Schwierige Themen sind das Steckenpferd von Christiane Hawranek (32). Für ihre Reportage "Blackbox Heim: Wie behinderte Kinder weggesperrt werden" ist die Journalistin aus Forchheim nun für den Deutschen Radiopreis nominiert worden. Bei einer Gala am 6. Oktober in Hamburg sollen die Gewinner verkündet und die begehrte Auszeichnung vergeben werden.


Kinder in Heimen

In der Radioreportage, die erstmals in der investigativen Sendung "Funkstreifzug" im Bayerischen Rundfunk (BR) gesendet wurde, geht es um Kinder mit geistiger Behinderung, die in Heimen immer wieder Zwangsmaßnahmen ausgesetzt sind. Sie werden über Stunden ins Zimmer gesperrt oder müssen in kastenartigen Betten schlafen. Eine Generalvollmacht der Eltern reiche laut dem Autoren-Duo dafür aus. In der Praxis werde diese freilich bereits oft verlangt, wenn ein Kind ins Heim komme. Erschreckend dabei sei, dass kein Richter diese Zwangsmaßnahmen genehmigen müsse, berichtet Hawranek in der nun nominierten Radioreportage, die sie gemeinsam mit Lisa Wreschniok recherchiert und verfasst hat.


Aufwendige Recherche

"Ich freue mich wirklich total über die Nominierung, weil die Arbeit an der Reportage total schwierig gewesen ist", sagt Christiane Hawranek im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Recherche sei in diesem Fall besonders aufwendig und zeitintensiv gewesen, erinnert sich die 32-jährige Journalistin. "Dass die Hartnäckigkeit jetzt anerkannt wird, darüber freue ich mich umso sehr."
Den "Funkstreifzug"-Beitrag "Blackbox Heim" hat eine Jury des Grimme-Instituts aus 360 Vorschlägen für den "Radio-Oscar" in der Kategorie "Beste Reportage" vorgeschlagen. Der Deutsche Radiopreis (deutscher-radiopreis.de) wird seit 2010 jährlich in inzwischen elf Kategorien verliehen. Insgesamt wurden bislang 360 Produktionen von 133 deutschen Radiosendern ins Rennen geschickt. Die Sieger werden von einer unabhängigen Jury des Grimme-Instituts ausgewählt.


Mehrfach ausgezeichnet

Christiane Hawranek wurde für ihre Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Axel-Springer-Preis. Häufig beschäftigt sich die Tochter der Unternehmerfamilie Hawranek, die Farben für Künstler, Kinder und Kreative in Hallerndorf bei Forchheim herstellt, mit Themen aus den Bereichen Medizin und Justiz. Im Jahr 2005 ist Florian Hawranek, Sohn von Inhaberin Gertraud Hawranek, in das Familienunternehmen eingestiegen. Seit drei Jahren leitet Florian Hawranek die Firma in Hallerndorf, während die jüngere Schwester Christiane mit Mann und Kind in München als Reporterin lebt.
Zurzeit befinde sie sich in Elternzeit mit ihrem dreimonatigen Töchterchen, teilt die preisgekrönte Journalistin aus Forchheim gegenüber unserer Zeitung mit. Nach der Elternzeit will die 32-Jährige im kommenden Jahr wieder für die Redaktion "BR-Recherche" in München arbeiten.
Auf der Homepage des BR (www.br.de/nachrichten/christiane-hawranek-autorenprofil-100.html) kann man einige Beiträge der Journalistin nachhören oder -lesen.