Ein Bad Staffelsteiner tickte aus. Wegen einer Nichtigkeit. Plötzlich, so legte ihm die Staatsanwaltschaft zur Last, soll er seine Lebensgefährtin massiv geschlagen haben. Wieso und weshalb, das galt es am Dienstag auf dem Amtsgericht zu ergründen. Auf „ gefährliche Körperverletzung “ lautete die zu betrachtende Anklage.

Es sollte nicht wirklich eine plausible Erklärung geben. Nicht für das Gericht und nicht für Rechtsreferendar Sebastian Wittorek, der die Sache der Staatsanwaltschaft vertrat. Was sich am 2. März des vergangenen Jahres gegen 20 Uhr in einer Wohnung im Bad Staffelsteiner Stadtgebiet zutrug, war ein schmerzlich ungewöhnliches Abendbrot. Auf jeden Fall wurde der 24-jährigen Frau, Mutter zweier Kinder, mit einem Teller ins Gesicht geschlagen. Dann soll ihr 41-jähriger Lebensgefährte zu einem Puppenkinderwagen gegriffen und mit diesem auf die Frau eingedroschen haben.

Der angeklagte Handwerker führte an, dass sich die Angelegenheit darum zugetragen habe, weil seine Frau „gleich zu schreien angefangen“ habe, nachdem er das Essen von sich wies. Später dann habe sie ihn sogar am Kragen gepackt und er habe sich dem entwunden.

„Sonst ist nix passiert?“, suchte Richter Matthias Huber zu ergründen. Das Nein des Angeklagten fiel dazu vehement aus. Für Wittorek waren noch jede Menge Fragen offen. Beispielsweise diese: „Wie erklären Sie sich denn die Verletzungen der Frau?“ Diese Verletzungen waren offensichtlich und auch auf Fotografien festgehalten. Es ging um blutende Wunden am Mund, Schmerzen und Prellungen am Oberkörper bzw. Kopf. Erklären, so der Angeklagte , könne er dies alles nicht. „Ich weiß es nicht, ich habe sie nicht geschlagen (…) ich habe nur versucht, ihre Hände von mir wegzunehmen.“

Gepeinigte wollte nicht aussagen

Die Fotos wogen schwer und sprachen eine beredte Sprache. Das tat aber auch das Aussageverhalten der Frau. Diese sagte: „Ich möchte nicht gegen ihn aussagen, weil er der Vater meiner zwei Kinder ist.“ Und eben dieser Umstand sollte dem Gericht aufzeigen, dass kein Belastungseifer vorlag. Jedoch machte Richter Matthias Huber der Frau deutlich, dass sie, da sie nicht im Rang einer Ehefrau oder Verlobten steht, kein Zeugnisverweigerungsrecht habe. So sprach sie doch über den Vorfall, davon, wie der Mann den Teller genommen und auf ihren Kopf geschlagen habe. „Ich weiß nicht, warum“, versicherte die junge Frau. Doch wie all das zur Sprache kam, da sollte sich noch etwas herausstellen. Der Umstand nämlich, dass der Mann wohl auch in dem Moment in Richtung der Frau schlug, in welchem sie ihr Kleinkind eng bei sich trug.

Auch schien sich zu bestätigen, dass der Mann alkoholisiert genug zu sein schien. Ein Wert von 0,62 Promille lag jedenfalls gesichert vor. Von Interesse war auch die Beschaffenheit des Puppenkinderwagens. Zu ihm berichtete das Opfer, dass er aus Aluminium und Messing besteht. In Wittoreks Plädoyer hieß es so: „Aufgrund konkreter Verwendung und objektiver Beschaffenheit“ waren der Teller und der Puppenkinderwagen absolut der Grund, den Tatbestand nicht nur als Körperverletzung , sondern als gefährliche Körperverletzung zu verhandeln. Die Tat selbst sah Wittorek als „in vollem Umfang bestätigt“ an und sprach von einer Überführung des Angeklagten und von einem „schweren Fall von häuslicher Gewalt “. Und das noch aus einem weitere Grund: „Er hat sich auch nicht davon abbringen lassen, gegen die Frau vorzugehen, während diese ihren Sohn im Arm hielt.“ Der Rechtsreferendar plädierte auf 15 Monate Haft zur Bewährung, drei Jahre Bewährungszeit, die Beistellung eines Bewährungshelfers und eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro.

Dass es mit einer Geldstrafe sein Bewenden haben sollte, darauf wies Rechtsanwalt Manfred Glöckner hin. Er hob hervor, dass sich das einstige Paar zumindest soweit zusammengerauft habe, dass es über Probleme spräche und sich gegenseitig helfe. „Das machen manche Ehepaare nicht“, fügte er noch launig an.

Das Urteil sollte dann auch eher im Sinne Glöckners ausfallen, denn Huber nahm von einer Haftstrafe Abstand. Allerdings fällte er ein Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Körperverletzung , durch welches der 41-Jährige 3000 Euro zu zahlen haben wird.