemeindezentrum angekündigt mit "Friedrich von Thüna, der Retter der Reformation".
Viele Orte hätten ihren eigenen Reformator gehabt - und diese Geschichten aus dem Kirchenkreis wolle sie vorstellen, so die Regionalbischöfin Dorothea Greiner. Leicht verständlich und trotzdem mit historisch fundiertem Anspruch ist ein 240 Seiten dickes Buch entstanden - zusammen mit zwei Professoren und vielen heimatkundlichen Experten aus den Regionen. "Wir mussten es leider auf 33 Geschichten eindampfen", denn es hätte noch viel mehr gegeben. Zusammen mit den Autoren stellt sie das Buch seit zwei Wochen in ihrem Kirchenkreis vor.
Den Gemeindeabend am Nikolaustag in Ludwigsstadt mit Gebet, Gesang und lyrischer Musik des Kronacher Dekanatskantors Sigurd Knopp besuchten etwa 40 Gäste. Die Regionalbischöfin hatte zunächst die vier Grundfesten der Reformation, die vier "Soli", in Erinnerung gerufen. Diese sind übrigens auch in den Bildallegorien in der Saalfelder Schlosskapelle dargestellt, ehe es mit Geschichte und Geschichten weiterging.
Dabei reichen die "kleinen" Geschichten und Orte bis nach Mittelfranken, Unterfranken, in die Oberpfalz - und am nördlichsten Punkt ins Amt Lauenstein und ein Stück weiter westlich in den Coburger Raum.


Spur nach Ludwigsstadt

Und damit führt die Spur dann nicht nur nach Ludwigsstadt, sondern auch nach Thüringen. Denn der Lauensteiner Autor Siegfried Scheidig hat in den vergangenen Jahren die Bedeutung und Wirkung Friedrich von Thünas in Archiven recherchiert und wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.
Die Familie der von Thünas, der Herren zu Lauenstein seit 1506, stammt aus Saalfeld, dort im Obernitzer Schloss wurde Friedrich von Thüna geboren. "Obwohl man weder Geburtstag noch Sterbeort kennt, hat er ganz tiefe Spuren in der Reformationsgeschichte hinterlassen", so Scheidigs Fazit. "Dabei war er in Ludwigsstadt nicht sehr beliebt, weil er ihnen Marktrecht und Stadtrecht genommen hat."
In den Quellen finde man ihn als kursächsischen Amtmann in Saalfeld, als Hauptmann von Weimar und als einflussreichen Berater und engsten Vertrauten des Kurfürsten Friedrich des Weisen, als dessen Begleiter er bei Reichstagen zugegen war und den er bei der Königswahl Kaiser Karls V. vertrat.
Ins Licht der heutigen Öffentlichkeit rücke er mit der fingierten Entführung seines persönlichen Freundes Luthers auf die Wartburg im Jahr 1521, als Luther für vogelfrei erklärt worden war. Nur, dass dieser Akt im Geheimen geschah, so dass Luther zehn Monate auf der Wartburg vor seinen Verfolgern sicher war - und sein Aufenthaltsort bis zur Rückkehr nach Wittenberg geheim blieb.
Besonders gefreut haben sich über die von Dorothea Greiner vorgelesene, zweite Geschichte: Pfarrer Albrecht Bischoff, der als Bischof Nikolaus noch einen besonderen Auftritt hatte, und der anwesende Burgherr von Schloss Wespenstein und Initiator des historischen Lutherstammtischs in Gräfenthal, Wolfgang Wehr. Dort werden grenzüberschreitend die Spuren Luthers in der Region verfolgt. Dazu passte die Story der "Elf Eimer Bier für den Gast Martin Luther", die Luthers Aufenthalt 1530 in Neustadt bei Coburg in den Mittelpunkt rückt. Denn der Reformator kam mit dem kursächsischen Tross direkt aus Gräfenthal, wo er am Gründonnerstag in der Schlosskapelle gepredigt hatte. "Weil Luther auf dem Rückweg von Gräfenthal nach Lehesten gezogen ist, haben wir jetzt den Lutherweg auch in Ludwigsstadt", freut sich der Ludwigsstädter Pfarrer, "obwohl Luther wohl niemals hier war."


Präsentation in Saalfeld

Siegfried Scheidigs Thema Friedrich von Thüna ist in dem Buch der "Kleinen Reformationsgeschichten" auf fünf Seiten komprimiert. Eine ausführliche wissenschaftliche Fassung mit Quellenbelegen ist im Jahrbuch des Landkreises Kronach von 2013 nachzulesen. Und im Frühjahr 2017 wird Scheidig vor dem Saalfelder Museums- und Geschichtsverein seine Erkenntnisse noch einmal in der Öffentlichkeit präsentieren.