Wenn es eines Beweises bedurft hätte, wie unentbehrlich heutzutage Autos sind, Corona hat ihn erbracht. Denn die Supermärkte als Dreh- und Angelpunkt der Versorgung wären ein Komplettausfall gewesen, hätte es nicht die Nutzfahrzeugflotte gegeben, die herangekarrt hat, was die Bevölkerung brauchte.

Da traf es sich gut, dass die Zahl der Nutzfahrzeuge 2020 bundesweit vor dem Corona-Lockdown einen neuen Rekord erreicht hatte: 3,28 Millionen schwere, vor allem aber leichte Nutzfahrzeuge konnten liefern, was das Zeug hielt, nicht nur in die Lebensmittelgeschäfte, sondern auch nach Hause. Denn Homeshopping boomte in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling.

Im Kreis Bad Kissingen sind 4418 Fahrzeuge aller Gewichtsklassen Teil dieser ausgeklügelten Logistikkette, wie die Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes für das Jahr 2020 ergibt. Das sind 226 mehr als im Vorjahr.

Der Haken an der Sache: Wer Autos generell loswerden möchte, wird an der Erkenntnis, wie systemrelevant sie sind, wenn es darum geht, den Laden am Laufen zu halten, keine rechte Freude haben. Vor allem in Städten würde ohne Lieferkette nicht nur die Versorgungslage bei Klopapier heikel. Denn Geschäfte können nur verkaufen, was sie vorher geliefert bekommen haben.

Unbekannte Kilometer

"Logistik" ist das Zauberwort, auf dem das Leben beruht: Denn nach den Erfahrungen aus Corona wissen wir: Es nutzt nichts, wenn irgendwo Klopapier produziert wird, wenn es nicht in die Läden kommt. Wenn das Leben heutzutage eine logistische Meisterleistung ist, dann sind Nutzfahrzeuge Rückgrat dieser Transportkette. Denn die Produktion braucht Rohstoff und Halbfertigprodukte. Handel braucht Ware, Handwerker müssen Team und Werkzeug zum Kunden befördern, sogar der Hausbau fängt meist damit an, dass einer den Erdaushub wegfahren muss.

Jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, was die hiesigen Nutzfahrzeuge so an Kilometern abspulen, um die tägliche Versorgung zu sichern. Aber da muss das Kraftfahrt-Bundesamt passen. Wir wissen aber, dass es bundesweit so um die 33,5 Milliarden Tonnenkilometer allein im Nahbereich bis zu 50 Kilometer sind. Und wir wissen ohne weiteres Nachrechnen auch, dass die Versorgung übermorgen zusammenbrechen würde, wenn es morgen keine Nutzfahrzeuge mehr gäbe.

Warum da ein Tag dazwischen liegt? Weil es gerade mal einen Tag dauern würde, bis die ersten Lebensmittelgeschäfte leergekauft wären. Das war übrigens auch der Grund, warum beim Lockdown die Kfz-Werkstätten weiterarbeiten durften. Ohne Wartung von Polizeiautos, Krankenwagen, kleinen und großen Lastern wäre der Ofen schnell aus gewesen. Denn bei der enormen Kilometerleistung geht auch immer wieder mal was kaputt.

Teja Banzhaf (zds)