von unserer Mitarbeiterin 
Andrea M. Friedrich

Priesendorf — In der Priesendorfer Marienkapelle wird nach wie vor wöchentlich der Rosenkranz gebetet. Und in dieser Kapelle fand vor knapp 100 Jahren Luise Löwenfels, das jüngste Kind einer angesehenen orthodoxen jüdischen Metzger- und Viehhändlerfamilie aus Trabelsdorf, wohl erstmals Zugang zum katholischen Glauben. Noch heute erzählen die Priesendorfer, dass Luise mit ihren katholischen Freundinnen immer wieder zu den Maiandachten gekommen sei.
Anlässlich des 100. Geburtstags von Luise Löwenfels veranstaltete die Pfarrgemeinde Priesendorf (zu der Trabelsdorf gehört) nun eine Gedenkveranstaltung. Sie begann mit einer Eucharistiefeier, der Norbert Jung als Ordensreferent der Erzdiözese Bamberg vorstand. Jung ist zugleich Mitglied der Kommission für die Seligsprechung von Luise Löwenfels. Und im Oktober wird die Kommission ihre Arbeit aufnehmen.


Tod in Auschwitz

Dem Gottesdienst schloss sich ein Vortrag des Theologen Josef Motschmann an, der die Situation der Juden in der Region um Trabelsdorf und zu Lebzeiten der Luise Löwenfels beleuchtete. Luise wurde am 5. Juli 1915 geboren. 27 Jahre später wurde sie mit der Heiligen Edith Stein, deren Schicksal sie teilte, zusammen nach Auschwitz transportiert und dort noch am selben Tag vergast. Das kurze Leben von Luise Löwenfels war geprägt von inneren Konflikten um die für sie angemessene Religion. Als es sich abzeichnete, dass sich Luise immer mehr dem Katholizismus annäherte, führte das auch zu extremen Auseinandersetzungen mit ihren Angehörigen. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie aus Trabelsdorf weg.
Luise besuchte in Ingolstadt die "Höhere Töchterschule" der Gnadenthaler Schwestern. Später absolvierte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin im Fachseminar der Maria-Stern-Schwestern in Nördlingen. Ihr Interesse am katholischen Glauben verstärkte sich. Nach einer Zeit als Erzieherin in einer jüdischen Familie in Frankfurt kam Luise Löwenfels in Kontakt mit den Dernbacher Schwestern, den Armen Dienstmägden Jesu Christi. 1935 wurde sie nach einem ausführlichen Konvertitenunterricht getauft. Nachdem die junge Frau als Jüdin denunziert wurde, wanderte sie 1936 nach Geelen/Niederlande aus, wo sie bei den Dernbacher Schwestern eine Unterkunft und eine Arbeitsmöglichkeit als Erzieherin fand. 1937 trat Luise Löwenfels bei den Schwestern ein und legte 1940 als Schwester Maria Aloysia ihre ersten Gelübde ab.


Sich stets treu geblieben

Als im Juli 1942 die katholischen Bischöfe der Niederlande ein Protestschreiben gegen die Judenverfolgung veröffentlichten, reagierte die Parteiführung der Nazis eine Woche später mit dem Abtransport aller Ordensleute jüdischer Abstammung in die Lager Amersfoort und Westerbork und wenige Tage darauf weiter nach Auschwitz.
Trotz der Möglichkeit der Emigration in die USA und trotz der Vorahnung ihres Leidensweges nahm Schwester Aloysia das Martyrium auf sich. Sie blieb sich treu und wird mit ihrer Geschichte vielleicht noch viele Menschen dazu bringen, den Hinweisen auf jüdisches Leben in Städten und Dörfern nachzuspüren: Sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, Opfer zu würdigen und sich in der Gegenwart und in der Zukunft gegen alle rechtsextremistischen Tendenzen zur Wehr zu setzen.