Roland Schönmüller

Landkreis Kronach —  Weihnachten, Silvester, Neujahr, die "Heiligen Zwölf Nächte", der Dreikönigstag - die Feier- und besonderen Festtage Ende Dezember 2020, Anfang Januar 2021 sind passé. Geblieben ist Corona mit vielen neuen Einschränkungen und der Winter mit Schnee, Kälte und Glatteis - auch bei uns im Frankenwald.

Schon früher war der Januar eine besondere Herausforderung. Nicht umsonst gab es bei unseren Altvorderen die Redewendung "Lieber zwei Sommer als einen Winter!"

Unser Gebiet gehört zum Klimabezirk "Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge". Geprägt durch starke Gegensätze ist das Klima hier im Frankenwald. Die Sommer sind oft sehr heiß, allerdings gedämpft durch die Wälder als natürliche Feuchtigkeitsspeicher. Die Winter wirken mit reichlichen Schneefällen recht kalt.

Der Frankenwald gilt als Kälte-Insel, als "Bayerisches Sibirien" oder "Frankens Klein-Sibirien". Hier oben kommt der Schnee früh im Jahr und geht später weg als anderswo. Ursache ist die Ostabdachung des Frankenwald-Gebirgsrumpfes. Dadurch ist diese Landschaft im Frühjahr und vor allem im Winter den trocken-kalten Nord- und Nordostwinden preisgegeben, was scharfen Frost und die berüchtigten Schneeverwehungen verursacht.

"Übermäßig viel Schnee war in den 1960er Jahren im nördlichen Frankenwald, zum Beispiel zwischen Hesselbach und Tschirn, an der Tagesordnung", erzählt ein Mittsechziger, der seine Kindheit und Jugend hier verbracht hatte. Schneepflüge und Schneefräsen mussten eingesetzt werden. Stundenlang dauerte die Räumung und das Freischaufeln auf dörflichen Nebenstrecken, wo auch hier die zwei bis drei Meter hohe "weiße Pracht" ausschließlich ein Kindervergnügen darstellte und für die Erwachsenen mit viel Handarbeit verbunden war. Dennoch freute man sich auf den freigeräumten Kirchenweg von Hesselbach nach Lahm und zum Gottesdienstbesuch in der Nachweihnachtszeit.

Eine besondere Attraktion war ab dem Dreikönigstag schon früher die kirchliche Krippe. Vor allem die Eltern kamen mit ihren Kindern nach dem Gottesdienst zum Seitenaltar und bestaunten das "Krippele", das seine weihnachtliche Szenerie erweitert hatte. Die "Heiligen Drei Könige" waren aus dem Morgenland am Stall von Bethlehem bei neugeborenen Jesuskind, bei Maria und Josef angekommen. Der Stern hatte ihnen den Weg gezeigt.

Prächtig gekleidet, von vielen Dienern umgeben, standen die gütigen Könige vor der Krippe und reichten die bekannten Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die kindliche Phantasie erregten dort nicht nur die Kamele, Dromedare und Elefanten, sondern es faszinierte auch das Gefolge, insbesondere der schwarze, sympathisch wirkende König Kaspar.

"Die Krippe eint" - so hieß das Konzept schon in Kindertagen, in den1960er Jahren - ein Motto der Integration und Zusammengehörigkeit: jung und alt, nah und fern, arm und reich versammelten sich als Akteure und Randfiguren in und vor der Krippe.

Bis Mariä Lichtmess (2. Februar), dem Ende des Weihnachts-Festkreises, konnte die versöhnende Krippe in den katholischen Gotteshäusern bewundert werden. Der Christbaum selbst wurde in vielen Familien schon Mitte Januar, nach Dreikönig oder spätestens an Sebastian (20. Januar) entleert.

Ein Wechsel der Szenerie erfolgte früher auch bei unseren Altvorderen. Nicht nur die Rau- oder Rauchnächte gingen mit dem 6. Januar, dem "Öberschten", zu Ende. Der Dreikönigstag selbst war für die bäuerlichen Arbeits- und Dienstverhältnisse ein wichtiger Tag. Das Dienstjahr für die Mägde und die Knechte fand seinen Abschluss: der Jahreslohn wurde ausbezahlt und ein neues Arbeitsjahr vereinbart.

Auch war für manchen Dienstboten jetzt um Dreikönig oder spätestens an Mariä Lichtmess die Zeit gekommen, den Arbeitsplatz zu wechseln und "sein Bündel zu packen". Neben dem Jahreslohn erhielt die Magd ein paar Bettbezüge und der Knecht Sonntagsschuhe, Socken, Hemd und Unterwäsche.

Auch wenn nun nach den "Zwölften" (von Weihnachten und Dreikönig) wieder gewaschen, gestrickt und gesponnen werden durfte, war bei der ländlichen Bevölkerung bis Aschermittwoch eigentlich eine stille Zeit auf den winterlichen Bauerndörfern eingekehrt. Die Natur war erstarrt und ein dickes Schneekleid bedeckte oft monatelang das Land.

Neben den Ausbesserungsarbeiten in Stall und Scheune gab es dennoch immer etwas zu tun: Strohseile wurden für die nächste Ernte gerichtet, Korbflechten stand auf dem Winterprogramm und wenn es die Witterung erlaubte, wurde Stangenholz geschlagen und als Brennholz vorbereitet. Alte und kranke Obstbäume wurden abgesägt und nach dem Trocknen aufgestapelt.

Nach der Treibjagd Hasen-Pfeffer

Auch Treibjagden in Wald, Feld und Flur fanden statt. Danach gab es in einer Gaststätte für Jäger und Treiber ein gemeinsames Essen, zum Beispiel den beliebten Hasen-Pfeffer.

Ein wichtiges Ereignis im winterlichen Jahreslauf war auch das Schlachtfest. Je nach Größe der Familie schlachtete ein Bauer früher ein bis vier Schweine im Jahr. Monatelang - über den Fasching hinaus - reichte dann das Fleisch, die Leber- und Griebenwürste, der rote Preßsack oder Schwartenmagen, der weiße Preßsack, die Dosenwürste und der geräucherte Schinken.

Längst gegessen waren schon vorher die selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen, die großen Neujahrsbrezeln und auch der Dreikönigskuchen, ein mit einer goldenen Karton-Krone versehener Kranzkuchen mit kandierten Zitrusfrüchten. Wer den versteckten Bohnenkern (oder auch eine Mandel oder Nuss bzw. ein Geldstück) in diesem Festtags-Kuchen am 6. Januar fand, wurde zum Bohnenkönig gekürt, der eine vergoldete Pappkrone tragen und die Herrschaft für einen Tag in der Familie antreten durfte. Auf Gemälden, insbesondere in den Niederlanden, sind solche fröhlichen Zecher und Schlemmer abgebildet und die alkoholseligen Bohnenfeste dokumentiert.

In Großbritannien erinnert der Dreikönigskuchen als Christmas- oder Twelfth-Night-Cake wie in deutschen Landen an das Ende der Raunächte.

Durch die derzeitigen Pandemie-Bestimmungen ist die Bewegungsfreiheit in den nächsten Tagen und Wochen wohl auch bei uns im Landkreis Kornach sehr eingeschränkt. Dennoch dürfte der eine oder andere Winterspaziergang an der frischen Luft nicht verkehrt sein. Trotz der bekannt-berüchtigten sprichwörtlichen Rauheit hat sich unser Frankenwald-Klima als besonders heilkräftig erwiesen: Gesundheit, Hygiene, Abstand, Maskenpflicht sind absolute Priorität.