Am Sonntag, 18. September, werden Lieder des Minnesängers Süßkind nach weit mehr als 700 Jahren endlich wieder auf der Trimburg erklingen, begleitet durch ein mittelalterliches Instrumentarium und verbunden mit einer historischen Einordnung durch Dr. Lothar Jahn. Der Eintritt ist frei, Beginn der Veranstaltung ist um 14 Uhr.

Das Süßkind-Ensemble um den Hofgeismarer Minnesang-Spezialisten Dr. Lothar Jahn führt die Arbeit fort, die Jahn gemeinsam mit dem 2017 verstorbenen Sänger Hans Hegner in der Auseinandersetzung mit Süßkinds Werk begonnen hatte. Dazu gehören die Berliner Musikerinnen Cosima Hoffmann und Ursel Peters, die beide mit Hegner gemeinsam in Duos aktiv waren, und der Hamburger Sänger und Perkussionist Olaf Casalich, auch bekannt als Sänger der in den 70er Jahren sehr erfolgreichen Folk-Rock-Band Ougenweide. Die Musiker haben aus dem musikalischen Nachlass von Hans Hegner unter Beteiligung von fast 40 Musikern ein Album mit dem Titel "Lieder des Süßkind von Trimberg" erarbeitet, das 2021 erschien.

Aus dem 13.Jahrhundert

"Süßkind von Trimberg" ist der einzige überlieferte jüdische Minnesänger, ja, der einzige deutschsprachige jüdische Dichter des Hochmittelalters, der uns noch bekannt ist. Seine zwölf Lieder finden sich, ergänzt um ein Bild, das ihn mit Judenhut zeigt, in der größten Handschrift des deutschen Minnesangs, der Jenaer Liederhandschrift. Er hat in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gedichtet, der Name, der in dieser Zeit weniger ein Adelstitel als eine Herkunftsbezeichnung war, deutet ebenso wie die Sprache seiner Texte auf eine Herkunft aus dem Umkreis der Grafen von Trimberg. Er wird nicht selbst dem Adelsgeschlecht angehört haben, sondern zeitweise in dessen Diensten musiziert haben. Sein Werk ist im Kontext des Minne- und Spruchgesangs einzigartig: Alttestamentarische Traditionen fließen ebenso ein wie ein nüchterner Blick auf jüdisches Leben im Mittelalter, auf Armut, Hunger, Tod und Gier. Er ist vor allem anderen ein sozial engagierter Sangspruch-Dichter in der Tradition des großen Walther von der Vogelweide, der sich auch nicht scheut, adligen Ausbeutern schonungslos den Spiegel vorzuhalten. red