Als der Mann am 4. April dieses Jahres vor der Kindertagesstätte gegen die Stoßstange eines parkenden Autos fuhr, wollte er die Sache auf sich beruhen lassen und tat unbeteiligt. Diese Gleichgültigkeit fiel auf − einer Mutter. Einer Mutter, die Polizistin ist. Jener, die ihr Kind zur selben Kita brachte und der das geparkte Auto gehörte. Was daraus erwuchs, war ein Prozess wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein .

Der Verhandlungstag sollte für den 27-jährigen Angeklagten kein guter werden. Kurz vor 10 Uhr nahm er Platz im Saal 14 des Amtsgerichts, müde um sich blickend und permanent an einem Ring der rechten Hand spielend. Es war die Zeit, als sein Handy zum ersten Mal „Ping“ machte. Das sollte es im Laufe der von Richter Mario Geyer geführten Verhandlung noch ungefähr zwölfmal tun, ohne dass der Angeklagte auf die Idee kam, es auszuschalten oder leise zu stellen.

Der Mann hatte leicht fahrig gewirkt, am 4. April, „berauscht und zitternd“, wie Staatsanwältin Jana Müller in ihrer Anklageschrift bemerkte. Der Grund: Den Stoßstangenschaden im Wert von 1499 Euro fabrizierte der Mann unter dem Einfluss der Rauschgifte Amphetamin und Methamphetamin. Darüber hinaus hatte er keine gültige Fahrerlaubnis . Damit nicht genug, denn vier Tage später war der, in der Warenwirtschaft tätige Lichtenfelser, wieder unter der Wirkung von Drogen gefahren − und bemerkt worden. „Was war denn da am 4. April?“, versuchte Richter Mario Geyer Näheres aus dem Manne herauszulocken und erhielt zur Antwort, dass die Tat aus Leichtsinn geschehen sei. „Und am 8. April?“, so Geyer nachhakend. Da, so erklärte der Gefragte, habe er das Auto nur kurz in der Straße bewegen wollen, weil es zu lange gestanden sei.

Gefährdung eines Kindes

Für Staatsanwältin Jana Müller stellte sich noch eine andere Frage und zwar die nach der Sicherheit eines Kindes, das von einem unter Drogen stehenden fahruntüchtigen Vater zur Kita gefahren wird. „Hatten Sie denn keine Bedenken, dass Sie Ihr Kind gefährden?“ Die Antwort kam kurz und knapp: „Eigentlich nicht.“

Dann wurde die erste Zeugin in den Zeugenstand gerufen, es war eine weitere Polizistin. Sie gehörte zu der von der Geschädigten verständigten Streife. Sie erwähnte, unter anderem, dass beim Anblick des Angeklagten etwas in ihrem Hinterkopf klingle: Man war sich schon mal beruflich begegnet. Zu dieser Episode hatte die Frau „noch im Hinterkopf, dass mit seinem Führerschein was war“. Eine Skizzierung seines Auftretens fiel dabei außerdem und in Erinnerung blieben die Begriffe „gleichgültig, nervös und stimmungsschwankend“.

Die geschädigte Frau trat danach in den Zeugenstand und berichtete von ihren Eindrücken. Mit einer Erzieherin war sie vor dem Kindergarten gestanden und hatte gesehen, wie der 27-Jährige gegen ihre Stoßstange fuhr. Dann hatte sie mitbekommen, wie der Mann keine Anstalten machte, „herauszufinden, wem das Auto gehört, das er touchiert hat“. Als sie ihn darauf angesprochen hatte, da habe er alles versucht, die Sache unter vier Augen und per Austausch von Adressen zu klären. „Er hat sämtliche Ausreden gefunden und irgendwann gestanden, dass er keinen Führerschein habe“, so die 32-Jährige.

Dann war es wieder Staatsanwältin Müller, die Fragen stellte. Sie brachte ein forensisch-toxikologisches Gutachten ins Spiel und suchte den Grund für den Drogenkonsum des Mannes zu ergründen. Dabei erfuhr sie auch, dass der Angeklagte Crystal geschnupft und es Zeiten gab, in denen er das täglich getan hatte. „Aber ich war immer arbeiten“, nahm der Angeklagte für sich in Anspruch. Tatsächlich weist sein Bundeszentralregister vom Dezember 2021 einen Eintrag wegen unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln auf. Müller dazu: „Was lange währt, wird endlich mal bestraft!“ Sie forderte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs mit einer Geldstrafe in Höhe von 3780 Euro sowie einem sechsmonatigen Fahrverbot. Richter Geyer stimmte zu.