Erich und Marcus Olbrich

Ein Waldspaziergang ist nicht nur während der warmen Jahreszeit eine schöne Abwechslung, sondern auch ein Erlebnis in den kälteren Adventstagen. Unser heutiger Weg führt uns zunächst zum Patersberg-Turm. Er beginnt am Parkplatz unterhalb des Patersbergs bei Veitlahm und führt uns am Waldrand und dann an einer Absperrschranke vorbei, danach entdecken wir im Wald immer wieder mit buntem Weihnachtsbaum-Schmuck behängte Fichtenbäumchen.

Am "Schau dich um", so heißt der Turm auf dem Patersberg, marschieren wir auf der Höhe vorbei in Richtung Dornlach. Nach etwa zehn Minuten entdecken wir einen ganz besonders schön geschmückten Baum. Da wir bewusst erst in der Dämmerung losgelaufen sind, leuchten uns die Lichter von weitem den Weg. Hier hat die Familie Skutnik aus Veitlahm einen Baum mit Christbaumschmuck und sogar teilweise mit Lämpchen versehen, und auf wundersame Art und Weise fängt er in der Dämmerung das Leuchten an.

"Graue Männchen" am Werk?

Sind es die "Grauen Männchen" vom Patersberg oder geschickt versteckte Batterien? Dies bleibt der Fantasie eines jeden Spaziergängers überlassen.

Ob wir nun den mitgebrachten Glühwein samt den köstlichen Lebkuchen und selbst gebackenen Plätzchen gleich hier verzehren oder erst auf dem Rückweg auf dem "Schau-dich- um-Turm", bleibt sich gleich. Schmecken werden sie in dieser besonderen Atmosphäre überall doppelt so gut, wie daheim auf dem Sofa vor dem Fernseher.

Ein kleines "Goollicht" auf dem Tisch neben dem Turm und mitgebrachte Taschenlampen erleichtern uns jedenfalls das Auffinden im Rucksack. Damit uns das gute Gefühl erhalten bleibt, nehmen wir unsere Abfälle gerne wieder mit. Auch für den Rückweg erweisen sich die Taschenlampen als nützliche Helfer, hat sich doch das Mondlicht hinter den Wolken versteckt.

Schon seit langer Zeit wurde vor den Adventstagen der Wald besucht. Man sammelte Fichten-, Tannen- und Kiefernzapfen, bei uns in Kulmbach liebevoll auch "Boodzlkieh" genannt. Die meisten davon ergänzten den Holzvorrat für die kalte Jahreszeit. Besonders schöne Zapfen wurden zusammen mit Moospolstern, Rinde und Ästen zum Dekorieren der Häuser verwendet. Häufig wurden die kleinen Äste und Bäumchen an die Decke gehängt, vermutlich, um sie vor dem Umstoßen in den engen Stuben zu bewahren.

Heute hängen in unseren Wohnzimmern farblich abgestimmte Kugeln an den Zweigen edler Nadelbäume - und Lichterketten umrunden ihn von oben bis unten. Es geht uns gut, doch warum feiern wir eigentlich Weihnachten? Sind uns vor allem die Geschenke wichtig oder feiern wir vielleicht doch das Fest der Geburt Christi?

Ein Fest mitten im Winter und die Verwendung von geschmückten Bäumen Ende Dezember hat heidnische Bräuche zum Ursprung. In vorchristlicher Zeit wurde das Fest der Wintersonnwende gefeiert.

Zur Wintersonnenwende

Am 22. Dezember ist der Höhepunkt der Dunkelheit, die längste Nacht erreicht, die Sonne hat ihre geringste Mittagshöhe. Eine Sonnenwende findet zweimal im Jahreslauf statt. Neben der Wintersonnwende feiern wir die Sommersonnwende, diese mit dem Abbrennen von aufgeschichtetem Holz.

Zur Zeit der Einführung des Julianischen Kalenders lagen die Sonnenwenden auf dem 25. Dezember und dem 24. Juni. An diesen beiden Tagen wird der niedrigste, beziehungsweise der höchste mittägliche Sonnenstand erreicht.

Die Menschen hofften auf die kommende wärmere Zeit, in der die dunklen Stunden weniger wurden und das Licht zunahm. Als Zeichen dieser Hoffnung, holte man sich grüne, geschmückte Zweige in die Stube. Immergrüne Pflanzen verkörpern Lebenskraft und man glaubte, sich damit Gesundheit ins Haus zu holen.

Der Brauch, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, hat seinen Ursprung in Deutschland. Den ersten geschmückten Weihnachtsbaum gab es um 1419 in Freiburg im Breisgau. Dort sollen nach mündlicher Überlieferung Bäcker einen Nadelbaum mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen behängt haben.

Die erste schriftliche Erwähnung geht ins Jahr 1527 zurück, als in einer Mainzer Akte von einem "weiennacht baum" im Wald zu lesen ist. So gilt nun der Weihnachtsbaum als typisch deutsch. Von hier aus verbreitete er sich, vor allem durch die Auswanderer im frühen 19. Jahrhundert in alle Welt.

Baum und Krippe

Anfangs galt er noch als lutherischer Brauch, die katholische Kirche hat lange Zeit der Krippe den größeren Symbolgehalt zugemessen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde aber auch hier der Weihnachtsbaum eingeführt. Traditionell wurde er am Tag vor Heiligabend aufgestellt. Heute findet man ihn oft schon viel früher. In evangelischen Gebieten wird er am 6. Januar abgeschmückt. In katholischen Familien bleibt er oft bis Lichtmess (2. Februar) stehen.

Wir möchten uns bei den Familien bedanken, die die Idee für die schön geschmückten Weihnachtsbäume bei Veitlahm und Wernstein hatten. Auch an der "Fröschigquelle" und anderen Bäumen im Wald schmücken liebe Mitmenschen Bäume, um anderen eine Freude zu machen.

Wir würden uns über eine kleine Nachricht freuen, wo sich in der Umgebung noch weitere geschmückte Bäume finden. Eine E-Mail an erich.olbrich@stadt-kulmbach.de wäre sehr nett.