Das Lügenkons­trukt, das sich ein 34-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach aufgebaut hatte, kam am Freitagvormittag vor dem Kulmbacher Amtsgericht zum Einsturz. Im Oktober 2018, so die Staatsanwaltschaft, soll der Angeklagte aus einer unverschlossenen Halle eine Putzmaschine mit einem Zeitwert von 1700 Euro entwendet haben. Dafür musste er sich jetzt wegen Diebstahls verantworten.

Der Mann gab zu, die Maschine geholt zu haben, ohne jemanden um Erlaubnis gefragt zu haben. Er habe sie aber gemeinsam mit seinem Vater auch wieder zurückgebracht. Sein Mandant werde im Verfahren alles offenlegen, so sein Anwalt.

Richterin Sieglinde Tettmann wandte sich an den Beschuldigten: "Der Sachverhalt ist lange her, aber nach Aktenlage haben Sie viele Äußerungen gemacht, einige waren widersprüchlich, sodass man sie nicht nachvollziehen kann." Sie riet dem Angeklagten, jetzt entweder zu schweigen oder die Wahrheit zu sagen. "Wir von der Justiz wollen keine neue Variante hören, das macht einen schlechten Eindruck."

Nebengewerbe angemeldet

Der 34-Jährige sagte daraufhin aus, dass er die Maschine bei seinem früheren Arbeitgeber aus der Halle geholt habe, um für eine Drittperson Putzarbeiten an einer Garage auszuführen. "Ich hatte damals noch ein Nebengewerbe angemeldet", sagte er.

Allerdings brachte er die Putzmaschine nach vollendeter Arbeit nicht zu seinem Eigentümer zurück, obwohl er wusste, dass dieser bereits danach suchte. "Ich wollte noch warten, ob ein Folgeauftrag erteilt wird", sagte er. Also habe er das Gerät über den Winter bei seinem Auftraggeber frostsicher untergestellt. Als der rechtmäßige Eigentümer mehrfach nach dem Verbleib der Maschine gefragt habe, habe er gesagt, sie bereits zurückgebracht zu haben.

"Sie haben ihm sogar erzählt, Ihr Bruder hätte die Maschine zurückgebracht, und Sie gaben dem Eigentümer eine falsche Telefonnummer", kritisierte Richterin Tettmann.

Spätes Geständnis

Für die Staatsanwaltschaft stellte sich der Sachverhalt eindeutig dar, dennoch kam es zu einem Gespräch zwischen Richterin, Staatsanwalt und Verteidiger. Danach wirkte der Anwalt nochmals auf den Mann ein. "Mein Mandant bestätigt den Sachverhalt, wie er jetzt dargelegt wurde", erklärte Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall schließlich. "Er räumt den Diebstahl ein, betont aber, dass er die Maschine im darauffolgenden Frühjahr zurückgebracht hat."

Es tue seinem Mandanten leid, er habe lediglich die Arbeiten zu Ende führen wollen und sich ein Lügenkonstrukt aufgebaut, in dem er sich ewig widersprach und das schließlich einstürzte.

Richterin Tettmann begrüßte das Geständnis, denn es sei schwer gewesen, dem Angeklagten noch etwas zu glauben. "Eine Straftat stand ohnehin fest, denn Sie haben wie ein Eigentümer über die Maschine verfügt", sagte sie. Hätte der Angeklagte den rechtmäßigen Eigentümer gleich über den Verbleib informiert, hätte dieser vielleicht sogar von einer Anzeige abgesehen.

So führte die Tat des nicht durch Vorstrafen belasteten Mannes schließlich zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen zu je 20 Euro. Darüber hinaus muss er neben den Kosten des Verfahrens 1700 Euro als Wertersatz für die Putzmaschine zahlen, da diese sich aus ungeklärten Gründen noch immer nicht im Besitz des rechtmäßigen Eigentümers befindet. "Machen Sie so etwas nie wieder", ermahnte Richterin Tettmann, "Ihr Geständnis und Ihre Einsicht sind positiv zu werten, aber bedenken Sie, dass Sie ihrem eigenen Kind als Vorbild dienen."