Gertrud Glössner-Möschk

An einem Sonntag im März 2015 haben der heute 23 Jahre alte Simon K. (Name von der Redaktion geändert) und sein Freund schon einmal "vorgeglüht", und zwar im wahrsten Sinn des Wortes: Auf einem abgelegenen Grundstück am Waldrand des Kraibergs in Baunach entzündeten die beiden in direkter Nähe eines Gartenhauses drei Lagerfeuer. Sie verschürten zuerst Äste, dann eine Europalette, zwei Gartenstühle und Sitzpolster. Schließlich schlugen sie die Fenster des Gartenhauses ein, nährten ihre Feuerstellen mit Lampenöl und vergossen - als Krönung des Ganzen - Benzin auf dem Rasen und fachten es an.


Mit dem Zug nach Baunach

Mit dem Handy hat Simon K. davon einen Film gedreht, auf dass die Netzgemeinde und die Nachwelt von seinen Taten erfahre. Drei Tage später, am Mittwoch, 11. März, reisten die beiden erneut mit dem Zug von Bamberg nach Baunach und machten Ernst: Sie gossen Benzin in der Holzhütte aus und entzündeten es mit brennendem Papier. Das Häuschen - "eine liebevoll hergerichtete Gartenhütte", wie ein Kriminalbeamter vor Gericht beschrieb - brannte vollständig ab.
Der in den Akten niedergelegte Schaden in Höhe von 2000 Euro bezieht sich nach Auskunft des Polizeibeamten ausschließlich auf die Innenausstattung und Werkzeuge. Dieser Schaden sei dem Besitzer von der Hausratversicherung bezahlt worden. Nicht erstattet worden sei der Wert des rund 4 mal 6 Meter großen Gartenhauses, das nicht versicherbar gewesen sei. Ein Kostenvoranschlag habe ergeben, dass ein Neubau wenigstens 20 000 Euro kosten würde - eine Summe, die der Besitzer nicht hat.
Die beiden Täter wurden schnell ermittelt, unter anderem deswegen, weil der Jüngere unter Angabe all seiner Personalien am 11. März die Feuerwehr gerufen hat. Er hat auch einen sehr persönlichen Bezug zu dem traumhaft gelegenen Grundstück: Es gehörte bis 2006 seinen in Bamberg wohnenden Pflegeeltern. Möglicherweise hat der Junge nach dem Verkauf den Verlust seiner alten "Spielwiese" nicht recht verkraftet. Simon K. ließ über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Barthelmes, zu Beginn der Hauptverhandlung erklären, sein jüngerer Freund habe sich an dem Nachbesitzer rächen wollen und ihn zum Anzünden der Hütte angestiftet. Er und sein Komplize stehen übrigens zu getrennten Terminen vor verschiedenen Gerichten: Simon K. seit Donnerstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts und sein Freund am 11. März vor dem Amtsgericht.
Zu Beginn der Beweisaufnahme in der Sitzung am Donnerstag ließ die Kammer mehrere Videofilme zeigen, die Simon K. bei den Zündeleien am Sonntag gedreht hat. Sie dokumentierten, wie groß die Freude der beiden an den von ihnen geschürten Feuern war.
Bis auf die Frage, wer der Initiator war oder ob beide jungen Männer zu gleichen Teilen für die Brandstiftung am 11. März verantwortlich sind, war der Tathergang am Donnerstag schnell geklärt. Die wohl wichtigste Aufgabe kam dem psychiatrischen Gutachten zu. Von ihm erwartete sich das Gericht Aufschluss darüber, ob der frühere Sonderschüler und in einer Behindertenwerkstatt beschäftigte Simon K. eine "destruktiv-expansive Persönlichkeitsstruktur" besitzt und damit für die Allgemeinheit gefährlich ist.


Intellektuell minderbegabt

Christoph Mattern, Facharzt für Psychiatrie und Leiter der Bezirksklinik Obermain in Kutzenberg, bejahte dies unumwunden. Wie sein Kollege, der Psychologe Jürgen Mälzer, attestierte er dem Angeklagten eine intellektuelle Minderbegabung, die in seinem Fall einhergehe mit "ungünstigen" Persönlichkeitszügen: eingeschränkter sozialer Wahrnehmung, geringer Abstraktionsfähigkeit, fehlender Selbstkritik, deutlicher Selbstüberschätzung, Imponiergehabe. Mattern glaubt, dass es bei K. auch in Zukunft zu ähnlichen Straftaten kommen könne. Er sieht alle Voraussetzungen zur Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Anstalt für gegeben an.
Den üblichen Maßregelvollzug allerdings hält Mattern nicht für zielführend. Für K. komme nur eine geschlossene, beschützende Einrichtung infrage, die ihm einen strukturierten Tagesablauf mit festen Zeiten und Arbeit bieten könne. Von der Unterbringung in einer offenen Wohngruppe rät der Psychiater dringend ab. Dort werde er wieder schnell die Regeln brechen - so wie er es in einer Wohngruppe der Bamberger Lebenshilfe getan hat, wo er sich zum echten Problem für Mitbewohner und Betreuer entwickelte. Eine Mitarbeiterin sagte im Zeugenstand aus, dass K. unter keinen Umständen mehr in dieser Einrichtung aufgenommen werden würde.


Nach Himmelkron?

Die Zahl der Heime, die für K. infrage kämen, ist allerdings gering- zumal viele abwinken, wenn sie von Brandstifterkarrieren hören. Eine gute Möglichkeit der Unterbringung böten laut Mattern die Himmelkroner Heime. Um abschätzen zu können, ob K. dort eine Chance bekommt, soll am 15. Februar der Leiter der Anstalt in den Gerichtssaal kommen. An diesem Tag wird möglicherweise auch das Urteil gefällt.