Die Weiterentwicklung und Modernisierung als Klinikstandort mit dem Millionen-Neubauprojekt, Erhalt historischer Bausubstanz, Neustrukturierung des Areals mit Blick auf Klinik, Denkmal und Wohnen – diese groben Stichpunkte lassen auf die Vielschichtigkeit des 54 Seiten umfassenden kommunalen Denkmalschutzkonzeptes Kutzenberg schließen, das Franz Ullrich vom Planungsbüro Plan & Werk Bamberg in der Sitzung des Ebensfelder Gremiums vorstellte.

Etliche Abstimmungsgespräche und Videokonferenzen fanden seit Anfang 2020 statt, um eine tragfähige Basis zu finden und zu bilden und die gemeinsamen sowie verschiedenen Interessen und Ziele aufeinander abzustimmen. Und es wird noch viele Gespräche geben müssen, lässt sich als Fazit aus der halbstündigen Präsentation des Denkmalschutzkonzepts durch den Planer konstatieren.

Laut Ullrich wurden denkmalpflegerische Interessen formuliert und Ziele abgeleitet, die freilich verknüpft sein müssen mit der Weiterentwicklung des Klinikstandorts Kutzenberg und der damit verbundenen Frage der Neunutzung von Flächen im Falle von Rückbauten. Der Planer empfiehlt vorbereitende Untersuchungen zur Ausweisung eines Sanierungsgebietes als Voraussetzung für Fördermöglichkeiten sowie Machbarkeitsstudien für mögliche Umnutzungskonzepte hinsichtlich nicht vom Bezirksklinikum genutzter Bestandsgebäude zur Vorbereitung des Verkaufs an externe Nutzer.

Einen Konfliktpunkt stellt das Haus 18 dar, die 1910 errichtete „Direktorenvilla“, deren Bausubstanz und Denkmaleigenschaft gerade im Innenbereich des Gebäudes laut einer ersten Machbarkeitsstudie zwar für deren Erhalt sprechen. Diese Machbarkeitsstudie könne aber noch keine belastbare Grundlage hinsichtlich des Ob und Wie einer künftigen Nutzung darstellen.

Schließlich kam Ullrich auf „Ziele und Leitlinien“ zu sprechen. Dies seien aber noch keine endgültigen Maßnahmen, betonte er. Es gelte, den wertvollen Gesamtcharakter Kutzenbergs durch Erhalt, Pflege und Nutzung der vorhandenen Baudenkmäler sowie der Parks und Freiflächen zu sichern, die Neubauten ins Orts- und Landschaftsbild zu inte-grieren sowie einen modernen und funktionalen Klinikstandort und attraktiven Wohnort in Kutzenberg zu entwickeln.

Als Planungsempfehlung kann sich das Planungsbüro – auf Basis der vielen Gespräche – eine Neustrukturierung beispielsweise in folgender Weise vorstellen: Die Konzentration der Kliniknutzung könnte vornehmlich im Norden und Nordosten des Areals angesiedelt sein, im Denkmalschutzkonzept als „Quartier Klinik“ tituliert. Der zentrale Bereich Kutzenbergs böte sich an für einen Mix aus Krankenhausverwaltung, öffentlichen Einrichtungen und Wohnen mit Nutzung der historischen Pavillonbauten, wobei bis 2030 Zwischennutzungen denkbar seien („Quartier Denkmal “). Im Südwesten Kutzenbergs könnte nach einem Rückbau von nicht mehr genutzten Klinikgebäuden aus den 1970er-Jahren ein neues Wohngebiet entstehen („Quartier Wohnen“).

Die Planungshoheit liegt beim Markt Ebensfeld , der Fördergelder für die Un-tersuchungen erhält. Auf der Basis kann weiter entschieden werden, für welche Gebäude man die Planungen vertieft.

Der Sitzung wohnte Werner Roder, Geschäftsführer beim Bezirk Oberfranken , bei. Für ihn stehe der Punkt „Entwicklung eines modernen Klinikstandorts“ an erster Stelle, unterstrich Roder. Denkmalschutz sei zwar wichtig – der Geschäftsführer sprach von Kompromissbereitschaft –, aber man müsse natürlich schauen, was möglich und finanzierbar sei.

Die andere Seite der Medaille im Blickfeld hatte Thomas Gunzelmann vom Landesamt für Denkmalpflege : „Wir wollen die historische Bausubstanz so weit wie möglich erhalten.“

Es besteht nun die Möglichkeit, bezüglich der Neunutzung einzelner Gebäude die dritte Stufe des Konzeptmoduls in Anspruch zu nehmen, also beispielsweise konkretisierende Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben. Das würde weitere Kosten bedeuten. Beschlossen wurde hierzu in der Sitzung noch nichts. Klinik, Wohnen, Denkmalschutz , Neunutzung von Baupotenzial durch künftige Rückbauten – all diese Punkte gilt es in den kommenden Jahren abzuwägen und Lösungen zu finden, die allen Beteiligten und allen Interessenslagen gerecht werden. Wenn alle Beteiligten Kompromissbereitschaft mitbringen, stimmt das zuversichtlich.

Einschätzung des Bürgermeisters

Optimismus verbreitete der Bürgermeister Bernhard Storath : „ Kutzenberg gehört einfach zu Ebensfeld . Wir von der Gemeindeverwaltung und vom Gemeinderat werden uns jedenfalls nicht vorwerfen lassen können, dass wir etwas leichtfertig übergangen haben. Und wir haben jetzt den richtigen Weg eingeschlagen; davon bin ich überzeugt.“