Ein interessantes Kapitel Kronacher Handwerksgeschichte, Glockengießer und Büchsenmacher, behandelte Christian Porzelt, zweiter Vorsitzender, beim Stammtischgespräch des Vereins 1000 Jahre Kronach.


Bedeutende Bürgerfamilie

Seit 1920 erinnert die Andreas-Limmer-Strasse an den Begründer einer bedeutenden und einflussreichen Kronacher Bürgerfamilie. Dort war Mitte des 17. Jahrhunderts eine Glocken- und Geschützgießerei in Betrieb gegangen, die "zu einer der bedeutendsten Glockengießereien Oberfrankens in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg wurde", schreibt Porzelt in seiner in den Blättern für fränkische Familienkunde veröffentlichten Untersuchung über "Andreas Limmer und seine Nachkommen im Mannesstamm". Er stellt fest, dass "der Ruf, den die Kronacher Büchsenmacher als kenntnisreiche und begabte Handwerker bis zum Ende des Fürstbistums Bamberg im ganzen Reich besaßen, maßgeblich auf Mitglieder dieser Familie zurück(ging)". Über eineinhalb Jahrhunderte übten sie diesen Beruf in Kronach aus, doch von mindestens "gleicher, wenn nicht sogar von höherer Bedeutung sind die Mitglieder der Familie, die sich entschlossen in den geistlichen Stand zu treten. Von ihnen wirkten zwei als Professoren und einer von ihnen erwarb sich als Abt des Klosters Langheim und Vollender der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen Verdienste".
Porzelt schilderte die verschiedenen Betriebsstandorte der Büchsenmacher, unter anderem auch am Marktplatz und in der Judengasse, die beträchtlichen Grundstückserwerbe, sowie die Positionen, die Mitglieder der Familie einnahmen, wie Ratsherr, Bürgermeister, Stadtvogt oder Festungsconstabler, die deren Bedeutung und Anerkennung bekunden.


Büchsenmacher und Schützen

Die Kronacher hatten mit Limmerschen "Präsentwaffen" vorzügliche und wertvolle Geschenke für den Fürstbischof bei den Erbhuldigungen. Limmerbüchsen sind wegen ihrer hervorragenden handwerklichen Qualität heute Prachtstücke in vielen Museen und begehrte Sammlerobjekte.
Die Diskussion bereicherte als Gast Gert Kümmet, der noch heute das Büchsenmacherhandwerk in Kronach repräsentiert, mit seinen Hinweisen auf die Beziehungen zwischen Büchsenmachern und dem Schützenwesen.
Die Büchsenmacher Limmer seien immer auch Schützenmeister und Schützenkönige gewesen. Wenn sie ihre Ausbildung in Wien genossen hatten, eine Hochburg des Handwerks, so weise dies auch auf die besondere Qualität der Kronacher Erzeugnisse hin. Er selbst habe eine Limmerbüchse unter Mitwirkung der Kronacher Sparkasse für den Museumsbestand der Stadt Kronach übergeben können. Die Limmer-Signatur einer Büchse sei schon etwas Besonderes. Er freue sich, dass sich Christian Porzelt so eingehend mit dem Thema befasst habe.


Preisquiz und Festungsvideo

Mit einem vom Vereinsvorsitzenden Manfred Raum konzipierten Ratespiel konnten die Stammtischgäste ihre ortsgeschichtlichen Kenntnisse testen und dabei Preise gewinnen, bevor das künstlerische Video "Return to Veste Rosenberg" den Stammtischabschluss bildete. Dieses wurde 2004/5 von den Lucas-Cranach-Preisträgern Geissler/Sann geschaffen und zwar unter schauspielerischer Mitwirkung des Faustfestspiel-ensembles.
Rosi Ross, die damals dabei war, schilderte ihre Eindrücke und erinnerte sich an anstrengende Aufnahmen, weil Einstellungen dutzendfach wiederholt werden mussten, bis diese alle den Vorgaben der Künstlergemeinschaft Geissler/Sann entsprochen hatten.
Der nächste Stammtisch wird mit einem Besuch der "Pop up Cranach"-Ausstellung auf der Festung Rosenberg verbunden, der Termin wird in den Medien bekanntgegeben. mr